Handball Die Spielmacher trumpfen im Derby auf

Michael Bosch, vom 15.10.2018 10:14 Uhr
Nicht zu bremsen: Christian Wahl war mit acht Toren bester Werfer beim SVK. Foto: Horst Dömötör
Nicht zu bremsen: Christian Wahl war mit acht Toren bester Werfer beim SVK. Foto: Horst Dömötör

Kornwestheim - Sicherlich wäre es Alexander Schurr lieber gewesen, wenn sein Team es am Freitagabend ein bisschen weniger spannend gemacht hätte. Zweimal führte der SV Kornwestheim im Derby gegen den HC Oppenweiler/Backnang deutlich: Mitte der ersten und zweiten Halbzeit betrug der Vorsprung jeweils sechs Tore. Zweimal ließen die Gastgeber vor 550 Zuschauern in der Sporthalle Ost aber ein klein wenig nach, sodass Oppenweiler wieder ins Spiel kam. „So ist Handball eben“, sagte Schurr. „Die Liga ist so ausgeglichen, wenn du da nicht hundert Prozent gibst, dann ist der Gegner da.“

Dass das Spiel nicht vollends kippte, lag auch an den starken Leistungen der beiden SVK-Spielmacher. Christian Wahl war mit acht Toren bester Kornwestheimer Schütze, Jan Reusch machte sein bislang bestes Spiel im Trikot des SVK. Das sah auch Gäste-Coach Matthias Heineke so: „Wir haben den beiden zu viele Eins-gegen-Eins-Situationen angeboten, in denen wir nicht gut abgesichert haben.“ Wahl und Reusch nutzten das eiskalt aus.

Der Neuzugang vom TV Neuhausen fand regelmäßig mit klugen Zuspielen ­seine Mitspieler am Kreis oder auf den Außenpositionen und stellte endlich seine Torgefährlichkeit unter Beweis. „Das muss er aber auch, wenn er sich für größere Aufgaben empfehlen will“, forderte Alexander Schurr. Mit den fünf Treffern des 22-Jährigen war er aber zufrieden. Reusch und der ebenfalls gut aufgelegte Axel Steffens ­sorgten mit ihren Toren vor der Pause für die 18:15-Halbzeitführung. Zuvor hatte ­Oppenweiler einen 9:2-Lauf hingelegt und war mit 15:14 (26.) in Führung gegangen. „Wir waren anschließend zu euphorisiert“, analysierte HCOB-Coach Heineke. „Wir haben bei drei Angriffen hintereinander schwierige Sachen versucht, obwohl die einfachen eigentlich super funktioniert ­haben.“ Der SVK bedankte sich dafür.

Angriffshandball vom Feinsten

In der ersten Hälfte konnten sich die Hausherren auch auf den starken Pascal Welz im Tor verlassen, der sieben Würfe aus dem Feld parierte und auch einen ­Siebenmeter entschärfte. Nach dem Seitenwechsel konnte der SVK-Keeper aber nicht mehr an die überragende Leistung anknüpfen. Dennoch zog seine Mannschaft zunächst davon. Vier Gegentore innerhalb von vier Minuten (22:16) zwangen Heineke und den HCOB zu einer frühen Auszeit. Als Jan Reusch das 27:21 (42.) erzielte, war der HCOB immer noch nicht in Schlagdistanz. „Warum wir den Gegner dann nochmal so ins Spiel kommen lassen, ist schwer zu sagen“, meinte der Spielmacher. „Wir müssen lernen, einfach noch eiskalter zu sein. Wir haben nicht mehr richtig zugepackt, obwohl wir Backnang eigentlich da hatten, wo wir sie haben wollten.“ Es spreche für den Gegner, dass er die zwei Schwächephasen seiner Mannschaft so ausgenutzt habe, pflichtete Schurr seinem Rückraumspieler bei. Felix Raff, der gemeinsam mit Tom Kuhnle (je sechs Tore) bester Werfer des Tabellen-Zwölften war, erzielte neun ­Minuten vor Schluss das 29:32 aus Sicht der Gäste. Da war die Partie wieder vollkommen offen.

Zwei Zwei-Minuten-Zeitstrafen gegen Christopher Tinti und Hedrick Schoeneck kamen dem Gastgeber in dieser Phase reichlich ungelegen. Näher als ein Tor kam der HC Oppenweiler/Backnang aber nicht mehr heran. Die entscheidenden Treffer für den SV Kornwestheim markierten schließlich Christian Wahl und Fabian ­Kugel. „Wir haben ein tolles Derby und einen schönen Angriffshandball von beiden Mannschaften gesehen“, resümierte HCOB-Trainer Heineke nach dem Schlusspfiff. Alexander Schurr hat ihm nicht ­widersprochen. „Wir wollten das Spiel um jeden Preis gewinnen.“ In einem Derby zählt ja auch nichts anderes.

SV Kornwestheim
Welz – Scholz, Awad, Großmann (2),Wahl (8), Reusch (5), Jungwirth (7/4), Kugel (1), Tinti (5), Schoeneck (1), Steffens (3), Hiller (2), Emrich (2)