FußballDie Blitzstarter vom SV Kornwestheim

Marius Venturini, vom 15.04.2017 07:00 Uhr
SVK-Kapitän Muammer Dülger (rechts) und Predrag Sarajlic bejubeln dessen Kopfballtreffer zum 2:0-Halbzeitstand. Foto: Horst Dömötör
SVK-Kapitän Muammer Dülger (rechts) und Predrag Sarajlic bejubeln dessen Kopfballtreffer zum 2:0-Halbzeitstand.Foto: Horst Dömötör

Kornwestheim - Markus Fendyk war die Genugtuung förmlich anzusehen. „Nach dem Vorwurf, ich sei unsportlich, jetzt die richtige Antwort gegeben zu haben, tut wirklich gut“, so der SVK-Trainer nach dem 3:0 (2:0)-Sieg seiner Elf gegen den TSV Flacht. Dessen Coach Thorsten Talmon hatte Fendyk in der Leonberger Kreiszeitung vorgehalten, sich gegen eine Verlegung des Anpfiffs eine halbe Stunde nach hinten gesperrt zu haben. Talmon machte Bedenken ob der Verkehrssituation auf den Straßen rund um Stuttgart geltend. „Die Flachter wussten von dem Termin ein halbes Jahr lang“, so Fendyk.

Dementsprechend frostig ging’s zu an der Auslinie des Kornwestheimer Kunstrasens an der Bogenstraße. Die beiden Übungsleiter widmeten sich keines Blickes. Herzerwärmend – zumindest aus Kornwestheimer Sicht – war allerdings das Geschehen auf dem Platz. Denn dort ging der SVK bereits in der vierten Minute in Führung. Pirmin Löffler steckte stark auf Dominik Janzer durch, der Torjäger vom Dienst besorgte das 1:0 für die Hausherren.

Nach diesem frühen Schock lief bei Flacht gar nichts zusammen. Die einzige nennenswerte Szene der Gäste war ein rüdes Einsteigen von TSV-Kapitän Kevin Bauer gegen Kornwestheims Marco Reichert (19.), für das es zwingend Gelb hätte geben müssen. Doch der Unparteiische ließ die Karte stecken und gab lediglich Freistoß. Den trat Stefano Nicolazzo von halbrechts nach innen, wo Predrag Sarajlic am langen Pfosten wartete und einköpfte (20.). Für Reichert ging es derweil mit einer Unterschenkelverletzung nicht mehr weiter. Für ihn kam Tolunay Aydin, der auf dem linken Flügel ein starkes Spiel machte.

Fußballerisch glänzte ausschließlich der SVK. Schon vor dem 2:0 hatte Pirmin Löffler TSV-Keeper Baris Kilic mit einem verdeckten Schuss vor große Probleme gestellt (15.). Und auch Sarajlic hatte eine weitere Kopfballchance (26.), bei der er den Ball über den Querbalken beförderte. Ein Freistoß des TSV, getreten von Erdi Kocaoglu, ging ebenfalls deutlich drüber (37.). Es war die beste Flachter Gelegenheit. Dann ging es in die Halbzeitpause.

Danach legte der SVK erneut los wie die Feuerwehr. Nicolazzo passte von links zu Aydin, der zu Janzer weiterleitete. Der zog von der Strafraumkante ab, Kilic war noch dran, der Ball schlug aber dennoch im langen Eck ein (47.). Es war der endgültige Knockout für die Gäste, die nun aber etwas besser ins Spiel fanden. Zunächst blieb ihnen bei einem recht deutlichen Handspiel von Muammer Dülger im SVK-Strafraum der Elfmeterpfiff versagt (50.), dann klärte Kornwestheims Torspieler Louis Wolf mit einer gekonnten Fußabwehr gegen Dominik Elfadli (52.). Elfadli war es auch, der in der 55. Minute einen Schuss neben das Tor setzte.

Doch dann war es auch schon wieder vorbei mit der Flachter Offensive. Es spielte nur noch der SVK. Löffler schoss aus zehn Metern über das Tor (60.), Aydin aus 25 Metern ans Lattenkreuz (61.). Dülgers Flachschuss aus 25 Metern lenkte Kilic mit Mühe am Pfosten vorbei (61.).

In der 66. Minute schließlich schwächte sich der TSV auf kuriose Weise selbst. Flachts Spielführer Kevin Bauer, der bereits zuvor mehrfach und lautstark bei Trainer Talmon um seine Auswechslung gebeten hatte („Das hat keinen Sinn mehr bei dem Schiri!“), hatte einige Minuten zuvor nach einer eher harmlosen Aktion doch noch die Gelbe Karte gesehen. Als er mit einer weiteren Entscheidung des Referees nicht einverstanden war, stapfte er – erneut schimpfend um seine Auswechslung bittend – in Richtung Flachter Bank. Währenddessen riss er sich die Kapitänsbinde vom Oberarm und pfefferte sie zu Boden. Der Schiedsrichter hatte daraufhin genug gesehen und zeigte Bauer die Ampelkarte.

Danach hätte der SVK weiter erhöhen können. Janzer und Löffler ließen eine Doppelchance liegen (75.), Aydin schoss nach Pass des eingewechselten Denis Christ aus fünf Metern über das Tor. Louis Wolf musste nur noch einmal eingreifen. In der 82. Minute parierte er einen Schuss von Maik Bauer in Weltklassemanier.

„Wir mussten nach dem Sieg in Bietigheim nachlegen, das haben wir getan“, so Fendyk. Der Vorsprung auf den FC Marbach beträgt weiter sechs Punkte. Er lobte: „Heute hat jeder nicht nur auf der eigenen Position gespielt, sondern überall. Jeder hat für den anderen Gas gegeben.“