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Fußball „Mit einer Abschiebung kann man ja nicht rechnen“

Kein Autorenname vorhanden, vom 27.12.2017 11:10 Uhr
Safet Muzliukaj und Drita Kosova Kornwestheim fahren ins Traininslager nach Slowenien. Foto: Pressefoto Baumann
Safet Muzliukaj und Drita Kosova Kornwestheim fahren ins Traininslager nach Slowenien. Foto: Pressefoto Baumann

Kornwestheim -

So richtig ist Drita Kosova Kornwestheim in dieser Runde noch nicht in Fahrt gekommen. Einer zerstückelten Vorbereitung ohne Testspiele folgten teils überraschende Niederlagen auch gegen Teams aus dem unteren Tabellendrittel. Das kann nicht der Anspruch des Relegationsteinehmers des vergangenen Sommers sein, meint auch Trainer Safet Muzliukaj. Im Gespräch präzisiert er die Gründe für das bisherige Abschneiden und richtet den Blick auf das neue Jahr.

Herr Muzliukaj, das Wiedersehen mit Ihrem Ex-Spieler Sermin Zekjiri ist ausgefallen, das Spiel gegen Warmbronn zum Jahresende wurde abgesagt. So gehen Sie mit zwei Niederlagen in Serie in die Winterpause.
Das ist kein gutes Gefühl. Gegen Möglingen haben wir nicht gut gespielt und haben verloren. Gegen Gerlingen war es ein bisschen anders. Da waren wir selber Schuld und haben durch vier individuelle Fehler dem Gegner Tore geschenkt. Spielerisch waren wir nicht so schlecht, wir haben ja auch drei Tore geschossen. Aber so viele Fehler, wie wir in der Abwehr gemacht haben, das war ganz schlimm.
Drei Tore hat Ihr Team gemacht. Man kann sich generell nicht darüber beklagen, dass Spiele von Drita Kosova unspektakulär sind. 3:7 gegen Gebersheim, 4:4 gegen den TSC, 3:5 in Gerlingen…
Ja, man muss sagen, die Abwehr ist in letzter Zeit nicht stabil. Das war auch von Anfang an ein Problem. Wir hatten immer wieder Verletzungen und Abgänge. . . Was heißt Abgänge, Fidan Ademaj zum Beispiel ist aus familiären Gründen weggegangen, ohne eine Adresse zu hinterlassen, ob er irgendwo spielt, weiß ich nicht. Bis jetzt gab es keine Abmeldung bei uns. Emir Doci war in Albanien, kommt jetzt aber zurück. . . Valmir Islami, ein sehr guter Spieler, rechter Verteidiger – er war als Flüchtling hier und ist abgeschoben worden. Er war eigentlich der beste Mann in der Mannschaft. Und so mussten wir eben viele Sachen ausprobieren, mal den einen und mal den anderen in der Abwehr spielen lassen. Überhaupt konnten wir in keinem einzigen Spiel mit der gleichen Elf auflaufen.
Gab es keine Möglichkeit, dass Valmir Islami vielleicht doch bleiben kann?
Er hatte eine Arbeitsstelle, aber wie das genau abgelaufen ist, weiß ich nicht. Jedenfalls hatten wir nicht damit gerechnet, genau so wenig wie mit den Weggängen von Fidan Ademaj und Ermin Doci. Und Fatos Povataj hat die letzten fünf Spiele auch nicht mehr gemacht. Er wechselt zum TSC, das weiß ich jetzt. Ardit Bytyqi wohnt 200 Kilometer weg von hier, kommt nur zu den Spielen. Solche Sachen sind dazugekommen, und deshalb stehen wir nicht so gut da, wie wir es wollen.
Vor der Saison waren die Ambitionen noch andere als Platz 9. ‚Nach der Relegation soll jetzt der Aufstieg kommen‘ hieß es da. . .
Das wäre auch möglich gewesen, wenn wir alle Spieler beieinander gehabt hätten. Auch Valmir Muzliukaj hat ja gefehlt, und noch vier, fünf Schlüsselspieler, die, wenn sie gespielt haben, oft mit dem Kopf nicht bei der Sache waren.
Hinzu kam aber auch die Vorbereitung im Sommer. Es gab kein einziges Testspiel, kaum gemeinsames Training. Da war der Tenor aber noch, dass man das irgendwie auffangen könne.
Das hätte vielleicht klappen können, wenn alle da gewesen wären. Und dann kommen eben noch so Sachen dazu, mit denen man nicht rechnet. Mit einer Abschiebung kann man ja nicht rechnen. Klar muss man das immer im Hinterkopf haben, aber wissen kann man das nicht. Und auch bei anderen Spielern, die eben nicht hundertprozentig dabei waren. Das zieht sich dann irgendwie durch die Mannschaft. Mit dem Team von letztem Jahr wären wir garantiert wieder unter den ersten Drei.
Hinzu kommt, dass einige Leistungsträger auch verletzt waren und sind. Valmir Muzliukaj. . .
. . .ist nicht fit.
. . .Jaime Manoccio. . .
. . .ist auch nicht fit.
. . .die schleppen sich gerade durch die Saison.
Dass Valmir 15, 16 Spiele spielt und nur drei Tore schießt, das gab’s in der Kreisliga noch nie. Er trifft normalerweise 15-mal. Auch Jaimes zehn Tore fehlen. Tugrul Yalman, unser bester Stürmer, hat lange gesperrt gefehlt. Da ist er zwar selber Schuld, aber seine Tore haben wir eben nicht.
Um das Ganze jetzt mal auf den Punkt zu bringen: Es ist gut, dass jetzt Pause ist.
