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KornwestheimAuf den Spuren der Rallye Dakar

Birgit Kiefer, vom 18.04.2017 00:00 Uhr
Der Diesel-Tross auf der alten Rallyestrecke Paris – Dakar. Der aufgewirbelte Staub ist dabei Programm. Foto: z
Der Diesel-Tross auf der alten Rallyestrecke Paris – Dakar. Der aufgewirbelte Staub ist dabei Programm.Foto: z

Kornwestheim - Im Jahr 2015 zogen Sven Holzberger und Alexander Pflug los und kauften einen alten Daimler, Baujahr 1992. 750 Euro blätterten sie auf den Tisch. „Der Wagen dürfte schon kurz vor dem Oldtimer-Status gewesen sein“, sagt der Kornwestheimer Holzberger grinsend. Rostig war das Modell W124 auch noch, und Tüv hatte ihr Kauf schon mal gar nicht. Aber das hat den beiden nichts ausgemacht, denn sie hatten eine genaue Vorstellung davon, was mit dem Wagen geschieht: Die zwei Berufsschullehrer am Berufsschulzentrum Aalen wollten den alten Diesel wieder fahrbereit machen, ihn wüstentauglich umbauen und mit dem Kombi nach Mauretanien fahren, über 5000 Kilometer weit. Alles für einen guten Zweck: ein Kinderhaus in der zweitgrößten mauretanischen Stadt Nouadhibou, das durch die Mauretanienhilfe AEPN unterstützt wird. Dort finden 75 Kinder ein Zuhause, ein Bildungsangebot, Essen. Auch schwangere Frauen werden dort betreut.

Warum aber die Rallye, die unter dem Namen „Dust and Diesel“ läuft? Ein Dieselmotor gehe nicht kaputt, erläutert Holzberger. Die in Deutschland ausrangierten Fahrzeuge würden anderswo noch nachgefragt. Ihr alter Daimler soll – so er denn die Fahrt nach Mauretanien übersteht – dort versteigert werden. Die Einnahmen gehen an den Verein AEPN.

Außerdem nutzen die Rallyeteilnehmer die Gelegenheit, um für die Organisation und um Spenden zu werben. Holzberger und Pflug haben sich dafür auch an Politiker und Persönlichkeiten aus der Wirtschaft gewandt, darunter die Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd, wo Pflug lebt, und von Kornwestheim. „Wir wollen, dass so viel Geld wie möglich zusammenkommt“, so Holzberger, „und wir wollen das Geld für ein Projekt aufbringen, bei dem wir wissen, dass es möglichst komplett bei den Menschen ankommt.“ Der Verein AEPN Mauretanienhilfe ist ein gemeinnütziger Verein, der von dem Deutschen Florian Schmidt gegründet wurde. Schmidt organisiert auch die zweimal im Jahr stattfindenden Rallyes, um das Projekt zu finanzieren. Die Dieselfahrzeuge, die im Mai starten, fahren auf den Spuren der Rallye Paris – Dakar, über das Atlasgebirge und durch Sandwüsten. Im Dezember geht es entlang der afrikanischen Westküste über Fés und Marrakesch in die westafrikanische Sahara. 18 Tage sind dafür angesetzt, die Etappen sind zwischen 100 und 600 Kilometer lang. Größere Städte werden auch mal einen Tag lang besichtigt.

Pflug und Holzberger werden zu zweit in einem Pulk von 25 Dieselautos fahren. Sie haben den Wagen auf eigene Kosten und mit viel Unterstützung von Bekannten, Kollegen und Freunden hergerichtet. Zuletzt war die Batterie hinüber, aber „der Saugdiesel, der ist zwar etwas leistungsschwächer, aber unkaputtbar“, versichert Holzberger. Darum glaubt er daran, dass das Fahrzeug – es ist inzwischen anthrazitfarben statt dunkelblau und von Rost ist nichts mehr zu sehen – auch heil ankommt. Das Dachfenster, das undicht war und geklemmt hat, haben sie kurzerhand zugeschweißt und überlackiert. „Von außen sieht man da nichts mehr“, freut sich Holzberger. Die Radaufhängung, die Stoßdämpfer, die Federbeine, die Brems- und Benzinleitungen mussten ausgetauscht werden. Inzwischen hat das Duo guten Kontakt zu Schrotthändlern.

Trotzdem kostet natürlich das alles etwas. Und damit nicht genug: Für die Rallye müssen die beiden eine Teilnahmegebühr bezahlen, schließlich werden sie begleitet und haben nachts Schlafmöglichkeiten. Auch für Treibstoff und Rücktransfer müssen sie in die eigene Tasche greifen. Es sei aber auch ein großes Abenteuer , begründet Holzberger das Engagement. Er hatte schon als Student einen alten VW-Bus, mit dem er quer durch Europa reiste. „Aber raus aus Europa habe ich es bisher nicht geschafft“. Der Bastler bei den beiden ist Alexander Pflug, der schon drei Harley Davidsons selbst zusammengebaut hat.

Am 28. Dezember treffen sich die Teams zum Start in der südspanischen Stadt Tarifa, von wo aus es mit der Fähre nach Marokko geht. Von dort an wird gemeinsam gefahren. „Ich bin gespannt, auf den Spuren der Rallye Dakar unterwegs zu sein“, freut sich Holzberger.