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Kornwestheim Der Tafelladen und das Kleiderstüble sollen umziehen

Werner Waldner, vom 05.12.2017 00:00 Uhr
Soll saniert werden: das Schwesternhaus an der Johannesstraße Foto: Tim Schneider
Soll saniert werden: das Schwesternhaus an der Johannesstraße Foto: Tim Schneider

Kornwestheim - Geld investieren, ums hinterher schön und gemütlich zu haben? Nein, das ist dem katholischen Pfarrer Franz Nagler zu wenig. „Das darf nicht nur ein Bau sein“, sagte er bei der Gemeindeversammlung, in der die Pläne für den Umbau des Schwesternhauses an der Johannesstraße vorgestellt worden sind. Das Schwesternhaus müsse den vier Grundfunktionen einer Kirchengemeinde dienen: Glauben verkünden, Glauben feiern, Dienst am Nächsten und Gemeinschaft leben.

Und so soll das Haus mit rund 3000 Kubikmetern umbautem Raum verschiedene Zwecke erfüllen. Herzstück ist ein Café im Erdgeschoss, das zur Kirche hin auch über eine Terrasse verfügen soll. Kleinere Veranstaltungen sollen dort stattfinden, außerdem soll es nach den Gottesdiensten geöffnet sein, um noch länger verweilen und über die Themen des Gottesdienstes sprechen zu können. Der Eingang ins Café befindet sich auf der Rückseite des Gebäudes. Ins Untergeschoss, so die ersten Pläne, ziehen Tafelladen und Kleiderstüble, die jetzt noch im „roten Haus“ zwischen Kirche und Karl-Joos-Straße ihr Domizil haben. Der Tafelladen, so Franz Scheuermann, stellvertretender Vorsitzender des Kirchengemeinderats, wird sich vergrößern, das Kleiderstüble kleiner ausfallen, dafür aber funktionaler sein und über eine Umkleide verfügen. An der Art und Weise des Verkaufs im Tafelladen wollen die Verantwortlichen nichts ändern, streben deshalb auch keine Selbstbedienung an. Erreicht werden die Läden für Bedürftige über einen Seiteneingang vom Kirchplatz aus.

Im ersten Obergeschoss bleibt alles beim alten. Die vorhandene Wohnung solle weiterhin genutzt werden, der Gruppenraum ebenfalls, erläuterte der Kornwestheimer Architekt Tomas Urban seine Pläne. Im zweiten Obergeschoss werden , teils unter Hinzuziehen des Dachgeschosses, drei kleinere Wohnungen eingerichtet für Menschen, die auf dem freien Markt kaum eine Chance haben, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Die Jugendlichen, die jetzt noch Räumlichkeiten im Schwesternhaus nutzen, bekommen Platz im Martinisaal an der Adolfstraße.

Die Besucher der Gemeindeversammlung zeigten sich angetan von den Plänen und hatten lediglich Nachfragen zu einigen Details: Wie kommen die Mieter der Wohnungen in ihre Keller? Wo können Kinderwagen und Rollatoren abgestellt werden? Sie regten an, Trennwände im Café und im Gruppenraum einzuziehen. Detailfragen sollen in den kommenden Monaten in den Gremien der Kirchengemeinde besprochen werden, bevor die Sanierung angegangen wird. Im Fokus, so Scheuermann und Nagler, werde auf jeden Fall die energetische Sanierung und die Erfüllung von Brandschutzbestimmungen liegen. Die Gemeinde rechnet mit Kosten von rund 1,3 Millionen Euro, die zum überwiegenden Teil aus Rücklagen getragen werden sollen.

Das Haus an der Johannesstraße stammt aus dem Jahr 1928. Franziskaner-Schwestern , die in der Gemeinde als Krankenschwestern und Erzieherinnen arbeiteten, lebten über viele Jahre in dem Haus. Ein Kindergarten befand sich dort, ebenso die die katholische Bücherei. Die Kirchenpflege nutzte Räume, diverse Gruppen trafen sich in dem Gebäude, eine Band probte dort. Derzeit leben im Obergeschoss Flüchtlinge. Für sie will die Gemeinde für die Zeit des Umbaus, der voraussichtlich Ende des kommenden Jahres beginnen wird, nach Unterkünften suchen.