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Kornwestheim Der weiße Fleck auf der Feinstaub-Karte

Michael Bosch, vom 02.12.2017 00:00 Uhr
Feinstaubmessung mit einer professionellen Anlage   am Neckartor in Stuttgart (Foto links) Foto: dpa/z CC BY-NC: Büro  für Gestalten/Screenshot Stuttgarter Nachrichten.de
Feinstaubmessung mit einer professionellen Anlage am Neckartor in Stuttgart (Foto links) Foto: dpa/z CC BY-NC: Büro für Gestalten/Screenshot Stuttgarter Nachrichten.de

Kornwestheim - Es ist ein Thema, das längst auch die Europäische Union (EU) beschäftigt – und im Raum Stuttgart, aber vor allem der Landeshauptstadt selbst, ein riesiges Problem darstellt: Feinstaub. Seit Mitte Oktober ist wieder Feinstaubperiode. Gemessen wird die Konzentration der winzigen Schwebeteilchen in der Luft schon seit Jahren. In ganz Baden-Württemberg stehen Messstationen der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) – allerdings vor allem an den Orten, wo sich besonders viel Feinstaub in der Luft befindet, was vor allem an Hauptstraßen der Fall ist. In Stuttgart gibt’s eine besonders dreckige: Das Neckartor ist schon seit einiger Zeit als „Deutschlands dreckigste Kreuzung“ bekannt. Dort werden die EU-Grenzwerte, die auch für die LUBW der Maßstab sind, regelmäßig um ein vielfaches überschritten. Dabei wird erhoben, an wie vielen Tagen sich an einer Messstelle im Schnitt 50 Mikrogramm Feinstaub je Kubikmeter in der Luft befinden – und ob über ein Jahr gerechnet mehr als 40 Mikrogramm in der Luft sind. Deutschlandweit am zweitöftesten – nach dem Neckartor (43 Mal) – wurde der Grenzwert 2017 in Markgröningen in der Grabenstraße (30) überschritten, der Messpunkt in der Friedrichstraße in Ludwigsburg (24) liegt auf Rang 14, zeigen Daten des Umweltbundesamts. Die Weltgesundheitsorganisation hält im Übrigen schon einen viel geringeren Wert von 20 Mikrogramm Feinstaub langfristig für gesundheitsschädlich.

Während sich die politische Diskussion auch wegen der Dieselaffäre den Stickoxidwerten zugewendet hat, bleibt die Gefahr für Bürger durch Feinstaub bestehen, der tief in die Atemwege und über die Lungenblässchen auch in die Blutbahn gelangen und so das Herzkreislaufsystem schädigen kann. Deshalb ist es interessant zu wissen: Wie belastet ist die Luft eigentlich vor meiner Haustüre?

Um diese Frage zu beantworten, haben die Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten das Feinstaubradar entwickelt, mit dem man im Internet nachverfolgen kann, wie viel Feinstaub es momentan – aber auch am vorangegangenen Tag – in den einzelnen Stadtbezirken von Stuttgart, aber auch in Ludwigsburg, Stammheim, Zuffenhausen, Remseck oder Möglingen gibt. Die Stadt Kornwestheim gehört zu den wenigen weißen Flecken auf der Karte, die ein Gebiet von Hechingen bis Neckarsulm umfasst. Aber das lässt sich ändern.

Das Radar wird gespeist mit Werten von Messstationen, die Privatleute aufgehängt haben. Die Gruppe OK Lab Stuttgart hat einen günstigen Feinstaubsensor entwickelt, der rund 300 Mal nachgebaut wurde. Für den Feinstaubsensor Marke Eigenbau, braucht es gerade einmal neun Komponenten. Kostenpunkt: circa 30 Euro. Auf der Internetseite der Gruppe wird Schritt für Schritt erklärt, wie die Software aufgespielt, die Elektronik zusammengebaut und die Messstation kalibriert wird. Das Redaktionsteam fasst für jeden Stuttgarter Stadtbezirk und jede Gemeinde die Messwerte der dort aufgehängten Sensoren zusammen und errechnet Stunden-, Tages- und Wochenmittel und visualisiert diese auf der Karte im Netz. Da sie zusammengefasste Werte darstellen und extreme Ausreißer ausgeschlossen werden, gibt die Karte die Belastung zwar nur näherungsweise wieder, die selbst gebauten Sensoren müssten den Vergleich mit den viel teureren Anlagen der LUBW aber nicht scheuen, hat eine Studie der Landesanstalt ergeben. Zudem wird darauf hingewiesen, dass die Belastung innerhalb der Gebiete variieren könne. Sie sei etwa an einer Hauptstraße höher als in Wohngebieten. Deshalb gilt: Je mehr Sensoren, desto besser. In Kornwestheim gibt’s bislang eben noch gar keine.