Handball „Keine Witze und keine blöden Sprüche mehr“

Marius Venturini, vom 31.12.2017 13:00 Uhr
Laut eigener Aussage ein schlechter Verlierer: Alexander Schurr. Foto: Pressefoto Baumann
Laut eigener Aussage ein schlechter Verlierer: Alexander Schurr. Foto: Pressefoto Baumann

Kornwestheim - Wie man Euphorie bremst, warum der SVK eigentlich zu viele Tore gemacht hat, was es zum neuen Modus im DHB-Pokal zu sagen gibt: Alexander Schurr steht Rede und Antwort.

Herr Schurr, wie haben Sie Weihnachten verbracht?
Bei meinen Eltern. Das ist traditionell schon immer so. Am 23. Dezember ging’s nach Hause nach Göppingen. Bis zum 25. war ich dann bei meinen Eltern, da war auch meine Schwester dabei. Wir sehen uns vor lauter Alltagshektik alle nicht so oft, so können wir ein paar Tage zusammen verbringen. Am 26. Dezember ging’s dann zum Skifahren.
Ah, Sie sind Skifahrer. . .
Ja, leidenschaftlicher. Das ist auch mein zweites Praxisfeld an der Uni. Dort fällt ja die praktische Ausbildung in mein Aufgabengebiet, da bin ich unter anderem für Handball und Ski alpin zuständig.
Gibt’s Parallelen zwischen Handball und Skifahren?
Gar nicht (lacht). Vielleicht ist das auch das Schöne. Das sind zwei Sportarten, die haben gar nichts miteinander zu tun. Deswegen mag ich sie wahrscheinlich auch so.
Verschwenden Sie in der spielfreien Zeit überhaupt einen Gedanken an Handball?
Natürlich. Der alte Freundeskreis bei mir aus Göppingen setzt sich eigentlich nur aus Handballern zusammen. Ex-Mitspieler, die alle schon lang nicht mehr spielen. Schon mit 18, 19 sind wir zusammen auf eine Hütte gefahren. Das machen wir jetzt immer noch, nur die Hütten haben sich mittlerweile geändert. Mehr Komfort, man wird ja auch älter. Zudem kommen auch die Frauen und Freundinnen mit und die ersten Kinder sind auch schon dabei. Aber der Kern ist immer noch derselbe. Deswegen geht’s da auch oft um Handball.
Die Erinnerung an die Hinrunde dürfte zumindest ein kleines Lächeln hervorrufen.
Nicht nur bei mir, sondern bei den anderen auch. Die haben das natürlich verfolgt, auch in der Halle. Wenn ich ehrlich bin, kann ich nur sagen: sensationell! Neulich habe ich es scherzhaft auch schon im Büro gesagt: 2017 war sportlich echt ein gutes Jahr (lacht).
Elf Siege aus 15 Spielen, Tabellenführer als Aufsteiger. . . besser geht es kaum.
Das stimmt. Aber wenn ich 2017 rekapituliere, war natürlich auch der Aufstieg mit Remshalden dabei, da hatten wir auch noch eine tolle Zeit. Ich hatte mich auf etwas völlig anderes eingestellt, als ich nach Kornwestheim kam. Ich habe gedacht: Okay, du bist jetzt mit der einen Mannschaft aufgestiegen, mit der anderen kämpfst du jetzt knallhart gegen den Abstieg.
Dementsprechend treten Sie auch häufig als jemand auf, der die Euphorie im Zaum halten will, sollte sie denn aufkommen. Das Konzept scheint ja aufgegangen zu sein.
Ich habe mir da schon Gedanken gemacht, klar. Es gibt zwei Wege: Man kann voll auf die Euphoriewelle drauf und sagen: ‚Wow, jetzt müssen wir noch einen draufsetzen und mit noch mehr Selbstbewusstsein reingehen in jedes Spiel.‘ Ich bin aber eher der konservative Typ. Das war auch schon die letzten Jahre so und jetzt eben auch. Ich glaube, das liegt daran, dass ich manche Dinge, auch intern, gut einschätzen kann. Also auch Leistungsstärken.
Als Euphoriebremse dienen am besten Niederlagen. Wie froh waren Sie, als Sie im November endlich drei Spiele verloren haben?
Natürlich überhaupt nicht, das ist ja klar. Ich kann ums Verrecken nicht verlieren, und zwar in allem. Selbst das kleinste Spiel ist bei mir gleich der größte Wettkampf. Und wenn man betrachtet, wie die Niederlagen zustande gekommen sind. Die Niederlage bei den Rhein-Neckar Löwen würde ich da ein bisschen ausklammern wollen, die war relativ früh klar. Da lagen wir das ganze Spiel ziemlich deutlich hinten.
Zwei Spiele haben Sie aber lediglich mit einem Tor Unterschied verloren. . .
Genau. Zum Beispiel das Heimspiel gegen Neuhausen/Filder, das ich bis jetzt als die ärgerlichste Niederlage sehe, weil Neuhausen sicherlich nicht besser ist als wir. Wir waren auf einer Euphoriewelle, jeder hat gedacht, das läuft von alleine. Es war ein Freitagabendspiel, großes Halligalli, das war für den ein oder anderen auch zu viel. Auch für den ein oder anderen Spieler.
Dann war also drei Spiele Ebbe, wenn man so will. War es schwierig, die Mannschaft wieder auf Kurs zu bringen oder einzunorden?
Wir schauen unheimlich oft Video und beschäftigen uns dann natürlich mit uns selbst. Und in der Phase war’s relativ leicht, weil die Niederlagen ganz klare Gründe hatten. Zum Beispiel hatten wir gegen Neuhausen eine unterdurchschnittliche Torhüterleistung. Dann wird’s schwierig. So viel besser sind wir nicht als die anderen, es sind immer Spiele auf Augenhöhe. Und in Pfullingen war es letztendlich der Ausfall von Spielern, und trotzdem hätten wir am Ende noch gewinnen können. Daher bin ich zu den Jungs gegangen und hab gesagt: Jetzt schauen wir uns das an, die letzten sechs Minuten des Pfullingen-Spiels.
Und dann kommt ein Spiel wie das Heimspiel gegen Balingen 2.
Das war ganz wichtig für mich. Da war ich auch angespannt. Ich bin immer angespannt und unter Strom. Aber da war ich’s schon ein bisschen mehr. Weil: Bei aller Erklärbarkeit der Niederlagen – wenn wir jetzt nochmal verlieren und dann so ins Derby gegen Oppenweiler gehen. . . irgendwann ist hier eine Baustelle, da eine Baustelle, dort eine Baustelle, und die wollen wir eigentlich gar nicht aufmachen.
Die Gefahr, dass sich das verselbstständigt.
Genau. Wir hätten zwar trotzdem noch 18 Punkte gehabt, was völlig in Ordnung gewesen wäre. Aber dann hätten wir vier- oder fünfmal am Stück verloren, und dann kommen plötzlich Selbstzweifel. Für die gibt’s keinen Grund. Deswegen haben wir auch fleißig trainiert in dieser Woche, hart trainiert, ich war ziemlich stressig gegenüber den Jungs. Aber dann haben wir auch eine sehr fokussierte Leistung gebracht.