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Kornwestheim Busse sollen die Autos ausbremsen

Werner Waldner, vom 10.05.2018 00:00 Uhr
Buskaps, Parkstreifen, Radfahrstreifen – die Theodor-Heuss-Straße soll „langsamer“ werden. Foto:  
Buskaps, Parkstreifen, Radfahrstreifen – die Theodor-Heuss-Straße soll „langsamer“ werden. Foto:  

Kornwestheim - Würde die Stadt die Anwohner aus dem Wohngebiet Ost zu einer Bürgerversammlung einladen und ihre Pläne dort vorstellen, sie würde vermutlich viel Kritik ernten. Schon bei einem Ortstermin am Dienstagabend vor der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik zeigten sich Anwohner mit dem, was die Stadt Kornwestheim plant, nicht einverstanden. Und in der anschließenden Sitzung hätten sich einige von ihnen am liebsten selbst zu Wort gemeldet, was ihnen aber in den Zusammenkünften des Gemeinderats und seiner Gremien in der Regel verwehrt ist. Das Interesse an der Verkehrsplanung für die beiden Hauptverkehrsstraßen im Wohngebiet Ost ist auf jeden Fall groß – und die Frustration darüber, dass im vergangenen Jahr Fußgängerampeln abgebaut worden sind.

Die Pläne für die Neckarstraße:• Die Bushaltestelle (Nordseite) an der Einmündung der Goerdelerstraße bekommt einen Buskap. Die Haltestelle wird – wie schon auf der Südseite – in die Fahrbahn hineingebaut, sodass der Bus nicht mehr zum Halt einschwenken muss. • Am Unstrutweg wird die Fahrbahn durch eine Ausweitung des Gehweges verengt. • Verengt werden soll die Fahrbahn auch im Bereich der Einmündung der Remsstraße, allerdings erst dann, wenn das Haus steht, das gegenüber dem Kindergarten errichtet werden soll. Für die Remsstraße selbst hat die Stadt Tempo 30 angeordnet.

Die Pläne für die Theodor-Heuss-Straße:• Zwischen Kreisverkehr und der Zufahrt zur Theodor-Heuss-Realschule wird auf beiden Straßenseiten ein Fahrstreifen für Radler angelegt, und zwar links der parkenden Pkw. Zwischen den Parkbuchten und dem Radweg werde Platz gelassen, damit die Radfahrer nicht von Autofahrern erfasst würden, die ohne auf den Verkehr zu achten die Türen öffneten, so Dirk Maisenhölder vom Fachbereich Tiefbau und Grünflächen beim Ortstermin in der Theodor-Heuss-Straße. Es werde aber auch weiterhin möglich sein, als Radler den kombinierten Fuß- und Radweg zu nutzen.• Im Bereich der Zufahrt zur Realschule werden auf der Nord- und der Südseite zwei Buskaps gebaut. Das soll den Fußgängern das Überqueren der Fahrbahn erleichtern. • Zwischen der Zufahrt zur Realschule und dem Thomashaus werden zwei Meter breite Parkstreifen markiert. Das hat zur Folge, dass sich die für den fließenden Verkehr nutzbare Fahrbahnbreite auf 6,50 Meter reduziert. • Und in Höhe des Thomashauses wird die Fahrbahn durch eine Ausweitung des Gehweges verengt. Das werde auch dazu führen, so Dirk Maisenhölder, dass die Passanten beim Überqueren der Fahrbahn einen besseren Blick auf den fließenden Verkehr haben. • Zudem ist vorgesehen, die Mittelmarkierung zu entfernen. Auch das führe zu einer Verlangsamung des Verkehrs, so Maisenhölder.

Rund 170 000 Euro kosten die Baumaßnahmen in der Theodor-Heuss- und in der Neckarstraße, die einstimmig den Ausschuss passierten. Die CDU-Stadträte Martin Ergenzinger und Wolfgang Ohnesorg enthielten sich aber bei der Abstimmung über die Neckarstraße der Stimme. Ergenzinger hat die Befürchtung, dass die Verengung der Neckarstraße die Feuerwehr behindern wird. Das mochte Dirk Maisenhölder nicht ausschließen. Wenn die Feuerwehr ausrücke und der Bus an der Haltestelle stehe, dann werde es eng. „Das möchte ich gerne im Protokoll stehen haben“, ereiferte sich Ergenzinger. „Wortwörtlich“, schob er hinterher. „Wir können nicht jede Eventualität berücksichtigen“, entgegnete indes Erster Bürgermeister Dietmar Allgaier. Es gelte, mitunter auch abzuwägen. Er erinnerte an die Zeppelinstraße, wo es für die Feuerwehr erheblich „unkomfortabler“ zugehe.

Stadtrat Klaus-Dieter Holzscheiter (Freie Wähler) regte an, im Bereich des Thomashauses eine ähnliche Markierung auf die Fahrbahn aufzubringen wie in der Karlstraße. Anwohner fragten nach, ob beim Übergang zur Realschule nicht ein Zebrastreifen angebracht sei. Der, erläuterte Fachbereichsleiter Florian Zangl, werde wohl nicht genehmigt werden, weil zu wenige Passanten an dieser Stelle die Straße überqueren würden. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Hans Bartholomä stieß sich an dem zwei Meter breiten Parkstreifen in der „Theodor Heuss“. Er regte an, ihn auf Kosten des Gehweges breiter anzulegen. Widerspruch gab’s vom SPD-Chef Hans-Michael Gritz. Er warnte davor, den Autoverkehr zu Lasten der Fußgänger und Radfahrer zu bevorzugen. Die Stadt habe es sich zum Ziel gemacht, alternative Verkehrsformen zu fördern, erinnerte er. Auch Baubürgermeister Daniel Güthler hält von den Überlegungen nichts. Den Randstein zu versetzen, das würde die Baumaßnahmen „deutlich, deutlich teurer machen“. Letztlich fanden die Vorschläge der Stadtverwaltung bei den Stadträten eine breite Zustimmung.