Handball Wenn Nationalspieler johlend umfallen

Marius Venturini, vom 10.01.2018 07:00 Uhr
Welcher Buchstabe ist es, den die Isländer da versuchen, zu bilden? Foto: Marius Venturini
Welcher Buchstabe ist es, den die Isländer da versuchen, zu bilden? Foto: Marius Venturini

Kornwestheim - Nein, vormittags war nichts zu machen mit einem Trainingsbesuch. „Die sind voll im Tunnel“, kommentierte SVK-Handballabteilungsleiterin Daniela Assmann die mentale Verfassung des isländischen Nationalteams. Heißt: Bitte nicht ansprechen oder stören, Mannschaft und Betreuerstab sind hoch konzentriert. Wie gut, dass es noch eine zweite Möglichkeit gab. Am gestrigen Abend stand in der Kornwestheimer Osthalle für den EM-Dritten von 2008 noch eine letzte Einheit auf dem Programm. Heute morgen geht es dann schon per Flieger weiter nach Kroatien. Dort steigt in diesem Jahr die Europameisterschaft. Island spielt in einer Gruppe mit Serbien, Schweden sowie den Gastgebern.

„Das ist eine sehr schwere Gruppe“, gab Islands Cheftrainer Geir Sveinsson zu Protokoll, kurz nachdem seine Auswahl zum zweiten Mal am gestrigen Tag die Osthalle betreten hatte. Kroatien als Heimteam und die Serben, „die auch so etwas ähnliches wie ein Heimspiel haben werden“, seien harte Brocken. Dennoch gehe er davon aus, dass sein Team die erste Gruppenphase überstehen werde. Dazu muss mindestens der dritte Platz her.

In der Osthalle stand zum Abschluss des Deutschlandaufenthalts der Isländer das Angriffstraining auf dem Programm. „Am Vormittag haben wir uns auf die Abwehr fokussiert“, so der 52-jährige ehemalige Kreisläufer, der auch in Deutschland beim HC Wuppertal gespielt und später den SC Magdeburg gecoacht hat. „Hier in Kornwestheim war alles tiptop, es ist eine wirklich gute Halle“, lobte er die örtlichen Gegebenheiten. Am Montag hatte das Team am Olympiastützpunkt in Stuttgart trainiert. „Nach den Testspielen gegen Deutschland wieder zurückzufliegen, hätte keinen Sinn gemacht“, so Sveinsson. In Stuttgart hatte die DHB-Auswahl am Freitag mit 36:29 gewonnen, am Sonntag hieß es in Neu-Ulm 30:21 für die Gastgeber.

Da hilft nur: weiter trainieren. Doch das geht auch bei gestandenen Nationalspielern wie Gudjon Valur Sigurdsson (Rhein-Neckar Löwen) oder Torhüter Björgvin Pall Gustavsson (ehemals SC Magdeburg und Bergischer HC, jetzt wieder in seiner isländischen Heimat bei Haukar Hafnarfjördur) keinesfalls ohne Aufwärmen. Also joggte das gesamte Team, aufgeteilt in zwei Gruppen, durch die Osthalle, um sich auf Kommando laut johlend auf den Boden zu werfen und den jeweils angesagten Buchstaben zu bilden. Da blieb dem Beobachter die Erkenntnis: Auch das gemeinhin als kühl geltende nordische Gemüt trägt eine sehr kindliche Freude in sich. Danach wurde noch für zehn Minuten der Fußball ausgepackt – auch beim Drittligateam des SV Kornwestheim nicht unüblich. Schließlich bat Geir Sveinsson seine Schützlinge aber doch zu ernsthaften Offensivübungen.