Handball Der Kapitän übernimmt die Verantwortung

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Vier Sekunden vor Schluss erfolgreich: SVK-Kapitän Christopher Tinti Foto: Horst Dömötör

Kornwestheim - Ohne Zittern und Bangen geht es bei den Drittliga-Handballern des SVK momentan nicht. Nach dem 26:26 am vergangen Spieltag bei der TSB Heilbronn-Horkheim gab es am Freitagabend zuhause ein 27:27 gegen den HBW Balingen-Weilstetten 2. Kapitän Christopher Tinti erzielte vier Sekunden vor dem Ende den Ausgleich – für die Gastgeber fühlte sich das Unentschieden deshalb mehr wie ein Sieg an. Auch für Trainer Alexander Schurr: „Wir machen es momentan sehr knapp. Es steht immer Spitz auf Knopf. Aber es gab auch schon zwei, drei Spiele in dieser Saison, da haben wir den letzten Wurf nicht getroffen.“

Adam Soos hatte die Balinger mit einem Kempa in Führung gebracht – das wunderschöne Zuspiel kam vom überragenden Jan Bitzer (acht Tore). 19 Sekunden waren da noch zu spielen. Die Balinger stellten damit den Spielverlauf in der zweiten Hälfte auf den Kopf. Das Schurr-Team war nach dem Seitenwechsel lange das bessere Team, verpasste es aber, sich entscheidend abzusetzen. Lediglich auf zwei Tore konnte der SVK davonziehen.

Hendrik Schoeneck zeigte, wie schon gegen Horkheim, eine klasse Partie. Im Angriff saßen die Würfe aus der Distanz, in der Deckung bildete er gemeinsam mit Julius Emrich einen guten Block am Kreis. Zu seinen häufig wechselhaften Leistungen sagte Schoeneck: „Ich kann nichts machen außer weiter im Training an mir zu arbeiten.“ Sein Coach hofft, dass die gute Form anhält. „Er befindet sich Moment im Aufwind“, so SVK-Trainer Schurr. Der Rückraumspieler erzielte vier seiner sechs Tore in der zweiten Halbzeit, im ersten Durchgang war er mit dafür verantwortlich, dass es mit einem Unentschieden in die Pause ging (16:16).

Die Kornwestheimer hatten sich vor 450 Zuschauern in der Osthalle eine Schwächephase zum Ende des ersten Abschnitts geleistet. Nach zwei unnötigen Ballverlusten, die Balingens Aron Czako im Tempogegenstoß abschloss, lag der SVK mit 11:15 (24.) hinten. Bis dahin hatten die Kornwestheimer keine Schnellangriffe zugelassen, häufig durften die Gäste aber auch im Halbfeldangriff schnell und unbedrängt abschließen. Schurr nahm nach dem Balinger Zwischenspurt eine Auszeit, brachte Schoeneck, Jan Reusch und Tim Scholz. Und der SVK steigerte sich an beiden Enden des Feldes. Hinzu kam, dass Felix Beutel in dieser Phase endlich ins Spiel fand. Zu Beginn hatte der SVK-Schlussmann kaum einen Finger an den Ball bekommen. „Wir waren drauf und dran zu wechseln“, sagte Alex Schurr. Er tat es nicht, Beutel dankte es ihm mit einer deutlichen Leistungssteigerung. Spätestens im zweiten Durchgang war das Torhüterduell ausgeglichen, auch wenn HBW-Keeper Mario Ruminsky am Ende mit 13 gehaltenen Bällen leicht die Nase vorn hatte. Beutel parierte elf Würfe.

HBW-Coach André Doster befand nach Spielende, dass sein Team den Sieg „ein kleines bisschen mehr verdient“ gehabt hätte. „Wir haben sehr viel investiert.“ Er vergaß darüber, dass sein Team in der Schlussphase von einer fragwürdigen Zwei-Minuten-Strafe gegen Schoeneck profitierte. Zu diesem Zeitpunkt hatte der SVK mit zwei Toren (23:21) geführt.

Dosters Einschätzung beruhte auch darauf, dass seine Mannschaft seit Wochen Verletzungssorgen plagen. Der Tabellen-Zweite war ohne Spielmacher Julian Thomann nach Kornwestheim gereist, die „Junggallier“ setzten nur acht Feldspieler ein. Beim SVK hatten allerdings Peter Jungwirth, der trotzdem sechs Tore erzielte, und Julius Emrich unter der Woche nicht trainiert, Nico Hiller ging angeschlagen in die Partie.

„Bei uns läuft es einfach nicht so, wie in der vergangenen Saison“, sagte Alex Schurr – und meinte damit nicht nur die Verletzungen. Sein Team stehe unter Druck, „die Jungs denken viel nach“. Zumindest für Christopher Tinti dürfte das bei seinem letzten Wurf nicht gegolten haben. SV Kornwestheim
Beutel, Welz – Scholz (1), Großmann, Wahl (1), Reusch (3), Jungwirth (6/3), Kugel (3), Tinti (2), Schoeneck (6), Steffens, Zeppmeisel, Pichler, Hiller, Emrich (2), Flügel (3)

 
 

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