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Kornwestheim „Das Gebäude ist in die Jahre gekommen“

Susanne Mathes, vom 20.12.2017 00:00 Uhr
Ein Kind der siebziger Jahre: der Kreissparkassenbau in der Johannesstraße Foto: Tim Schneider
Ein Kind der siebziger Jahre: der Kreissparkassenbau in der Johannesstraße Foto: Tim Schneider

Kornwestheim - Schräg gegenüber wird derzeit das Johannesgemeindehaus weggeknabbert und danach die Kirche umgestaltet. Und in absehbarer Zeit steht der Johannesstraße eine zweite Großbaustelle ins Haus. Die Kreissparkasse Ludwigsburg plant, ihr 1973 eingeweihtes Gebäude Ecke Johannes- und Stuttgarter Straße abzureißen. Es geht aber nicht, wie es zu Beginn des Jahres bei der Filiale der KSK in der Rosensteinstraße der Fall war, um einen Rückzug, sondern um eine „Investition in die Zukunft, also eine positive Nachricht“, wie Martin Lober, Sprecher des Unternehmens, auf Anfrage sagt.

Konkretere Angaben zu dem Vorhaben macht die Kreissparkasse allerdings nicht, sondern versendet folgendes schriftliche Statement: „Unser heutiges Filial-Gebäude in der Johannesstraße ist in die Jahre gekommen. Um unseren Kunden eine bestmögliche Filialumgebung anbieten zu können, haben wir uns dazu entschlossen, umfangreiche bauliche Maßnahmen zu ergreifen. Konkret bedeutet dies, dass wir das jetzige Gebäude abreißen und in einen Neubau investieren werden. Entsprechende Planungen sind, in Absprache mit der Stadt Kornwestheim, in Vorbereitung.“ Zum Zeitplan und zu der Frage, was die Entscheidung für die Mieter bedeutet, gibt die Kreissparkasse keine Auskunft.

„Wie und ob es für uns in Kornwestheim weitergeht, dazu bin ich im Moment völlig überfragt“, sagt Christian Brose, Inhaber der gleichnamigen Papeteria. Zusammen mit der Bäckerei Siegel und ihrem kleinen Selbstbedienungs-Café bestückt der Laden für Schreibwaren, Presseerzeugnisse, Tabak, Lotto und Toto die Erdgeschoss-Flächen des Gebäudes an der Johannesstraße. Dritte im Bunde ist die Kreissparkasse selbst mit ihrer Filiale.

Von dem damaligen baden-württembergischen Pilotprojekt, Finanzdienstleistungen eingebettet in einer Art überdachtem Marktplatz mit lokalen Einzelhändlern anzubieten, hatte sich die Kreissparkasse vor einem Dutzend Jahren viel versprochen. „Gerade dieses Konzept der drei Partner unter einem Dach hat uns damals bewogen, nach Kornwestheim zu kommen“, erinnert sich Brose. Das sei damals eine besondere und neuartige Konzeption gewesen. „Ich hätte sie gerne weitergeführt.“

Für Brose steht 2018 eigentlich das Zehn-Jahr-Jubiläum in der Johannesstraße an. Gerüchte über Umbaupläne seien zwar immer wieder aufgeflammt, sagt er, dennoch habe ihn die Mitteilung, dass es nun ernst werden soll, kalt erwischt. Sein Mietvertrag ist nicht mehr verlängert worden, er läuft im Mai aus. Er habe jedoch signalisiert bekommen, sagt Brose, dass die Papeteria über dieses Datum hinaus bis zum Abriss weitermachen könne. „Für die Entscheidung selbst habe ich vollstes Verständnis“, betont der Schreibwarenhändler, „aber für mich als Unternehmer ist sie eine Katastrophe.“

In dem Haus beheimatet ist unter anderem auch die Arztpraxis Stöckmann – und zwar von Anbeginn an. „Mein Vater hat die Praxis damals im Kreissparkassen-Neubau eröffnet“, berichtet Dr. Rainer Stöckmann, der die Praxis mit seinem Bruder Dr. Axel Stöckmann mittlerweile führt. Zum jetzigen Zeitpunkt könne keine Aussage dazu treffen, wie die es räumlich weitergehen werde, sagt Stöckmann. Man trage sich mit unterschiedlichen Optionen. „Eines kann ich aber sagen: dass wir als Praxis Dr. Stöckmann auf jeden Fall in Kornwestheim bleiben werden.“

In der Stadtverwaltung betrachtet man das Neubauvorhaben grundsätzlich mit Wohlwollen. „Wir freuen uns, dass die Kreissparkasse am Standort investiert und ihre Zentrale in Kornwestheime erhalten will“, sagt Baubürgermeister Daniel Güthler. Das Vorhaben füge sich gut ins städtebauliche Umfeld an der Stuttgarter Straße ein, auch von einem moderneren und noch serviceorientierteren Kundenbereich könne nur jeder profitieren. Außerdem seien Wohnungen geplant, was der Stadt zupass komme. „Dabei wird auch das Projekt Preisgünstiges Wohnen zur Anwendung kommen“, merkt Güthler an.

Für das Neubauprojekt muss der geltende Bebauungsplan geändert werden. Laut Daniel Güthler soll sich das geplante Gebäude über den jetzigen Parkplatz in Richtung Rathaus erstrecken. Das erlaubt der aktuelle Bebauungsplan ebensowenig wie die Tatsache, dass der Bau etwas höher werden soll. Gleich im Frühjahr soll die Bebauungsplanänderung im Gemeinderat, der sich nichtöffentlich schon mit dem Vorhaben befasst hat, angestoßen werden. Dauern könne das, sagt Güthler, bis zu einem Jahr, so dass aus Sicht der Stadt von einem Baubeginn nicht vor 2019 ausgegangen werden könne. „Der Bezug wäre, wenn alles glatt läuft, Mitte 2020 denkbar“, schätzt der Baubürgermeister.