Kornwestheim Der Brexit soll die Freunde nicht trennen

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Der Brexit kommt: Wie er genau aussehen wird, müssen EU und das Vereinigte Königreich noch verhandeln. Foto: dpa

Kornwestheim - Wenn die Besucher aus Eastleigh an diesem Freitag in Kornwestheim während ihres mehrtägigen Gegenbesuchs empfangen werden, wird ein Thema sicherlich intensiv besprochen: der Brexit. Mehr als zweieinhalb Jahre nach dem Referendum, mit dem die Briten für den Austritt aus der EU gestimmt haben, liegt jetzt ein Vertragsentwurf zwischen London und der Europäischen Union vor. Wie genau der Brexit vonstatten gehen wird, steht zwar noch nicht fest. Es zeichnet sich jedoch ab, dass es auch für die Menschen in Kornwestheim und Eastleigh nicht ganz folgenlos bleiben wird.

Von den evangelischen Christen in Eastleigh, seit 50 Jahren in enger Freundschaft mit den Kornwestheimer Protestanten verbunden, war beim jüngsten Besuch im Oktober wenig Begeisterung für den Brexit zu spüren. Bei dem jüngsten Partnerschaftstreffen durften die Vertreter aus England vielleicht zum letzten Mal am Flughafen den Bereich für EU-Bürger passieren.

Die Menschen in Eastleigh votieren gegen den EU-Austritt

„Die Menschen in Eastleigh haben gegen den Brexit gestimmt. Sie sind sehr traurig, dass es so kommt“, sagt Pfarrer Horst Rüb. Das hatten die Engländer bei ihrem Besuch im Oktober in Kornwestheim mehrfach betont. „Das hat mich bewegt. Auch ich bin sehr traurig darüber. Es belastet mich“, gesteht er. Doch die regelmäßigen Treffen soll der Brexit nicht verhindern – im Gegenteil. „Er ist für uns ein Ansporn, die Partnerschaft weiterhin zu beleben. Die englischen Gäste haben uns versichert, wie wichtig ihnen die Treffen sind“, erklärt Rüb.

Auch aus den Verwaltungen in Kornwestheim und Eastleigh sind ähnliche Töne zu hören: Nein, den Brexit, den wolle man nicht. Aber die seit 40 Jahren existierende Städtefreundschaft, die will man deswegen natürlich nicht schleifen lassen. Die Kornwestheimer Oberbürgermeisterin Ursula Keck weist indes darauf hin, dass auch der Schüler- und Studentenaustausch wegen des EU-Austritts vermutlich deutlich erschwert werde. Bei ihrem Besuch in Eastleigh erst vor wenigen Tagen hat sie mit vielen Engländern über den Brexit gesprochen. „Sie alle haben ihr Bedauern zum Ausdruck gebracht – auch der Bürgermeister selbst“, sagt Keck. Zwar sieht die Oberbürgermeisterin keine tatsächlichen und unmittelbaren Auswirkungen auf die Städtepartnerschaft mit Eastleigh, obgleich das Reisen innerhalb der EU leichter sei.

Doch die psychologische Komponente spielt ebenfalls eine Rolle. So bestehe bei den Engländern die Sorge, dass wegen des Brexits zwischen den Partnern wieder Barrieren aufgebaut würden, die man in der Vergangenheit eingerissen habe. Auch macht sich die Oberbürgermeisterin natürlich Gedanken um heimische Unternehmen, die auch in Großbritannien aktiv sind, und die damit verbundenen Arbeitsplätze.

Unternehmen bereiten sich vor

Einige Firmen in Kornwestheim machen nämlich durchaus Geschäfte mit dem Vereinigten Königreich und verkaufen dort ihre Produkte. Die bekannten Lackierpistolen- und Druckluft-Filter-Experten von Sata gehören beispielsweise dazu. Und auch die Firma RTK Regeltechnik betreibt Handel auf der Insel und hat dort ebenfalls Partner und Repräsentanten.

„Wir bereiten uns auf einen harten Brexit vor“, sagt hierzu der RTK-Werksleiter Andreas Pinkepank. Vor allem befürchtet RTK demnach mehr Bürokratie und damit mehr Arbeitsaufwand – etwa in Sachen Zoll. „Wir müssen mehr dokumentieren“, das wird alles etwas schwieriger“, sagt Andreas Pinkepank. An Einbußen glaube er nicht, auch wenn natürlich der ein oder andere Auftrag künftig im Vereinigten Königreich bleiben und damit wegbrechen könne. Ob der harte Brexit vielleicht doch noch ausbleibt? „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Pinkepank. „Doch irgendwann stirbt sie“, ergänzt er.

Zurück zur Partnerschaft der Städte und Kirchengemeinden: Ein Kornwestheimer, der die Freundschaften schon seit vielen Jahren mit persönlichem Einsatz und seinen Fotokünsten begleitet, ist Wolfgang Kuttig. Er kennt die Menschen hier und in Eastleigh. Und er weiß: „Die Verbindung gab es schon, bevor Großbritannien der EU beigetreten ist.“ Sie gehe weiter, ist sich er sicher. „Der Brexit wird für unsere Treffen keinen Unterschied machen.“

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