Kornwestheim Böse Blicke für rasende Autofahrer

Peter Meuer, vom 10.08.2018 09:00 Uhr
Die Anzeige leuchtet in verschiedenen Farben auf. Foto: Meuer
Die Anzeige leuchtet in verschiedenen Farben auf. Foto: Meuer

Kornwestheim - Seit Mai ist sie im Einsatz und hat seitdem schon so manche Straße in Kornwestheim gesehen. An der Theodor-Heuss-Straße in Richtung Mühlhausen hat sie beispielsweise gemessen, dass die Autofahrer häufiger mal mit mehr als 50 Sachen unterwegs sind – erlaubt sind hier nur 40 Stundenkilometer. Andernorts gab es weniger Verkehrsverstöße, hier lächelte sie die Fahrer oft an oder lobte sie mit einem erhobenen Daumen. Einen besonders spaßigen Auftritt hatte sie beim großen Seifenkunstkistenrennen im Juli. „Da haben wir die Geschwindigkeit der Seifenkisten angezeigt“, berichtet Ingo Kröner schmunzelnd, der Teamleiter des Gemeindevollzugsdienstes. Sie – das ist die neue Geschwindigkeitsanzeige des städtischen Vollzugsdienstes. Das Gerät ist das zweite seiner Art in Kornwestheim und moderner als die erste Anlage. Es kann Daumen heben und senken, fröhliche und böse Gesichter zeigen und, natürlich, die gefahrene Geschwindigkeit in Stundenkilometern anzeigen. Die Farbe variiert je nachdem von freundlichem Grün zu eher warnendem Rot. Die Autofahrer bekommen so angezeigt, ob sie zu schnell oder in vernünftigen Tempo unterwegs sind. Was so mancher Fahrer zudem nicht ahnt: Die Anzeige zeichnet die in einer Straße gefahrenen Geschwindigkeiten auch auf. „Die Geräte dienen der aktiven Verkehrserziehung und erfassen zudem statistisch die Verkehrsdaten für uns“, erläutert Ingo Kröner. Die Mitarbeiter des Vollzugsdienstes könnten die Geräte mit geringem Aufwand demontieren, andernorts wieder aufhängen.

Ein Bußgeld muss niemand befürchten, den ein böses Gesicht von der Tafel anstarrt. Wie auch – die Anzeige hat keine Kamera, kann sich nicht „merken“, wer zu schnell gefahren ist. Das wäre mit der Geschwindigkeitsanzeige auch gar nicht erlaubt. Blitzer müssen präziser sein, werden von der physikalisch-technischen Bundesanstalt zugelassen.

Dennoch helfen die gemessenen Werte dem Gemeindevollzugsdienst und den weiteren Verkehrsbehörden. Die Beamten können mit den erfassten Daten prüfen, wo wirklich zu schnell gefahren wird, wo gefährliche Straßenverläufe sind, oder auch, wo die Bürger nur glauben, dass gerast wird. Am Ende können diese Werte dann Erkenntnisse für die Verkehrsplanung liefern oder beispielsweise Ingo Kröners Mitarbeitern und der Polizei Hinweise geben, wo künftig dann doch besser einmal wirklich geblitzt und verwarnt werden sollte.

„Unsere Mitarbeiter können die Anzeigen mit einem Tablet per Bluetooth bedienen und auch auslesen“, erläutert Ingo Kröner die Technik des 2300 Euro teuren Gerätes. Aus den Ergebnissen ließen sich dann Balken- oder Kuchendiagramme erstellen, sagt er erfreut über die statistischen Möglichkeiten. Der Teamleiter des Gemeindevollzugsdienstes ermutigt die Kornwestheimer ausdrücklich, nach den Messgeräten zu fragen. „Wir nehmen es ernst, wenn Bürger beispielsweise beobachten, dass in ihrer Straße zu schnell gefahren wird“, sagt Kröner. Oft seien solche Eindrücke natürlich subjektiv, man verschätze sich schnell. „Aber wir testen das gerne mit den Geschwindigkeitsanzeigen“, ergänzt er. Diese würden dann für jeweils etwa eine Woche aufgebaut. „Wichtig ist uns auch, dass sie über ein Wochenende stehen bleiben“, sagt Kröner. „Dann ist das Ergebnis rund.“