KornwestheimDas Haus ist in die Jahre gekommen

Birgit Kiefer, vom 19.05.2017 06:10 Uhr
Viele    Balkone des betreuten Wohnens sind zum Stadtgarten hin ausgerichtet. Die Bewohner müssen  aber für mindestens eineinhalb Jahre auf diese Aussicht verzichten. Andreas Haas hat gestern die Bewohner informiert. Foto: Birgit Kiefer
Viele Balkone des betreuten Wohnens sind zum Stadtgarten hin ausgerichtet. Die Bewohner müssen aber für mindestens eineinhalb Jahre auf diese Aussicht verzichten. Andreas Haas hat gestern die Bewohner informiert.Foto: Birgit Kiefer

Kornwestheim - Es bricht mir ja selbst das Herz“, sagt der Einrichtungsleiter des angrenzenden Seniorenzentrums am Stadtgarten, Andreas Haas. Die Wohnanlage entspräche allerdings nicht mehr modernen Standards an betreutes Wohnen. Was aber das Schlimmste für Haas ist: Während der Bauzeit – sie wird zwischen eineinhalb und zwei Jahren dauern – werden die Mieter ausziehen müssen. „Für die Leute ist das schockierend, sie sind hier extrem angebunden“, erläutert Haas. Darum werde versucht, die betroffenen Bewohner möglichst in der Nähe unterzubringen. Die Awo werde umfangreiche Unterstützung bei der Wohnraumsuche bieten, versichert Haas. Die Bewohner erhielten außerdem Angebote aus anderen Einrichtungen des Betreuten Wohnens der Arbeiterwohlfahrt. Sogar auf Oberbürgermeisterin Ursula Keck sei er zugegangen, um Hilfe zu suchen, der Ortsseniorenrat sei informiert. „Uns ist bewusst, wie belastend die Zeit bis zur und während der Sanierung für die Bewohner sein kann.“

Ob eine Kernsanierung oder ein Neubau erfolgt, sei noch nicht abschließend geklärt. Über dieser Frage brüten aktuell Fachleute. Haas weist aber darauf hin, dass Arbeiten im Bestand bedeute, dass die Möglichkeiten eher eingeschränkt sind. 46 Wohneinheiten gibt es, davon sind aktuell 40 belegt. Der Leerstand erklärt sich nicht etwa mit mangelndem Bedarf, sondern schlicht damit, dass die Awo vorausschauend frei gewordene Wohnungen schon nicht mehr belegt hat.

Die gesamte Anlage sieht zwar tatsächlich etwas aus der Mode gefallen, aber durchaus noch ganz ansehnlich aus. Dunke Holzdecken erinnern an den 1980er-Jahre-Chic, andererseits war das Gebäude in der Badstraße, in den 70er-Jahren geplant, zu seiner Zeit hochmodern. Jede Wohnung hat einen eigenen Balkon, die Bäder sind großzügig gestaltet, sodass auch mit einem Rollstuhl darin navigiert werden kann – aber rollstuhlgerecht sind die Wohnungen dennoch nicht. „Um zu den Balkonen zu gelangen, muss ein Rollstuhlfahrer zum Beispiel über einen Absatz fahren“, führt Andreas Haas aus. In den vergangenen Jahren hätte sich beim Thema Barrierefreiheit viel getan.

Im neuen Gebäude werden es eventuell sogar ein paar Wohnungen mehr sein. Aber es werde weiter dasselbe Konzept verfolgt. Mittels eines Betreuungsvertrags würden bestimmte Dienste wie Hausnotruf, ein kulturelles Angebot oder technische Hilfen, nicht aber pflegerische Aufgaben vereinbart. Andere Dienste wie Wohnungsreinigung oder Wäschewaschen können für einen Extraobolus nach Bedarf dazugebucht werden. Essen können die Bewohner im Seniorenzentrum nebenan ohnehin – der Mittagstisch steht für alle offen.

Auch die Technik in dem Haus sei in die Jahre gekommen und verschlissen, erzählt Haas bei einem kleinen Rundgang. Er öffnet eine Tür und zeigt auf das in dem Raum befindliche Etagenbad: „Das ist auch nicht mehr zeitgemäß. Nur noch ein Bewohner nutzt es.“ Auf den Balkonen hat es sich allerdings bei schönstem Sonnenschein der eine oder andere Bewohner bequem gemacht und genießt den freien Blick auf den Stadtgarten mit seinem vielen Grün. Idyllisch liegt das betreute Wohnen, aber zugleich auch sehr zentral. „Viele der Bewohner gehen auch noch selbst in die Stadt zum Einkaufen.“

Los gehen soll die Sanierung im Herbst 2018. Ein modernes, zeitgemäßes Bauwerk soll errichtet werden. Schon vor einem Monat wurden die Bewohner darüber informiert, dass saniert werden muss. Gestern gab es eine weitere Informationsrunde. Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, bekommen alle bisherigen Bewohner das Angebot, zurückzukehren, versichert Andreas Haas. Das sei eine Selbstverständlichkeit.