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Kornwestheim Alles nicht so selbstverständlich

Susanne Mathes, vom 17.01.2016 19:00 Uhr
Oliver Dauner (Zweiter von links) und Stefan Schwarzer (rechts) – mit Vize-Kommandant Matthias Häußler und Rathauschefin Ursula Keck – 


bekamen das Feuerwehr-Ehrenzeichen in Silber angeheftet Foto: Peter Mann
Oliver Dauner (Zweiter von links) und Stefan Schwarzer (rechts) – mit Vize-Kommandant Matthias Häußler und Rathauschefin Ursula Keck – bekamen das Feuerwehr-Ehrenzeichen in Silber angeheftet Foto: Peter Mann

Kornwestheim - Brand-, Unwetter-, Gefahrgut- oder Hilfeleistungseinsätze meistern, Lehrgänge und Fortbildungen absolvieren, Feste oder Theaterveranstaltungen absichern, Material instandhalten: Schon das ist nicht eben unaufwendig, ist’s doch alles freiwillig. Dazu noch ein 150-Jahr-Jubiläum vorbereiten und stemmen, mitsamt Ausstellung, Seifenkistenrennen, Tag der offenen Tür, Festakt und etlichem mehr: 2015 war für die Feuerwehrleute eine Herausforderung der besonderen Art. Es brachte die Mitglieder mitunter ans Limit ihrer Kräfte.

„Das Jubiläumsjahr hat das komplette Team gefordert, und es hat sich als leistungsfähige und starke Truppe gezeigt. Darauf kann man mehr als stolz sein“, resümierte Kommandant Oliver Dauner am Samstagabend bei der Jahreshauptversammlung der Wehr. Zumal es mit den Einsätzen selbst – 226 waren es an der Zahl, 22 mehr als im Jahr 2014 – nicht getan sei. Die Bürger erwarteten professionelle Hilfe, und um die leisten zu können, müsse das Gelernte stets geübt und vertieft werden. Explizit dankte Dauner seinem Stellvertreter Matthias Häußler, der ihn in dem aufreibenden Jahr stets unterstützt und „nie „im Regen stehen lassen“ habe.

Ohne Rückhalt von Familie und Freunden, ohne aufgeschlossene Arbeitgeber sei all das nicht zu machen. Und wenn man in den Medien oft sehe, wie Einsätze auch zur Lebensbedrohung werden könnten – in Kornwestheim sei die Wehr davon glücklicherweise im zu Ende gegangenen Jahr verschont worden – , werde man schon manchmal nachdenklich, sagte Dauner.

Darauf ging auch Oberbürgermeisterin Ursula Keck in ihrer Ansprache an die Frauen und Männer im Feuerwehrgerätehaus ein. „Ich bin sehr froh und dankbar, dass es 2015 keine Unfälle im Einsatz gegeben hat“, betonte sie. Sie hoffe, dass die Feuerwehrleute auch künftig stets gesund aus den Einsätzen zurückkehrten. Die Stadt könne sich glücklich schätzen, hob die Verwaltungschefin hervor, dass es bis heute gelänge, die Wehr ehrenamtlich zu organisieren. „Wir versuchen Ihnen dafür die bestmögliche Ausstattung und die notwendigen Fortbildungen zu geben.“

Das Jubiläum mit dem Seifenkistenrennen und dem Tag der offenen Tür mit Schlagersänger Bata Illic, der jetzt auch Mitglied beim Förderverein sei, habe in der Bevölkerung „eine unglaubliche Resonanz“ erfahren, so Keck. Die Bevölkerung stehe aber auch jenseits von Festivitäten hinter der Feuerwehr, gab sie sich überzeugt.

Die Floriansjünger schauten denn auch zufrieden auf 2015 zurück. 96 Aktive zählen sie mittlerweile – das Jubiläumsjahr brachte zehn Neuzugänge, was die Wehr mit Genugtuung betrachtete. Neun Frauen sind bei den Aktiven dabei. Bei der Jugendfeuerwehr machen zwei Mädchen und 15 Jungen mit. Eine „gesunde Mischung aus feuerwehrtechnischer Ausbildung und Spaß“ soll sie auf den Aktiveneinsatz vorbereiten, berichtete Jugendfeuerwehr-Chef Florian Vogt, der das Amt im vergangenen Jahr von Michael Bock und Manuel Jabke übernommen hatte.

Die Jugendlichen mit Ausflügen und dergleichen „zu überschütten“, halte er indes nicht für notwendig, stellte Vogt klar. Funkunterricht, Erste Hilfe, Gefahrgut-Grundlagen und mehr: Interessante Stunden seien dabei auch so garantiert. „Die Übungsabende sollen attraktiver sein als Computer spielen und abhängen“, so Vogt. Dass die Jugendfeuerwehr beim Streetball-Regionalentscheid „S-Move“ des Landesfeuerwehrverbandes Platz eins belegte, zeigte, dass die jungen Feuerwehrleute vielfach begabt sind. Für ihn und sein Team gelte es, so Vogt, die eigene Talentschmiede der Feuerwehr weiterzuentwickeln, sie auf das Ablegen hochrangiger Leistungsabzeichen vorzubereiten und auf Veranstaltungen auch weitere Jugendliche anzusprechen und zu begeistern.

Die 33 Mitglieder zählende Altersmannschaft, denen ein „großes, dickes Lob“ gezollt wurde und auf deren Hilfe Aktive und Nachkommende dankbar zurückgreifen, erhielt am Samstag ein neues Führungsduo. Karl-Heinz Hägele und als Stellvertreter Martin Ergenzinger wurden mit jeweils 16 von 18 Stimmen gewählt. Sie übernehmen die Ämter von Manfred Klenk und Michael Ettenhofer, die mit Dank und Präsent von der Funktion entbunden wurden. Aus der Aktiven- in die Altersmannschaft wurde Wolfgang Kaboth ebenfalls mit Geschenk und Dankesworten verabschiedet.

Dem Kassier Ulrich Hohenstein bescheinigte Peter Schraud im Namen der Kassenprüfer eine „top geordnete Buchführung“. Hohenstein achte darauf „päpstlicher als der Papst“. Ursula Keck verlieh bei der Versammlung auch zwei Mal das Feuerwehr-Ehrenzeichen in Silber für 25 Jahre Dienstleistung: an Stefan Schwarzer und an Kommandant Oliver Dauner.