Kornwestheim 36 000 Einwohner lautet das Ziel

Von
Wohnraum ist auch in Kornwestheim rar. Foto: Archiv/Keck

Kornwestheim - Darüber sind sich alle einig, die Stadträte unterschiedlichster Couleur ebenso wie Vertreter der Stadtverwaltung: Der freie Markt wird nicht dafür sorgen, dass in Kornwestheim preisgünstiger Wohnraum entsteht. Die Stadt will verstärkt in den Markt eingreifen. Wie, das haben die Stadträte im März bei einer nichtöffentlichen Klausurtagung diskutiert, das haben sie in dieser Woche noch einmal im Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) besprochen und das wollen sie am kommenden Donnerstag im Gemeinderat beschließen.

So strebt die Stadt an, Baugrundstücke nicht mehr an den zu vergeben, der den höchsten Preis bietet, sondern an den Investor mit dem besten Konzept. Damit, so hofft Baubürgermeister Daniel Güthler, kommen vermehrt auch Wohnungsbaugenossenschaften zum Zuge, was der Stadt ganz recht wäre, haben sie doch eher Wohnraum mit moderaten Mieten im Angebot. Susann Boll-Simmler (Grüne) regte an, die Kriterien vorab festzulegen, die der Stadt für die Konzepte wichtig sind. „Wir müssen Transparenz herstellen.“

Keine unbebauten Grundstücke mehr

Wenn die Stadt Freiflächen am Stadtrand für die Bebauung freigibt, dann müssen die Grundstücke zu 100 Prozent im Eigentum der Kommune sein, so ein weiterer Vorschlag der Stadtverwaltung. Das habe den Vorteil, dass Grundstück nicht unbebaut blieben, erläuterte Güthler die Idee dahinter. Grundsätzlich sind die Stadträte damit einverstanden, wie es sich im Ausschuss für Umwelt und Technik zeigte. Der CDU-Fraktion gehen die 100 Prozent aber zu weit. Das führe zu einer Verteuerung des Baulands, warnte der Vorsitzende Hans Bartholomä, und erinnerte daran, dass für jeden Grundstücksverkauf auch Grunderwerbssteuern anfallen. Es reiche doch, wenn die Stadt die Flächen „überwiegend“ in ihrem Besitz wisse, schlug der Christdemokrat vor.

Die Stadt, so kündigte Güthler weiter an, wolle nun auch Neubaugebiete am Stadtrand ausweisen – zunächst nördlich der Zügelstraße, anschließend auch nördlich der Obstgärten. Man wolle das Ganze maßvoll angehen, sagte der Baubürgermeister. Das ist auch Susann Boll-Simmler wichtig. Die Außenbereiche sollten „so klein wie möglich“ ausfallen, so die Grüne.

Der Baubürgermeister geht davon aus, dass durch die zusätzlichen Baugebiete im Norden Kornwestheims und durch das Schließen von Baulücken, durch das Aufstocken von Häusern oder kleinere Baugebiete im Innenbereich der Bau von Häusern für rund 2000 Menschen ermöglicht wird. So erreiche Kornwestheim eine Zielgröße von 36 000 Einwohnern. Das werde, betonte Güthler im AUT, aber auch beispielsweise zur Folge haben, dass zusätzliche Schulen und Kindergärten errichtet werden müssen. „Wir müssen abwägen, wie viel Natur wir uns lassen und wo wir bezahlbaren Wohnraum schaffen“, umschrieb der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans-Michael Gritz den Spagat.

Modell „Preisgünstiger Wohnraum“ gibt’s bereits seit zwei Jahren

Vor zwei Jahren bereits eingeführt hat die Stadt Kornwestheim das Modell „Preisgünstiger Wohnraum“. Investoren, die Eigentumswohnungen bauen wollen, müssen 20 Prozent der Wohnfläche, die sie schaffen wollen, vermieten – und zwar zu günstigen Preisen. Bisher allerdings hat diese Regelung noch keinen Niederschlag gefunden. Güthler könnte sich gleichwohl vorstellen, diese Quote auf 30 Prozent anzuheben. „Die Situation auf dem Wohnungsmarkt erlaubt den Bauträgern, einen größeren Anteil an Mietwohnraum zur Verfügung zu stellen, ohne dass dabei die Wirtschaftlichkeit eines Projekts gefährdet wäre“, so der Bürgermeister. „Das wäre für uns denkbar“, sagte Gritz, die CDU indes hat die Sorge, dass das dazu führen wird, dass die Preise an anderer Stelle in die Höhe gehen.

Das Bauherrenmodell, die finanzielle Unterstützung von jungen Familien, die Beteiligung an der Internationalen Bauausstellung (IBA) – auch das sollen Maßnahmen sein, mit denen die Stadt Kornwestheim dazu beitragen will, dass Wohnraum entsteht, der für möglichst viele Menschen bezahlbar ist.

Artikel bewerten
0
loading
 
 

Sonderthemen