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FußballMit der Punkteteilung können am Ende alle gut leben

Lutz Selle, vom 15.05.2017 00:00 Uhr
Fatos Povataj setzt sich in dieser Szene gegen drei TSC-Spieler durch. Foto: Horst Dömötör
Fatos Povataj setzt sich in dieser Szene gegen drei TSC-Spieler durch.Foto: Horst Dömötör

Kornwestheim - Nach dem Abpfiff auf dem Kunstrasen an der Jahnstraße sei er erst einmal richtig sauer gewesen, gibt Safet Muzliukaj, Trainer des Kreisliga A 2-Tabellenzweiten SC Drita Kosova, zu. Erst als er von der 0:4-Niederlage des Tabellendritten Spvgg Warmbronn erfahren hatte, war der Drita-Coach wieder zufrieden. Denn jetzt fehlen den Kosovaren aus den letzten drei Partien nur noch zwei Punkte, um die Aufstiegsrelegation sicher zu haben.

Gegen den abstiegsbedrohten TSC Kornwestheim, der zuvor sieben Punktspiele in Folge verloren hatte, hatte der SC Drita zur Pause bereits mit 3:1 geführt und fühlte sich wohl zu sicher. Die Türken schafften aber mit einer Energieleistung noch den Ausgleich, obwohl sie ab der 62. Minute einen Spieler weniger auf dem Feld stehen hatten. Nach Gelb für ein Foulspiel in der ersten Halbzeit hatte Emrullah Yazici vom türkischen Schiedsrichter die gelb-rote Karte gesehen, nachdem er seine Mitspieler beim Spielstand von 3:2 für Drita auf Türkisch verbal dazu aufgefordert hatte, etwas härter zur Sache zu gehen – aus Sicht von TSC-Vereinschef Aziz Genc eine viel zu harte Entscheidung des Unparteiischen. „Er hat das irgendwie falsch verstanden.“ Die TSC-Elf kam trotzdem noch zum 3:3 und verteidigte damit gerade noch den zwölften Tabellenplatz, der in drei Spieltagen den Klassenverbleib bescheren würde.

„Schon in den ersten 20 Minuten hat der TSC Druck gemacht“, räumt auch Drita-Trainer Safet Muzliukaj ein. Zwar erspielten sich auch die Kosovaren ihre ersten Chancen durch Jaime Manoccio und Fatlum Bajrami. Aber der erste Treffer gelang dem TSC – durch einen von Erhan Okumus in der 16. Minuten verwandelten Elfmeter. Zuvor hatte Fatos Povataj im Strafraum Nuh Dogan regelwidrig gestoppt.

Aber die zweite Hälfte der ersten Halbzeit dominierte eindeutig der SC Drita. In Minute 23 nahm der junge Getarb Sali einen Steilpass von Blendor Zymeraj auf, ließ mit einer Körpertäuschung zwei TSC-Verteidiger stehen und netzte dann zum 1:1 ein. Mit einem weiten Pass erreichte elf Minuten später Drita-Spieler Samet Köse seinen Mitspieler Tugrul Yalman, der nur noch TSC-Torwart Abdullah Esen vor sich hatte und diesen erfolgreich ausspielte. Das 3:1 folgte nur eine Zeigerumdrehung später und sah ähnlich aus wie das 1:1. Erneut war es Getarb Sali, der – diesmal nach Vorarbeit von Tugrul Yalman – zwei Verteidiger aussteigen ließ und den Ball ins lange Toreck schob.

Nach dem Seitenwechsel gab dann wieder die TSC-Elf Gas, während die Drita-Spieler aus Sicht ihres Trainers zu sehr schön spielen wollten, nach dem Prinzip „Hacke, Spitze, eins, zwei, drei“. Die Mannschaft von Spielertrainer Yasin Sengül zeigte nun ein anderes Gesicht als in den jüngsten Punktspielen. Die Reaktivierung der Routiniers Ergin Gümüs, Yildiray Tun und Emre Dalkic machte sich ebenso bemerkbar wie die Rückkehr des Stürmers Nuh Dogan, der nach seiner Verletzungspause der überragende Mann auf dem Platz war. Dogan nahm in der 57. Minute ein Zuspiel von Selcuk Erbas auf dem linken Flügel an, legte den Ball an zwei Spielern vorbei und flankte dann in die Mitte, wo Selcuk Erbas per Direktabnahme auf 3:2 verkürzte.

Auch am dritten TSC-Treffer war Nuh Dogan wieder maßgeblich beteiligt. In der 65. Minute lief er ein Solo und stürmte am Ende allein auf Torwart Arif Türkmen zu, der Dogan von den Beinen holte. Den fälligen Elfmeter verwandelte Selcuk Erbas zum 3:3-Endstand. In den letzten Minuten drängten die Kosovaren noch einmal auf den Siegtreffer. Aber die zehn TSC-Spieler verteidigten erfolgreich den Punkt. „Über 90 Minuten betrachtet war der Gegner etwas besser“, gibt TSC-Chef Genc zu. „Aber unsere Mannschaft hat Moral und Charakter gezeigt und sich damit den Punkt verdient.“ Nun ist für den TSC noch alles drin: Klassenverbleib, Relegation und Abstieg.