Kanusport 19 Kilometer über den winterlichen Bodensee

red/mv, vom 10.12.2017 08:00 Uhr
Bernd Liebehenschel in seinem Boot. Foto: z
Bernd Liebehenschel in seinem Boot. Foto: z

Kornwestheim - Traditionell findet seit 48 Jahren Ende November die Eisfahrt des Bodensee-Kanu-Rings (BKR) statt, ein offenes Angebot für geübte Paddler, die sich eine solche Tour zutrauen. Diesmal kamen 193 Teilnehmer zusammen, aus Baden-Württemberg, Bayern, der Schweiz und Österreich. Mit am Bodensee dabei war auch der Kornwestheimer Bernd Liebehenschel, Jahrgang 1944. „Für viele war das sicherlich die letzte Fahrt dieses Jahr“, vermutet er, „aber wie wir gehört haben, gibt es am 16. Dezember noch die Heiße-Herzen-Fahrt in Vaihingen/Enz.“

Bei der winterlichen Fahrt auf dem Bodensee war Liebehenschel zum 23. Mal dabei. Während dieser Zeit wurde sie einmal wegen Nebels von der Wasserschutzpolizei abgeblasen, das andere Mal beendete der Kornwestheimer die Fahrt selbst vorzeitig, da ein Sturm aufzog. „Ansonsten war wettermäßig alles geboten: Wind, Regen, minus acht Grad oder Spaghetti-Träger-Wetter“, erinnert sich Liebehenschel. Aber bekanntlich gebe es ja kein schlechtes Wetter, sondern nur unpassende Kleidung.

Doch diesmal sollte in der Tat einiges anders sein als die Male zuvor. Nur der Start, der war wie immer beim KC Konstanz. Ziel in diesem Jahr war nicht, wie bisher, Iznang, sondern der KC Radolfzell. Die Paddelstrecke war mit 18,8 Kilometern etwas länger als bei vergangenen Ausgaben. „Wir wurden ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Veranstaltung nur für geübte Paddler geeignet sei, entsprechende Winterausrüstung mitzuführen und eine Schwimmweste zu tragen ist“, so Liebehenschel. Diese Sicherheitsmaßnahmen seien inzwischen für alle Winter-Wassersporttermine Pflicht und wohl begründet, wie sich bei der diesjährigen Tour wieder gezeigt habe.

Gegen 10.30 Uhr ging es also los, mit einem Massenstart in Konstanz. Mit drei Grad war es zwar kalt, dafür aber windstill – und zwischen den Wolken schaute sogar ab und zu die Sonne durch. „Aber dann, kurz vor der Reichenau, kam wie durch eine Düse der Südwestwind auf“, erinnert sich der Kornwestheimer Paddler. Die Wellen schlugen bis zu einem Meter hoch. „Da heißt es aufgepasst und konzentriert fahren“, betont Liebehenschel, „wenn die Welle unter dem Boot durchrauscht, oder, wenn sie sich gerade bricht, auch mal drüber weg geht.“ Eine fürwahr wackelige Angelegenheit also.

Wegen dieser dann doch widrig-windigen Verhältnisse kenterte bei der Seequerung zwischen der Reichenau und der Mettnauspitze sogar ein Boot. „Ein Dreier-Rettungsteam war aber schnell an Ort und Stelle. Und wir haben dem Schwimmer mit vereinter Kraft wieder ins Boot geholfen“, berichtet Liebehenschel von der kurzen Aufregung. Das Wasser habe man mit zwei Pumpen aus dem Boot befördert. Das Boot der DLRG musste nicht eingreifen. Der Verunfallte paddelte schließlich auch weiter, nass, wie er war. „Wie es ihm ergangen ist, entzieht sich meiner Kenntnis“, so Liebehenschel.

Von 193 Teilnehmern erreichten 166 das Ziel. „In Anbetracht des Wetters ist das ein beachtliches Ergebnis“, bekräftigt der Kornwestheimer. Jedoch sei die vor dem Start ausgegebene Notfallnummer wegen der vielen Abbrüche rege genutzt worden. Bei der Abschlussbesprechung lobte der Wanderwart Andreas Mattes den Zusammenhalt und die Fairness der Sportler, die ihre Kameraden ohne zu zögern mit privaten Autos von der Reichenau abholten.

Besonders ambitioniert zeigten sich übrigens vier Kanutinnen und Kanuten aus Friedrichshafen. Sie waren bereits um 5 Uhr morgens unter erschwerten Bedingungen mit heftigem Wellengang losgefahren und erreichten nach 41 Kilometern dann auch Radolfzell.

Im Kanustüble des KC Radolfzell wurde im Anschluss noch lange über die Fahrt diskutiert. Das Resümee der Teilnehmer fiel diesmal zwiespältig aus. Denn während die Einen von einer echten sportlichen Herausforderung auf dem See sprachen – die Wellen waren von Minute zu Minute höher geworden –, bezeichneten Andere die Stunden als sehr kräftezehrend. „Was aber eigentlich kein Widerspruch ist“, findet Bernd Liebehenschel. Fast alle waren sich aber darüber einig, im nächsten Jahr wieder an den Start gehen zu wollen. „Und da bin ich auch wieder dabei“, ist sich der Kornwestheimer sicher.