Fußball Der türkische Schwabe ordnet das Team

Marius Venturini, vom 05.08.2017 09:00 Uhr
Entschlossen: Sahin Üste Foto: Horst Dömötör
Entschlossen: Sahin Üste Foto: Horst Dömötör

Kornwestheim - „Man kennt sich eben im Fußball“, sagt Sahin Üste. Es gibt Spiele gegeneinander, man ist teilweise auf du und du mit Vorstandsmitgliedern anderer Vereine. Das Amateurfußball-, oder noch weiter heruntergebrochen: das Kreisligauniversum, ist ein Kosmos, den viele langjährige Bekanntschaften prägen. Eine Tatsache, die letztendlich auch dafür verantwortlich ist, dass der Türkische Sportclub Kornwestheim nun einen neuen Trainer hat: Sahin Üste.

In der vergangenen Saison spielte der 31-Jährige noch als Stürmer beim TV Möglingen. In der Kreisliga A 2-Saison erzielte er vier Tore. Unter anderem traf er auch beim Möglinger 7:2-Rückrundensieg in Kornwestheim. „Vor der abgelaufenen Saison habe ich ein Jahr pausiert, aber ich habe gemerkt, dass etwas fehlt“, sagt Üste. Also ließ er sich noch einmal reaktivieren. Zuvor hatte er beim TSV Korntal gespielt. Der TSC ist nun seine erste Station als Trainer.

Die fußballerische Vita des Neu-Coaches ist lang. Seine Jugend verbrachte er fast komplett beim TSV Münchingen, mit einem kurzen Intermezzo bei den TSF Ditzingen. Nach der A-Jugend, mit 18, hängte er seine Fußballschuhe für sechs Jahre an den Nagel. Mit 24 Jahren stieg er bei der Reserve des TSV Korntal wieder aktiv ins Geschehen ein und wurde mit dem Team gleich Meister in der damals noch existenten Kreisliga C. Über die Stationen Eltingen und Perouse ging es schließlich wieder nach Korntal, bevor er abermals eine Pause einlegte und sich zu einer letzten Saison beim TV Möglingen überreden ließ. „Als Spieler ist jetzt aber wirklich Schluss“, sagt der Mann, der im türkischen Gaziantep geboren und als Kind mit sieben Jahren nach Deutschland gekommen ist.

Und in Sachen Fußball fühlt sich Sahin Üste laut eigener Aussage als Schwabe. So hat er die ersten drei Wochen der Vorbereitung damit verbracht, das nach dem Chaos der vergangenen Saison durcheinandergeratene Mannschaftsgefüge beim TSC zu ordnen. Sprache innerhalb des Teams: Deutsch. Festgehalten ist das im Strafenkatalog. „Auch wenn es manchem schwerfällt, ich kenne das ja selbst“, bekennt Üste. Doch auch neue Spieler – nicht nur Türken, auch Deutsche, die er von seinem alten Verein aus Möglingen mitgebracht hat – wollen im Team eingebaut werden. Zum Gelingen seines Vorhabens sollte auch ein Trainingslager in Lauchheim beitragen. Üstes Erkenntnis: „Die Jungs sind motiviert.“

Aber das sei häufig der Fall bei ausländischen Mannschaften, wie der Coach betont. „Wenn der Erfolg da ist, funktioniert alles sehr gut. Aber wenn es ml nicht so gut läuft, geht es sehr schnell nach unten.“ Zum Beispiel mit der Trainingsbeteiligung. „In der vergangenen Saison mussten wohl einige Einheiten einfach abgesagt werden, weil nicht genügend Spieler kamen.“ Das solle sich jetzt auf keinen Fall wiederholen.

Deshalb solle sein Team nach Ligastart so schnell wie möglich seine Hausaufgaben machen – wichtig auch, da in dieser Saison vier Mannschaften direkt absteigen. „Wir wollen zeigen, dass wir da unten nichts verloren haben“, sagt Üste entschlossen. Seinen Fokus legt er dabei auf die Stabilität der defensiven Viererkette. „Das ist für mich am wichtigsten. Offensiv war der TSC schon in der letzten Saison gut bestückt.“Auch diese Konzentration auf die Abwehrarbeit sei ein Stück weit deutsche Mentalität, wie er sagt.

Momentan stehen ihm deutlich über 20 Spieler zur Verfügung. „20 Feldspieler und zwei Torhüter werden es am Ende sein“, verrät der gelernte Schlosser, der mittlerweile in Gastronomie und Einzelhandel selbstständig ist. „Daneben hat Fußball momentan höchste Priorität“, so Üste. Und mit dem Plan, den er für zwei bis drei Jahre angelegt hat, soll es dann auch klappen. Denn eigentlich will er in naher Zukunft nicht schon wieder seine Beziehungen spielen lassen, wenn es um einen Trainerposten bei einem anderen Verein geht.