Kornwestheim Angeklagter verspielt große Geldsummen aus „Dummheit und Langeweile“

Heike Rommel, vom 10.01.2018 11:12 Uhr
Mit einer Scheinfirma in Kornwestheim hat ein 38-Jähriger insgesamt 33 000 Euro erschwindelt. Foto: dpa
Mit einer Scheinfirma in Kornwestheim hat ein 38-Jähriger insgesamt 33 000 Euro erschwindelt. Foto: dpa

Kornwestheim -

Mittels einer Scheinfirma in Kornwestheim hat sich ein 38-Jähriger insgesamt 33 000 Euro erschwindelt: Wegen gewerbsmäßiger Untreue an seinem Asperger Arbeitgeber hat das Ludwigsburger Schöffengericht den Möglinger nun verurteilt. Seine Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten bekam der Mann nur deswegen zur Bewährung ausgesetzt, weil er bereits Wiedergutmachung leistet.

Seine Masche: Als Einkäufer, welcher Rechnungen bis zu 100 000 Euro freigeben durfte, hat er immer wieder Geld in die eigene Tasche gemogelt. Der Angeklagte war im Jahr 2015 schon einmal wegen Hehlerei verurteilt worden. Damals hatte er gestohlene Rauchmelder im Internet verhehlt. Beim aktuellen Prozess ging es um Motoren und Pumpen, die der Einkäufer für seinen Chef bei der eigens in Kornwestheim dafür eingerichteten Scheinfirma bestellen ließ. Die Vorkasse aus dem Betrieb seines Arbeitgebers floss zunächst auf das Konto seiner Schwester. Als diese „nicht mehr mitmachen“ wollte, wie der Angeklagte sagte, ging das Geld auf sein eigenes Konto. Die 33 000 Euro erschwindelte er im Zeitraum zwischen Ende 2013 und Mai 2014. Als Tatmotiv gab der geständige Angeklagte an, spielsüchtig gewesen zu sein. Er habe Geld gebraucht, um an Automaten spielen und sich an den Poker-Tisch setzen zu können. Der Angeklagte bezahlt seinem ehemaligen Chef, der ihm kündigte, den Schaden seit einigen Jahren in monatlichen 300-Euro-Raten ab. Ebenfalls positiv für ihn ins Gewicht fiel, dass er bereits zu Beratungsgesprächen eine Stelle für Spielsüchtige aufsuchte. Einen Tag vor Prozessbeginn hatte er außerdem wieder eine Festanstellung bei einer Spedition erhalten.

Mit dem Spielen habe er aufgehört, erklärte der gelernte Verkäufer und als Fachkraft für Lagerlogistik ausgebildete Angeklagte der Richterin Andrea Henrich und den Schöffen. Auch seine Eigentumswohnung habe er halten können. Zu seiner Situation während der Tatzeit sagte er: „Es gab keinen mehr, der mir Geld geliehen hat und ich habe Schufa-Einträge ohne Ende bekommen.“ Auf die Frage der Richterin, wie er in die Spielsucht hineingeraten sei, meinte er: „Aus Dummheit und aus Langeweile.“ Über seine frühere Situation in der Asperger Firma berichtete der Mann: „Ich musste bei Bestellungen keinen fragen.“ Als Strohmann für die Kornwestheimer Scheinfirma setzte er einen Kollegen ein, der in Asperg handwerkliche Tätigkeiten verrichtete, und brachte auch diesen mit dem Gesetz in Konflikt.

Das Gericht rechnete vor, der Möglinger habe ungefähr jedes zehnte Mal bei Bestellungen für seinen ehemaligen Arbeitgeber in die eigenen Tasche gewirtschaftet. Dazu stellte er wirklich vorhandene Rechnungen einfach ein zweites Mal an seine Kornwestheimer Scheinfirma aus und bunkerte das Geld auf seinem eigenen Konto. Ein Kriminalhauptkommissar vom Polizeipräsidium Ludwigsburg führte im Zeugenstand aus, die Kripo habe wegen „ungewöhnlicher Kontobewegungen“ bei dem Kollgen, welchen der Angeklagte für die Scheinfirma eingesetzt hat, eine Verdachtsanzeige bekommen. Der Kollege musste wegen des Verdachts auf Geldwäsche bei der Polizei vorstellig werden. Geldwäsche war es am Ende nicht, aber der Angeklagte und Gründer der Scheinfirma war in Sachen gewerbsmäßige Untreue nach Einschätzung der Anklägerin „gut unterwegs“.