Kornwestheim Angriff mit Machete und Messern: Zeugen geben im Prozess wenig preis

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Im Prozess gegen fünf mutmaßliche Mitglieder einer Straßengang, die dem Boxclub Osmanen nahestehen soll, sind die ersten Zeugen gehört worden. Foto: dpa

Kornwestheim - Im Prozess am Landgericht Stuttgart gegen fünf mutmaßliche Mitglieder einer Straßengang, die dem Boxclub Osmanen nahestehen soll, sind am Montag die ersten Zeugen gehört worden. Vier der Angeklagten sollen Mitte Februar dieses Jahres in der Dorfwiesenstraße – mit einer Machete, Messern und einem Baseballschläger bewaffnet – auf ihr Opfer in dessen Mercedes eingestochen und -geschlagen haben. Der fünfte Angeklagte soll die Tat geplant haben.

Der 23-jährige Cousin des Opfers hatte die Ermittlungen gegen die Gruppe erst ins Rollen gebracht. Er machte vier Tage nach der Messerstecherei eine Aussage bei der Polizei. „Das ging ein bisschen zu weit. Das wäre fast tödlich geendet“, sagte der Mann, der in Asperg wohnt und im selben Betrieb wie sein Cousin eine Ausbildung gemacht hat. Das Opfer befindet sich inzwischen selbst in Haft. Der Mann soll zum Tathergang falsche Angaben gemacht haben. Richterin von Schmettow wollte von dem Zeugen wissen, warum das Opfer damals nicht selbst zur Polizei gegangen sei. „Er hält nichts von so was“, sagte der 23-Jährige aus Asperg. Im „Gang-Milieu“ sei es nicht üblich, mit der Polizei zu kooperieren. Zu seiner Mitgliedschaft in der Gruppe Bahoz beziehungsweise deren Vorgänger Red Legion, einer kurdischen Bande, die sich in der Vergangenheit in der Region immer wieder teils blutige Konflikte mit den Osmanen geliefert hat, wollte sich der 23-Jährige nicht äußern. Auch nicht zu den Hintergründen der Tat. Nur so viel: Es habe keine Streitigkeiten wegen Drogengeschäften oder Ähnlichem gegeben.

Was an dem Abend im Februar passiert war, daran erinnerte sich der wegen Raubes vorbestrafte Mann nur sehr lückenhaft. Lediglich, dass er seinen Cousin schwer verwundet im Krankenhaus getroffen habe, wusste der Asperger noch. Auch konnte er den mutmaßlichen Drahtzieher des Angriffs identifizieren.

Sein Cousin und er hätten sich mit dem 26-jährigen Kornwestheimer „nicht sonderlich gut verstanden“. Außerdem sei es im Winter 2017 zu einer Auseinandersetzung zwischen ihm und dem Angeklagten gekommen. Ebenfalls habe es auf dem Schulhof der Carl-Schaefer-Schule einen Zusammenstoß gegeben, bei dem einem Mann mit einer Pfefferpistole ins Gesicht geschossen wurde. Einzelheiten wollte der Zeuge nicht preisgeben. „Man kann aber schon von einem jungen Menschen erwarten, dass er sich an ein hoffentlich so einmaliges Ereignis erinnert“, sagte die Richterin von Schmettow, nachdem der 23-Jährige etliche Fragen mit „Weiß ich nicht mehr“ beantwortet hatte. Die vierte Strafgerichtskammer beschäftigte sich zudem mit einem Beitrag des 26-jährigen Angeklagten, der sich nach der Tat auf der Social-Media-Plattform Instagram als „Gorilla-Hunter“ bezeichnet hatte. Das Wappen der Gruppierung Red Legion, die bereits seit Juni 2013 verboten ist und der das Opfer angehört haben könnte, ziert ein brüllender Gorillakopf, das erste Logo der Gruppe.

Die Eltern des Opfers aus Kornwestheim wurden am Montag ebenfalls befragt. Der 52-jährige Vater gab an, dass an dem Abend „drei oder vier“ Personen aus der Dorfwiesenstraße, wo das Auto seines Sohnes geparkt war, in den Wiesengrund geflüchtet seien. Natürlich habe er sich nach dem Angriff „gewundert“, aber zu einem klärenden Gespräch sei es nicht gekommen. „Von einer Gangmitgliedschaft weiß ich nichts“, sagte der 52-Jährige. Ob sein Sohn schon einmal Probleme mit der Polizei gehabt habe, er schon vor Gericht gestanden oder im Gefängnis gesessen habe, wollte Rechtsanwalt Kristian Frank wissen. „Dazu sage ich nichts“, gab er zurück.

Infos zur Vergangenheit des Opfers und den Hintergründen der Tat hätte eventuell ein weiterer Zeuge liefern können, der an dem Abend mit dem Opfer im Fitnessstudio verabredet war. Der 24-Jährige aus Steinheim schilderte zwar, wie er seinen Freund im Krankenhaus „unter Schock“ stehend angetroffen hatte, wie die Stichverletzungen genäht wurden, „über die Sache an sich weiß ich aber nichts“. Auch sei es nicht mehr zur Sprache gekommen. Darauf angesprochen, ob das Opfer oder der Zeuge, dessen Aussage das Verfahren erst angestoßen hatte, Mitglieder bei den Gruppierungen Bahoz oder Red Legion gewesen seien, antwortete der 24-Jährige: „Die beiden Gruppierungen gibt es ja nicht mehr. Und ob sie dort dabei waren, weiß ich nicht. Es gibt ja keine Mitgliedsausweise.“

 
 

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