Kornwestheim 47-Jähriger geschnappt: Familie verfolgt Dieb und fängt ihn auf dem Feld

Von
Die Hausbewohner schlafen und ein Dieb klaut ihnen mitten in der Nacht drei Handys sowie 215 Euro Bargeld. Dieser Fall landete nun vor Gericht. Foto: dpa

Kornwestheim - Die Hausbewohner schlafen und ein Dieb klaut ihnen mitten in der Nacht drei Handys sowie 215 Euro Bargeld. So ging es einer Kornwestheimer Familie, die eine gehörige Portion Courage zeigte, als sie den Dieb verfolgte und ihm die Beute wieder abjagte. Vor der Strafabteilung des Ludwigsburger Amtsgerichts gab es jetzt ein Wiedersehen mit dem Langfinger. Der 47-jährige Angeklagte, ebenfalls aus Kornwestheim, aber nicht aus dem Wohngebiet der Familie, gab vor Gericht zu, am 13. August dieses Jahres gegen 2.54 Uhr die Handys und das Geld aus dem Wohnhaus gestohlen zu haben. „Das ist einfach dumm gelaufen“, erklärte der Beschuldigte, er sei aus Stuttgart heimgekommen und habe dann noch seinen Hund Gassi geführt. Da habe er in dem Wohngebiet eine Türe offen stehen sehen und quasi nach dem Motto „Gelegenheit macht Diebe“ gehandelt. Eigentlich verdiene er genug Geld und brauche kein Geld von anderen Leuten.

Doch die Tochter, eine 24-jährige Studentin, bemerkte den Langfinger. Sie hörte ein „Schnappen“ und tippte auf das „Kläpple“, den Schließmechanismus an der Haustüre. Dann vernahm sie Geräusche im Haus, hörte ein „kleines Klicken“ und kombinierte scharf, dass es sich dabei um eine Taschenlampe handeln könnte. Die Studentin weckte ihren 22-jährigen Freund und ging die Treppen hinunter, wo sie den Dieb an „Schubladen hantieren“ sah. Der Mann flüchtete, sie rannte diesem hinterher und ihr Freund rannte wiederum ihr hinterher.

„Ich war erst perplex“, schilderte der Freund als Zeuge vor Gericht. Die Studentin habe vor lauter Rennen irgendwann nicht mehr gekonnt, also habe er die weitere Verfolgungsjagd übernommen. Er sei dem Angeklagten durch das ganze Wohngebiet bis aufs Feld hinaus hinterher gerannt, habe diesen dort zu Fall gebracht und sich die Beute wieder geholt.

Wer als Dritter hinterher kam, war der Vater der Studentin mit dem Fahrrad. Der 58-Jährige hatte „einen langen, anhaltenden Schrei“ von seiner Tochter gehört, gesehen, „dass unten Licht brennt und dass die Haustüre offen“ gestanden habe. „Ich bin dem Geschrei meiner Tochter gefolgt und habe sie und ihren Freund auf der Wiese hinter den Wohnhäusern gesehen“, erzählte der Vater im Zeugenstand. „Der Täter war auf den Knien und hat sich nicht gewehrt.“

Kurz nach dem Vater kam die Polizei auf besagte Wiese und nahm den Dieb fest. Herausgerückt hat dieser nur zwei Handys und das Bargeld. Das dritte Handy fanden die Bestohlenen im Nachgang in einem Gebüsch. Eine Polizeibeamtin vom Kriminalkommissariat Ludwigsburg bekam den Fall vom Revier Kornwestheim erst am nächsten Morgen auf den Tisch, als Wohnungseinbruchsdiebstahl. Sie fuhr mit einem Kollegen zu dem Kornwestheimer Anwesen, konnte aber „keinerlei Einbruchspuren“ feststellen. Die Tochter, meinte die Polizistin, habe nicht genau sagen können, ob die Haustüre auf einfaches Drücken aufgegangen war.

Ganz so einkommensstark, wie er vorgab, erwies sich der bislang unbescholtene Dieb vor Gericht nicht. Er war vor vier Jahren in der Privatinsolvenz gelandet, sein Konto wird gepfändet. Die Anklägerin legte in ihrem Plädoyer den Gesamtwert des Diebesgutes von fast 1000 Euro ins Gewicht und bescheinigte dem Dieb eine „hohe kriminelle Energie“. In ihrem Strafantrag forderte sie fünf Monate Haft auf Bewährung und 1800 Euro zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung. Im Urteil kam eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu jeweils 20 Euro, also insgesamt 2400 Euro, heraus. Damit ist der Kornwestheimer vorbestraft.

Die bestohlene Familie sagte zwar aus, dass ihm der Diebstahl schon auf der Wiese leid getan habe, aber die Richterin warnte: In ein Haus einzudringen, bedeute die Verletzung der engsten Persönlichkeitssphäre und eine Geldstrafe sei dafür „gerade noch ausreichend“.

 
 

Sonderthemen