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Kornwestheim 21 Handball-Zwerge bringen drei Schneewittchen mit

Katja Cordes und Horst Dömötör, vom 11.02.2018 00:00 Uhr
Logisch: sieben Zwerge, ein Schneewittchen, 21 Zwerge, drei Schnettwittchen Foto: Horst Dömötör
Logisch: sieben Zwerge, ein Schneewittchen, 21 Zwerge, drei Schnettwittchen Foto: Horst Dömötör

Kornwestheim - Am Wochenende wird in der Sporthalle Ost normalerweise Handball gespielt. Während also im Regelfall maximal 14 Spieler gleichzeitig ihrer schweißtreibenden Beschäftigung auf dem Spielfeld nachgehen, sitzen, wenn die erste Mannschaft des SVK spielt, bis zu tausend Zuschauer mehr oder weniger gelassen auf ihren Plätzen der Tribünen und betrachten das Treiben auf dem Spielfeld zu ihren Füßen. Ganz anders am Freitagabend: Die Tribünen blieben leer, dafür war das Spielfeld umso dichter bevölkert. Der Verein feierte in der Osthalle seinen inzwischen weit über die Grenzen Kornwestheims hinaus bekannten SVK-Fasching, und viele waren gekommen, um sich selbst körperlich zu betätigen und zu den Klängen der von Auftritten auf dem Cannstatter Wasen oder beim Après-Ski in Ischgl bekannten Band „Firma Holunder“ mehr oder weniger ungelenk das Tanzbein zu schwingen und dabei eine nicht genau zu definierende Menge an Schweiß zu vergießen.

Hatte es nach Veranstaltungsbeginn um 19 Uhr und auch mehr als eine Stunde danach mit nur einer Handvoll Besuchern eher „mau“ ausgesehen, so versprühte Thomas Eeg, der SVK-Geschäftsführer, bereits zu diesem Zeitpunkt ziemlich unverdrossen Optimismus. „Das wird schon, die kommen schon noch“ war seine zuversichtliche Devise, und der nebenamtliche Faschingsplaner des Vereins sollte Recht behalten: Nach 22 Uhr war das Spielfeld der Halle dicht besiedelt und die „Firma Holunder“ brachte die Feiergemeinde mit einem Partyhit nach dem anderen zum Kochen.

In der Menge stachen neben Polizei- und Militäruniformen aller internationalen Elite- und Spezialeinheiten, Prinzessinnen, Clowns, Cowboys, Fantasiewesen, Superhelden und eine Reihe von exotischen Tieren optisch eine Vielzahl von Zwergen heraus, die sich bei genauerem Hinsehen unschwer als „Players and Friends“ der 2. Handball-Herrenmannschaft identifizieren ließen. Getreu dem Mannschaftsmotto „Lieber Klotzen statt Kleckern“ hatte man „Schneewittchen und die 7 Zwerge XXL“ initiiert: Nicht weniger als 21 Zwerge und drei Schneewittchen waren in der Halle unterwegs.

Daneben tanzte eine Handvoll von Flugbegleiterinnen – auch Stewardess oder abschätzig Saftschubse genannt – zu den Klängen von Pur unmittelbar vor der Bühne, als gäbe es kein Morgen und damit auch keine Flüge und keine mit zollfreien Zigaretten und Sicherheitsinformationen zu versorgenden Passagiere mehr.

Das russische Olympiateam war, da größtenteils für die olympischen Winterspiele in Pyeongchang gesperrt, farbenfroh und fast vollzählig und ohne neutrale Flagge mit einer Zweierbob-Besatzung, einem Skilangläufer sowie einer Eiskunst- und einer Eisschnellläuferin vertreten. Der Zweierbob zog unermüdlich seine Bahnen durch die Halle, immer nur unterbrochen vom Kurzaufenthalt an einer der Bars. Nicht zu glauben, wie oft so ein Bob „aufgetankt“ werden muss.

Aber getankt wurde an diesem Abend nicht nur von Bobfahrern reichlich. Nicht zu beneiden war das „Aufräumkommando“, das noch in der Nacht ganze Arbeit zu leisten hatte, um Bars und andere Utensilien abzubauen und den Hallenboden von klebrigen Getränkeresten zu befreien, denn am Samstagnachmittag ab 14 Uhr stand schließlich bereits der Kinderfasching auf dem Programm.

Pünktlich öffneten sich die Türen, und die kleinen Wikinger, Bauarbeiter, Polizisten, Ritter, Prinzessinnen, Käfer, Vampire und Clowns strömten in Scharen in die Sporthalle, um ausgelassen Fasching zu feiern. Für die siebenjährige Franziska war’s ein ganz besonderer Tag. Mit strahlenden Augen lauschte sie dem Geburtstagsständchen, das die rund 800 Besucher der Osthalle für sie sangen. Getoppt wurde dies noch, als sie sich im Anschluss so viele Bonbons nehmen durfte, wie sie mochte. Das ließ sie sich nicht zweimal sagen und griff beherzt zu.

Höhepunkt wie auch schon in den vergangenen Jahren war wieder einmal die Faschingsolympiade. Eifrig versuchten sich die Kinder in Disziplinen wie Dosen- und Ringwurf, Prellslalom, Autorennen, Hüpfleiter oder Seilhüpfen. Anders als bei den olympischen Spielen in Südkorea gab es für die Gewinner der Faschingsspiele keine Medaillen, sondern Eintrittskarten und Gutscheine. Auch die Kinder mit den schönsten und originellsten Kostümen wurden prämiert.

Luftballonfiguren und das Kinderschminken durften natürlich an diesem Nachmittag nicht fehlen. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt. Ob Katze oder Drache – professionell wurden Kindergesichter bemalt. Und aus länglichen Luftballons entstanden Schwerter und Hunde.

Im Gewusel in der Osthalle ging ab und zu auch jemand verloren. Übers Mikrofon wurden Kinder und Erwachsene dann ausgerufen. Ganz pfiffige Eltern trugen ein ähnliches Kostüm wie ihre Kinder. So war für jedermann erkennbar, dass Bienenmama und Bienenkind, Cowboymama und Cowboytochter und Indianerpapa und Indianersohn jeweils ein Team bildeten.

Die Fasnet-Zunft und die Narren-Ober-Liga (NOL) waren mit ihren Tanzgarden dabei, Tanzmariechen Jana Abt bekam einmal mehr tosenden Applaus für ihre Darbietungen. Wenn kein Auftritt auf der Bühne stattfand, wurde dort wie auch davor zu Schlagermusik, aufgelegt von einem DJ, getanzt.

Am Ende der Faschingsparty sah man überall zufriedene, aber vom vielen Feiern erschöpfte Gesichter. Zufrieden waren die Hauptorganisatorinnen Sanchia Fidlin und Susanne Kipp von der Handballabteilung des SV Kornwestheim. Sie sorgten vor und hinter den Kulissen für einen reibungslosen Ablauf, schließlich galt es die Arbeitseinsätze der rund 100 freiwilligen Helfer zu koordinieren.