Ja, absolut. Eigentlich hätten wir schon vor dem Gerlingen-Spiel in die Pause gehen sollen (lacht). Da haben wir aber gesagt: Wenn wir schon da sind, dann spielen wir halt. Da ist dann auch noch Kosta (Anm. d. Red.: Verteidiger Konstantinos Adamakis) kurzfristig ausgefallen. Eine Stunde vorher hat er abgesagt.
Zur Vorbereitung für die Zeit nach der Winterpause: Zumindest ein Testspiel ist auf www.fussball.de schonmal vermerkt – gegen den SVK 2.
Eigentlich haben wir jetzt noch gar keine Pause. Wir hatten jetzt zwei, drei Trainingseinheiten in der Halle und haben uns auf das Turnier im Sindelfinger Glaspalast vorbereitet (Anm. d. Red.: Drita spielte in der Vorrunde am Samstag, 23. Dezember).
Das hat ja schon Tradition bei Ihrer Elf. . .
Genau. Jetzt gibt es eine kurze Pause bis zu unserem eigenen Turnier, das wir seit sieben Jahren veranstalten. Dieses Jahr findet das in der Halle auf dem Römerhügel statt, am 13. und 14. Januar. Die Halle wurde ja renoviert, und wir dürfen da als erste Mannschaft drin spielen. Wir hatten bei dem Turnier schon 68 Mannschaften dabei, natürlich nicht nur kosovarische Teams. Am 20. Januar gibt es dann die Auszeichnung für unseren Sieg beim Turnier der kosovarischen Mannschaften im Sommer. Das ist dann in Frankfurt am Main. Da spielen wir außerdem gegen eine holländische Mannschaft. Und bis zum 25. Januar wollen wir dann in die Vorbereitung starten. Ende Januar spielen wir dann gegen Kosova Bernhausen, dann Anfang Februar gegen Frankfurt. Dann gegen Kornwestheim 2, danach am 14. Februar gegen die A-Jugend vom SGV Freiberg. Das war’s eigentlich soweit erstmal.
Klingt vielversprechender als im Sommer.
Ein Trainingslager haben wir auch noch. Vier Tage lang sind wir in Piran in Slowenien, vom 22. bis zum 25. Februar. Da sind wir dann zum dritten Mal, und wir spielen gegen einen slowenischen Erstligisten. Wir machen im Winter immer etwas mehr als im Sommer. Im Sommer haben viele einfach keine Zeit, es sind Ferien, die Leute wollen in den Urlaub. Auch ich habe vier Kinder. Zum Beispiel hat meine Tochter im Sommer geheiratet. Wir hatten sowieso unglaublich viele Hochzeiten, auch von Spielern. Ich bin zwar nicht zufrieden damit, wo wir jetzt stehen, aber ändern kann man auch nichts. Jetzt haben wir auf jeden Fall eine Vorbereitung, die sich sehen lassen kann, und die nicht viele Kreisligisten haben, würde ich sagen.
Wie ist denn das Wetter im Winter in Slowenien?
Gut. 17, 18 Grad hat es da bestimmt. Da haben wir einen guten Platz zum Trainieren, und morgens laufen wir und machen Kräftigungsübungen. Man muss aber auch sagen, dass die Rückrunde jetzt auch nicht mehr so wichtig ist für uns.
Aber man will doch eigentlich immer gewinnen, oder?
Ja, schon. Wir sind nicht daran gewöhnt, ständig zu verlieren. Aber das ist auch der Punkt. Die anderen Mannschaften stellen sich inzwischen so gut auf uns ein. Die wissen ganz genau, da wartete eine spielstarke Mannschaft. Die spielen dann nicht mit 80, sondern mit 180 Prozent gegen uns. Zum Beispiel die Möglinger: Wie die gelaufen sind. Da habe ich mir gedacht, das kann eigentlich nicht sein, dass die mal auf dem letzten Tabellenplatz waren.
Diese besondere Motivation gegen ein Top-Team ist aber nicht außergewöhnlich.
Natürlich. Denen braucht man nicht viel sagen, außer: Da kommt Drita, da müssen wir richtig gut sein.
Gibt’s denn bei Drita neue Leute im Winter?
Ja. Vier sind fix, auf jeden Fall. Egonit Avduli, ein Landsmann von uns, kommt vom TSV Münchingen. Ein junger Innenverteidiger, 19 Jahre. Münchingen war bisher unser spielerisch stärkster Gegner, wir haben 0:0 gespielt. Und da war er einer der Besten. Ümit Tozman kommt von Dersim Sport Ludwigsburg. Er ist Stürmer und ein Freund von Tugrul Yalman. Abwehrspieler Florian Rexhepi kommt aus Hirschlanden, die ja momentan Zweiter sind. Auch ein Landsmann. Und Emir Doci kehrt aus Albanien zurück. Auf ihn setzen wir große Hoffnungen. Mit zwei, drei Spielern verhandeln wir momentan noch.
Eine letzte Frage: Wenn Sie es sich aussuchen könnten, wo würden Sie die Mannschaft noch verstärken? Also mal abgesehen von den Messis und Ronaldos dieser Welt. . .
(lacht) Einen richtigen rechten Verteidiger könnten wir gut brauchen. Auch bei unseren bisherigen Neuzugängen ist kein rechter Verteidiger dabei. Aber sonst. . . Wenn alle fit sind und alle da sind, braucht man eigentlich niemanden. Vielleicht noch einen Stürmer, der mit Tugrul spielen kann. Und weil Valmir gerade nicht so fit ist, wäre ein Zehner auch nicht schlecht. Aber bei ihm hoffe ich, dass er wieder ganz gesund wird in der Winterpause. Jetzt hat er mehr Zeit als im Sommer. Wenn er richtig fit ist, dann weiß die ganze Liga, nicht nur wir bei Drita, dass er gefährlich ist.