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KornwestheimAuch beim Mittagessen keine Kellerkinder

Werner Waldner, vom 17.10.2017 00:00 Uhr
Kümmern sich um die Essensausgabe: Klaudia Fekete-Kiss (links) und Andrea Malsch. Foto: Werner Waldner
Kümmern sich um die Essensausgabe: Klaudia Fekete-Kiss (links) und Andrea Malsch.Foto: Werner Waldner

Kornwestheim - Nein, ein spätes Mittagessen servierten Andrea Malsch und Klaudia Fekete-Kiss den Ehrengästen am gestrigen Mittag nicht. Für sie war die Arbeit getan, als die Mensa der Silcherschule offiziell in Betrieb genommen wurde: Rund 150 Essen – Fischspieß mit Kartoffelsalat und Nudeln mit Tomatensoße standen auf dem Speiseplan – waren an die Kinder ausgegeben worden, die Küche hatten sie wieder auf Vordermann gebracht. Aber die Koch- und Back-AG der Silcherschule hatte den Gästen aus Gemeinderat und Verwaltung sowie von den anderen Schulen Gutsle, Salzgebäck und Getränke bereitgestellt. Und so konnte auf die Fertigstellung der Mensa angestoßen werden, auf die die Schule so sehnsüchtig gewartet hat.

Drei Jahre lang half die Interimsmensa im Haus der sozialen Dienste. Schulsekretärin Kerstin Dalke nahm die Bestellungen fürs Essen entgegen. „Wäre sie“, sagte Schulleiterin Petra Götz, „auch nur einen Tag krank gewesen, wir wären hilfslos gewesen und die Kinder hätten hungern müssen.“ Dalke war nicht krank, und so überstand die Schule diese Jahre ebenso gut wie die Zeit, als die Mensa im Untergeschoss der Schule gebaut wurde. Das sei schon eine massive Lärmbelästigung und viel Dreck gewesen, erinnert sich Petra Götz nur ungern an das Jahr. Ihnen sei viel Flexibilität abverlangt worden. Umso größer ist die Freude über das Ergebnis. Obgleich im Untergeschoss, präsentiert sich die Mensa, die im Speiseraum auf 170 Quadratmetern Platz für 110 Kinder bietet, hell und freundlich und bietet sogar Platz für Bewegungsspiele. Die Klasse 4 b der Silcherschule animierte die erwachsenen Besucher gestern Mittag mit einer Art einfachem Schuhplattler zum Mitmachen, anschließend sprangen die Jungen und Mädchen noch Seilchen.

1,5 Millionen Euro hat sich die Stadt Kornwestheim die Mensa kosten lassen, das Land hat davon 130 000 Euro übernommen. Ein Unding, wie Oberbürgermeisterin Ursula Keck in ihrer kleinen Festansprache meinte. Wie könne es sein, dass das Land den Ganztagsbetrieb an den Schulen propagiere, dann aber die Kommunen bei der Umsetzung der Ziele mehr oder weniger alleine lasse. Es sei nicht ganz einfach gewesen, für die Silcherschule eine Mensa zu bauen, ohne den Schulhof zu verkleinern und den Kindern damit die Bewegungsräume zu nehmen. Architekt Michael Kerker habe schließlich die Idee entwickelt, die Mensa im Untergeschoss der Schule zu verwirklichen. Die Bauzeit belief sich auf ein Jahr und gestaltete sich alles andere als einfach. Unter anderem musste die Bodenplatte um 60 Zentimeter abgesenkt werden. „Es sollte kein Kellergefühl entstehen“, betonte Oberbürgermeisterin Ursula Keck bei der Feier, die von der Klasse 3 b musikalisch eröffnet worden war.

Rund 150 Essen geben Andrea Malsch und Klaudia Fekete-Kiss täglich aus, nach den Herbstferien werden es rund 200 sein, weil dann auch die Halbtagskinder die Möglichkeit haben, in der Mensa zu speisen. Gegen 11 Uhr starten sie mit ihrer Schicht, um 12.20 Uhr kommen die ersten Kinder. Für die Erstklässler gibt’s einen besonderen Luxus: Für sie wird der Mensatisch gedeckt. Aber ihr Essen müssen auch sie sich an der Ausgabe abholen. Und dort kennen die beiden Servicekräfte ihr Publikum, wissen, wer sich gerne den Bauch vollschlägt und wer lieber weniger isst.

Die Eltern müssen das Essen vorab auf elektronischem Weg bestellen – entweder von zuhause aus oder über den Bestellterminal in der Schule. Besonders beliebt bei den Kindern: Spätzle mit Soß’ und die Süßspeisen wie Milchreis. Da wird die Freude heute besonders groß sein: Auf dem Speiseplan steht entweder der Putenrollbraten Madagaskar oder Grießbrei mit Himbeersauce, Zimt und Zucker. Wohl bekomm’s.