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Kornwestheim Der Museumsbetrieb bleibt in Eigenregie

Susanne Mathes, vom 27.12.2017 00:00 Uhr
Wird nicht in private Hände abgegeben: das Museum im Kleihues-Bau Foto: Archiv/Horst Dömötör
Wird nicht in private Hände abgegeben: das Museum im Kleihues-Bau Foto: Archiv/Horst Dömötör

Kornwestheim - Mit dieser Gemeinderatsentscheidung, die in nicht öffentlicher Sitzung bei zwei Gegenstimmen getroffen wurde, ist die Überlegung vom Tisch, die Geschicke des Museums in die Hände von privaten Galeristen zu legen. Diese Gedanken waren aufgekommen, nachdem die Räte im Juni beschlossen hatten, dass aus dem Gebäude keine Mensa werden soll. Zur Debatte hatte aber auch gestanden, den Museumsbetrieb komplett einzustellen, hatte die Strategische Steuerung dem Fachbereich 3, zu dem das Museum gehört, doch auferlegt, 1,1 Millionen Euro einzusparen. „Die Fixkosten für das Gebäude“, sagt Fachbereichsleiterin Claudia Münkel, „hätten wir aber trotzdem gehabt.“

Also hatte die Stadt den Museumsbetrieb unter sieben privaten Galerien ausgeschrieben. „Wir hatten angefragt, unter welchen Voraussetzungen sie sich einen Betrieb unter der Schirmherrschaft der Stadt vorstellen können“, sagt Oberbürgermeisterin Ursula Keck. Zwei Interessenten hatten ein Angebot abgegeben – die eine Galerie hatte darin nur das Obergeschoss berücksichtigt, die andere hatte ein Konzept für beide Stockwerke vorgelegt. Letztendlich entschloss sich der Gemeinderat aber, das Heft in der eigenen Hand zu behalten. Das, so berichten Claudia Münkel und die Oberbürgermeisterin auf Anfrage, sei auch besser vereinbar mit den Aufgaben, die die Stadt im Zusammenhang mit dem Museum habe: sammeln, bewahren, forschen und vermitteln. Außerdem gilt es die Manfred-Henninger-Sammlung sowie die Kunstwerke zu betreuen, die im Besitz der Stadt sind. „All diese Zwecke“, kommentiert Ursula Keck, „können wir mit eigenem Personal besser verfolgen.“

Weil Museumsleiterin Dr. Irmgard Sedler jetzt in den Ruhestand geht – schon die Ausstellung zur NS-Zeit, die am 16. Februar eröffnet wird, wird sie nur noch im Rahmen eines Honorarvertrages vorbereiten – , hat die Stadt eine Stelle für eine Museumsfachkraft ausgeschrieben, die für den Kleihues-Bau und das Schulmuseum verantwortlich sein soll. Es ist aber nur noch eine Teilzeitstelle – sie hat einen Umfang von 70 Prozent. Die Assistenz wird statt wie bisher mit einer 90-Prozent-Stelle künftig mit einer 50-Prozent-Stelle besetzt.

Trotz dieser Reduzierung hält Ursula Keck das Pensum der neuen Museumsleitung für bewältigbar: „Weil in Zukunft die Anzahl der Ausstellungen geringer sein wird und weil Aufgaben der Assistenz zentralisiert sind.“ Sie spricht von drei bis vier Kunstausstellungen pro Jahr im Erdgeschoss und jeweils einer Ausstellung im Obergeschoss, die das Themenfeld Stadtgeschichte, Zeitgeschichte und regionale Künstler umfassen soll.

In diesem Zusammenhang nennt die Verwaltungschefin auch die Sammlung des Vereins für Geschichte und Heimatpflege. Die muss bekanntlich aus der Mühlhäuser Straße 14 ausziehen, weil das Gebäude abgerissen und das Areal von einer Immobilienfirma entwickelt wird. „Die Frage nach einem Stadtmuseum beziehungsweise einer Örtlichkeit, wo die Sachen gezeigt werden können, stellt sich ja schon lange“, sagt Keck. Im Gemeinderat habe man sich nun darauf verständigt, die Exponate aus der Mühlhäuser Straße in der leer stehenden ehemaligen Stadtbücherei in der Kantstraße 10 unterzubringen. Diese hatte zuletzt die Kunstschule Labyrinth genutzt, die aber auszog, nachdem sich die Stadt aus der Kooperation mit Ludwigsburg und Bietigheim zurückgezogen hatte.

Nicht zuletzt aus der Sammlung des Geschichtsvereins – neben Exponaten, die im Besitz der Stadt sind – sollen künftig stadtgeschichtliche Ausstellungen im Obergeschoss des Kleihues-Baus bestückt werden. Die neue Museumsleitung soll dafür mit dem Verein kooperieren – die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen gehöre zum Stellenprofil für Irmgard Sedlers Nachfolge – , aber auch die Sichtung sowie die fachgerechte Konservierung der Geschichtsvereins-Sammlung.

Auch sonst wird von der neuen verantwortlichen Person im Museum viel erwartet, wie die Stellenausschreibung zeigt. Verlangt wird die „Neuaufstellung und Neuausrichtung der städtischen Museen unter Berücksichtigung moderner Museumsarbeit“, die „Konzeption und Realisierung von Kunstausstellungen und Wechselausstellungen zu historischen und aktuellen Themen“ sowie im Schulmuseum Nordwürttemberg, die „Weiterentwicklung der Dauerausstellung“. Der oder die „Neue“ soll aber auch „durch Veranstaltungen, Formate und ansprechenden Vermittlungsformen Akzente in der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit setzen“, die Sammlung weiter aufbauen, ein museumspädagogisches Programm entwickeln, neue Besuchergruppen gewinnen. Auch ist in Überlegung, das Museum nicht mehr freitags bis sonntags, sondern nur noch samstags und sonntags, dafür aber „bei Bedarf“, wie es Ursula Keck sagt, zu öffnen. Die Ausarbeitung der Konzeption liege aber in der Hand der neuen Museumsleitung.

Ende vergangener Woche ist die Bewerbungsfrist abgelaufen. Rund 30 Interessenten haben ihren Hut offenbar in den Ring geworfen.