Handball Das furiose Ende eines Negativlaufs

Marius Venturini, vom 04.12.2017 07:00 Uhr
Nicht zu stoppen: Julius Emrich (im Wurf) und der SV Kornwestheim beenden ihre Negativserie mit einem deutlichen Sieg. Foto: Horst Dömötör
Nicht zu stoppen: Julius Emrich (im Wurf) und der SV Kornwestheim beenden ihre Negativserie mit einem deutlichen Sieg. Foto: Horst Dömötör

Kornwestheim - Kaum macht er mal zwei Tore, darf er gleich was sagen“, scherzte SVK-Trainer Alexander Schurr in Richtung seines Kapitäns Christopher Tinti, der den Pressevertretern Rede und Antwort stand. Die Realität sah etwas anders aus. Tinti hatte im rechten Rückraum nicht zwei, sondern elf Treffer erzielt, war beim 36:27 (18:13)-Heimsieg des Drittliga-Tabellenführers gegen HBW Balingen-Weilstetten 2 der überragende Mann seines Teams und maßgeblich daran beteiligt, dass der SVK nach zuletzt drei Niederlagen wieder zwei Punkte eingefahren hat. Da stand er also, mit einem blutigen Knie und einem Cut unterm linken Auge, und antwortete auf die Frage nach seiner Leistung voller Understatement: „Das war okay. Solche Tage gibt’s halt auch.“ Seine Analyse des Spiels: „Wir waren am Anfang etwas pomadig, nach den Wechseln gab es bei uns einen Bruch. Ab der 45. Minute etwa sind wir dann aber weggezogen.“

Fast rundum zufrieden mit der Leistung seines Teams war Coach Schurr: „Wir wollten heute unbedingt ein Zeichen setzen.“ Dabei habe sich klar gezeigt: Seine Mannschaft müsse überhaupt nichts Außergewöhnliches machen, außer eben wieder etwas konzentrierter zu sein. Und in der Tat reichte es so zu einem auch in der Höhe durchaus verdienten Sieg, bei dem sich neben Tinti auch der bärenstarke Ex-Balinger Christian Wahl (zehn Tore aus dem zentralen Rückraum) und Kreisläufer Julius Emrich (zwei Tore und steter Unruheherd) hervortaten. „Sie waren die Go-To-Guys“, lobte Schurr das Trio.

In der außerordentlich gut gefüllten Osthalle begannen die Teams mit Zug zum Tor. Nach drei Minuten hatten beide Mannschaften schon zweimal getroffen, über 5:4 (7., Christopher Tinti hatte bis dahin sämtliche Tore für den SVK erzielt) ging es weiter, bis sich die Gastgeber mit einem Zwischenspurt ohne Gegentreffer absetzen konnten: Von der neunten bis zur 14. Minute sorgten Christian Wahl, Marvin Flügel und zweimal Peter Jungwirth für das zwischenzeitliche 11:6.

Der SVK agierte überlegen und hatte sogar die Muße für Kabinettstückchen. Christian Wahl legte für Peter Jungwirth zum Kempa-Trick auf. Was der Rechtsaußen im Anschluss im Sprung mit dem Ball anstellte, war für das bloße Auge kaum zu erkennen. Am Ende zwirbelte er das Spielgerät zum 14:8 an HBW-Keeper Jonas Baumeister vorbei ins Netz (18.). Auch bis zur Halbzeit (18:13) blieb der SVK klar in Führung.

Konstant bei fünf bis sechs Toren blieb der Abstand auch in den zehn Minuten nach dem Seitenwechsel. Wobei auffällig war, dass die Balinger Gäste nun aggressiver deckten, was den Kornwestheimern zunächst nicht wirklich schmeckte. Doch in der 42. Minute war der Knackpunkt der Partie erreicht. Nach einer Zwei-Minuten-Strafe für Balingens Fabian Wiederstein stellten Marvin Flügel und Christian Wahl auf 25:19, den HBW-Angriff vereitelte SVK-Keeper Felix Beutel (43.). Flügel erhöhte auf 26:19, und dem Großteil der Zuschauer war klar: Hier geht nichts mehr schief.

Bis zum Ende verteilte der SVK weiter keine Geschenke, am Ende durfte Ersatztorwart Max Schneider noch für zweieinhalb Minuten ran. Den Schlusspunkt zum 36:27 setzte Axel Steffens.

„Wir haben Balingen die ganze Zeit unter Druck gesetzt“, so Schurrs Fazit nach der Partie. Ab der 15. Minute habe seine Mannschaft das Spiel kontrolliert. Nur mit seinen Wechseln – Schurr tauscht das spielende Personal während einer Begegnung gerne blockweise aus – sei er diesmal nicht hundertprozentig zufrieden gewesen. „Aber ich war trotzdem die ganze Zeit davon überzeugt, dass wir gewinnen.“

Und Christopher Tinti? „Wir müssen bei den Wechseln etwas konstanter werden“, befand der SVK- Spielführer. „Nächste Woche noch ein Heimsieg, dann kann man mit dem Jahr ganz zufrieden sein.“ Warum seine Nummer 19 in der Partie losgelegt hatte wie die Feuerwehr, dafür gab es für Coach Schurr derweil einen ganz bestimmten Grund: „Der schmeißt heute noch eine Party, habe ich gehört. Und wahrscheinlich wollte er sich vor seinen Gästen nicht blamieren.“ SV Kornwestheim
Beutel (bis 57.), Schneider (ab 57.) – Kolotuschkin, Wahl (10/2), Kugel (1), Tinti (11), Schoeneck, Steffens (2), Flügel (4), P. Jungwirth (5), Scholz (1), Awad, EMrich (2), Schaffert (n.e.)