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Kornwestheim Das Vorzeigeprojekt braucht Zusatzplatz

Susanne Mathes, vom 11.10.2017 19:00 Uhr
Auf der blau umrandeten Fläche auf Ludwigsburger Gemarkung soll der Solarthermiepark entstehen, die rot umrandete Fläche der Stadt Kornwestheim und die rot gestrichelte Fläche in Privatbesitz wünschen sich die Stadtwerke Ludwigsburg/Kornwestheim dazu, um ihr Großprojekt adäquat umsetzen zu können. Foto: Birgit Kiefer
Auf der blau umrandeten Fläche auf Ludwigsburger Gemarkung soll der Solarthermiepark entstehen, die rot umrandete Fläche der Stadt Kornwestheim und die rot gestrichelte Fläche in Privatbesitz wünschen sich die Stadtwerke Ludwigsburg/Kornwestheim dazu, um ihr Großprojekt adäquat umsetzen zu können. Foto: Birgit Kiefer

Kornwestheim - Erst wenige Tage ist es her, dass Stadtwerke-Geschäftsführer Bodo Skaletz bei einer Tagung im K seinen Kollegen aus nah und fern vom Großprojekt am Römerhügel berichtete: Dort soll in den kommenden Jahren eine der größten Solarthermieanlagen Deutschlands entstehen; der Bund fördert das 13-Millionen-Euro-Vorhaben als Leuchtturm-Projekt mit 10,4 Millionen Euro. Was die Höhe der Fördersumme angeht, ist die Solarthermieanlage in der Rangliste der vom Bund geförderten Projekte der Spitzenreiter. Skaletz wird nicht müde zu betonen: „Wenn wir nicht jede Anlage bauen, die machbar ist, schaffen wir die Klimawende nicht.“

Für das Vorhaben wollen sich die Stadtwerke Ludwigsburg/Kornwestheim nun die Option auf eine Erweiterung auf Kornwestheimer Markung sichern. Der Grund: Weil auf einem Abschnitt des Areals ein Artenschutzgebiet geplant ist, steht den Stadtwerken voraussichtlich nicht die gesamte Fläche zur Verfügung, die sie für die aufeinander abgestimmten Komponenten der Anlage brauchen. Und da das Solarthermie-Gelände – eine Altlastenfläche, die für Wohnbebauung und landwirtschaftliche Nutzung nicht in Frage kommt – auch an anderer Stelle wegen der angrenzenden neuen Kleingartenanlage und des denkmalgeschützten Keltengrabes nicht erweitert werden kann, ergäben sich für den kommunalen Energie- und Wasserversorger nur im Süden Erweiterungspotenziale – auf Kornwestheimer Ackerboden. Den Gemeinderat bitten die Stadtwerke deshalb um Zustimmung für eine Erweiterung des Solarthermieparks südlich der Römerhügelstraße. Bei den beiden zusammen rund 4000 Quadratmeter großen Flurstücken handelt es sich um städtisches Eigentum; verpachtet sind die Flächen an einen Kornwestheimer Landwirt. Südlich daran angrenzend befindet sich eine weitere, 3500 Quadratmeter messende Fläche, die für die Stadtwerke von Interesse ist. Sie befindet sich in privatem Besitz.

Für die Stadtverwaltung steht fest, dass die Kollektoren bei Bedarf auf Kornwestheimer Grund Platz finden sollten. Sie empfiehlt den Stadträten die Zustimmung: Der Standort sei einer der wenigen auf der Gemarkung, die sich für Solarthermie eigneten. Einer europäischen Energie- und Klimaschutzkommune stehe es gut zu Gesicht, innovative Vorhaben zu ermöglichen. Außerdem passe es zu diesem Profil, wenn erneuerbare Energien markungsübergreifend bereitgestellt und genutzt würden. Und in Sachen Wind, Wasser oder Wald könne Kornwestheim bezüglich regenerativer Energie nun einmal wenig beitragen.

Die Solarthermieanlage soll den Ludwigsburger Fernwärmeverbund, der die Wärme für große Teile der Nachbarstadt mit überwiegend nachwachsenden Rohstoffen bereitstellt, mit den fossil versorgten Netzen Rotbäumlesfeld, Technische Dienste Ludwigsburg und Kornwestheim-Nord zusammenschließen. Die Solarthermieanlage soll in Verbindung mit einem großen Wärmespeicher regenerativ erzeugte Wärme in das erweiterte Verbundnetz einspeisen; rund fünf Kilometer Fernwärmeleitungen werden für den Anschluss der Solarthermie-Anlage und den Netzverbund neu verlegt.

„Die Kunden des Fernwärmenetzes Kornwestheim Nord“, argumentiert die Stadt in ihrer Vorlage, „werden momentan rein fossil versorgt. Künftig erhalten sie Wärme mit einem großen Anteil erneuerbarer Energien“. Würden sowohl die städtische als auch die private Kornwestheimer Fläche mit Sonnenkollektoren belegt, könne die solare Wärmeerzeugung bis zu 1500 Megawattstunden betragen. Derzeit werden in Kornwestheim-Nord 2100 Megawattstunden Fernwärme abgenommen. „Die für die Wärmeerzeugung bereitgestellte Fläche könnte somit bilanziell vollständig in Kornwestheim-Nord verwendet werden“, heißt es in der Vorlage.

Der Landwirtschaftliche Ortsverein hingegen spricht sich dagegen aus, dass die Stadt den Weg für eine Erweiterung frei macht. „Aufgrund der enormen Flächenknappheit in Kornwestheim und der Böden, die zu den fruchtbarsten im Deutschland gehören, sind wir gegen das Vorhaben“, erklären Rolf Bayha und Friedhelm Blank für die Kornwestheimer Landwirte. „Wir sind der Meinung, dass das Vorhaben, wenn überhaupt, auf der geplanten Fläche realisiert werden sollte.“ Solarthermie lasse sich unproblematisch sowohl auf Bestands- als auch auf Neubauten anbringen. „Dort kann Wärme auch direkt genutzt werden und muss keine weiten Wege zurücklegen. Flächenverbrauch ist für diese Art der Energiegewinnung unnötig“, ist der Standpunkt der Landwirte.

Der Stadt könnten die Solarmodule indes sogar Pluspunkte aufs Ökokonto spülen: Je nach Ansaat zwischen den Kollektoren erführe die Fläche eine Aufwertung im Vergleich zur landwirtschaftlichen Nutzung. Die Verwaltung führt auch ins Feld, dass die Flächensolarthermie einen 40-mal höheren Energieertrag hat als beispielsweise der Maisanbau für Biogasanlagen.