American FootballDer 100-jährige „Plan B“ der Generals

Marius Venturini, vom 10.08.2017 00:00 Uhr
In der Defense-Line für die eher rustikalere Gangart zuständig: Dieter Gröger (links) und Ralf Nötzold. Foto: Horst Dömötör
In der Defense-Line für die eher rustikalere Gangart zuständig: Dieter Gröger (links) und Ralf Nötzold.Foto: Horst Dömötör

Pattonville - Sagen wir mal so: Eine Laufbahn als Runningback, also als Spieler, der den Ball in vollem Sprint in Richtung gegnerische Endzone transportiert, wird es weder bei Ralf Nötzold noch bei Dieter Gröger werden. Die beiden sind in der Defense-Line eher für die rustikalere Gangart zuständig. Sie sorgen also unter anderem dafür, dass eben kein Runningback mit seinen flinken Füßen durch die Reihe bricht. Was das Duo ziemlich einzigartig macht: Die beiden haben für aktive Footballspieler ein bereits beachtliches Alter. Ralf Nötzold ist 42 Jahre alt, Dieter Gröger hat mittlerweile 58 Jahre auf dem Buckel. Beide haben für die Pattonville Generals in dieser Saison in fast jedem Spiel die Knochen hingehalten.

Ihr aktives Engagement beim Baden-Württemberg-Kreisligisten hat, man könnte sagen, familiäre Gründe. Eine Football-Vergangenheit ist bei beiden vorhanden. Nötzold war vor seinem Wechsel zu den Generälen vier Jahre lang Jugendleiter bei den Ludwigsburg Bulldogs gewesen. In Pattonville ist er nun Abteilungsleiter. Gröger war viele Jahre Jugendleiter bei den Kornwestheim Cougars – und dort auch aktiv in der Offensive-Line. Der springende Punkt ist aber: Beide haben Kinder, die Football spielen. Grögers Sohn Dominik spielte in der Jugend bei der SG Kornwestheim Cougars/Fellbach Warriors sowie in der Baden-Württemberg-Auswahl. Zwischenzeitlich hatte er aufgehört, doch dann kamen die Generals ins Spiel. Die Ansage an den Herrn Papa: „Ich spiele wieder, aber nur, wenn du mitmachst.“

Etwas anders lief es in Familie Nötzold. „Statt bei jedem Training nur daneben zu stehen und zuzugucken, habe ich begonnen, mitzumachen.“ Sohn Yannick spielt auf der Position des Runningbacks bei den Generals.

Dann kam das erste Spiel. Und aus „Plan B“ – der Spitzname des zusammen 100-jährigen Gespanns, weil sie eigentlich nur aushilfsweise auf dem Platz standen – wurde ein wichtiger Bestandteil des Teams. „Wir haben nicht ganz erwartungsgemäß in der Mitte alles dicht gemacht“, sagt Gröger.

Die beiden sind mit Abstand die Ältesten bei den Seniors der Generals. „Ich hatte noch nie eine Verletzung, aber ich kann kein Fußball, kein Tennis und auch kein Handball“, sagt Gröger. Also American Football. Beide müssen, obwohl zweifellos fit, zugeben: „Das Schlimmste ist der Tag danach, man merkt den Muskelkater an sämtlichen möglichen und unmöglichen Stellen.“ Da sei es nur gut gewesen, dass zwischen den Spielen jeweils eine Woche Pause gelegen habe.

Auf dem Platz mache das gehobene Alter gar nichts aus. „Mit den Helmen sehen alle gleich aus, das ist ja das Schöne“, findet Gröger. So sei American Football auch im Vergleich zu Fußball der bessere Sport – was den Teamgeist betreffe. „Bei uns reichen ein, zwei gute Spieler nicht. Die ganze Mannschaft muss mitziehen.“ Er selbst hat in jüngeren Jahren Fußball gespielt, unter anderem in Feuerbach. Das habe ihm aber bei der Spielübersicht weitergeholfen.

Nötzold, IT-Koordinator bei AMG, und Gröger, Versicherungsfachmann bei der Allianz, sind stolz auf das, was sie in der ersten Seniors-Saison bei den Generals erreicht haben. Mitgeholfen, zumindest bei Gröger, hat ein kleiner „Trick“. „Man muss erst einmal die eigene Angst überwinden“, sagt er, „man zieht also die Ausrüstung an und rennt auf den nächsten Zaun. Nicht abbremsen, einfach drauf.“ So halfen beide also dabei mit, während der Saison kein Spiel absagen zu müssen – keine Selbstverständlichkeit im Amateurfootball. Das tabellarische Saisonziel, Platz drei, verpassten die Generals nur hauchdünn.

In der nächsten Saison wollen die beiden auf jeden Fall weitermachen – auch wenn sie, das gebietet die Position, nur selten so im Mittelpunkt stehen wie zum Beispiel die Quarterbacks, die Spielmacher. Unterstützung gibt’s von den Familien. Nötzolds Tochter tanzt bei den Cheerleadern, Grögers Ehefrau ist ebenfalls Football-affin. Gemeinsam geht es dieses Jahr zu einem Spiel der nordamerikanischen Profiliga NFL nach London.