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Kornwestheim Die 44-1315 weist den Weg zu den Minis

Michael Bosch, vom 02.01.2018 11:19 Uhr
Dr. Uwe Luckscheiter vom Förderverein Lehrstellwerk, Bürgermeister Dietmar Allgaier und Frank Hönes vom Liegenschaftsamt schauten sich die Lokomotive in Heilbronn an. Foto: Archiv/z
Dr. Uwe Luckscheiter vom Förderverein Lehrstellwerk, Bürgermeister Dietmar Allgaier und Frank Hönes vom Liegenschaftsamt schauten sich die Lokomotive in Heilbronn an. Foto: Archiv/z

Kornwestheim - Die städtische Dampflokomotive 44-1315, im Jahr 1942 in Essen gebaut, verlässt ihr Domizil im Süddeutschen Eisenbahnmuseum in Heilbronn. Neuer Standort: Göppingen, die Stadt, die eher mit winzig kleinen Lokomotiven in Verbindung gebracht wird. Vor dem neuen Museum des Modellbau-Unternehmens Märklin, dem „Märklineum“, soll die „44er“ den Modellbaufans vor Augen führen, wie groß die Originale sind. „Aus Sicht von Märklin ist die Lok nahezu perfekt“, sagt Kornwestheims Erster Bürgermeister Dietmar Allgaier. In einem Unterstand, der der typischen Märklin-Verpackung nachempfunden sein wird, soll die Dampflok prominent im Eingangsbereich, der voraussichtlich 2019 eröffnet wird, präsentiert werden. Zudem wird die 44er mit einem Hinweisschild versehen, dass es sich bei ihr um Eigentum der Stadt Kornwestheim handelt. „Wir sind davon überzeugt, dass eine Lokomotive wie die BR 44-1315 einen zusätzlichen Besuchermagneten für unser Museum und gleichzeitig auch eine schöne Werbung für die Stadt Kornwestheim darstellen würde“, heißt es in einem Schreiben von Florian Sieber, Geschäftsführender Gesellschafter von Märklin, an die Stadt Kornwestheim.

Märklin zahlt den Transport

Es habe auch noch andere Interessenten gegeben, betont Bürgermeister Allgaier. In Heilbronn bemühte sich das Süddeutsche Eisenbahnmuseum, auch weiterhin Verantwortung für die alte Lok tragen zu dürfen. Das Museum war in den vergangenen Jahren dazu verpflichtet, die Lok zu erhalten, zu pflegen und notwendige Reparaturen fachgerecht durchzuführen. Diese Arbeiten konnten die Vereinsmitglieder, die das Museum ehrenamtlich betreiben, aber nicht mehr gewährleisten. Aufgrund von Personalmangel sei es nicht möglich gewesen, die vorhandenen Kräfte für eine Lok aufzuwenden, die eigentlich im städtischen Besitz sei und jederzeit zurückgeholt werden könne, heißt es von Seiten des Heilbronner Vereins.

Für den Dauerleihvertrag mit Märklin – die Göppinger hatten auch an einem Kauf Interesse bekundet – sprach auch, dass das Modellbauunternehmen den Transport der Lokomotive von Heilbronn an ihren neuen Bestimmungsort finanzieren wird. Auch für die Instandhaltung der Lok ist Märklin dann verantwortlich.

Über die zweite Kornwestheimer Lok, die T3, kann sich auch weiterhin der Förderverein zur Erhaltung von Lokomotiven der Maschinenfabrik Esslingen freuen. Die Stadt schenkt dem Verein die Lokomotive, nachdem der sich schon in den vergangenen Jahren um sie gekümmert hatte. Die Lokomotive aus dem Jahr 1923 war ehemals Werkslok, kam anschließend ins Eisenbahnbetriebswerk nach Kornwestheim und wurde von der Stadt, nachdem sie ausgedient hatte, gekauft und auf dem Spielplatz an der Hornbergstraße aufgestellt, wo sie viele Jahre ungeschützt unter freiem Himmel stand. Der Förderverein Königlich Württembergische Staatseisenbahn hatte „Mitleid“ mit der Lok, holte sie von ihrem Sockel und brachte sie zurück ins Betriebswerk Kornwestheim, bevor sie im Jahr 2002 nach Obertürkheim geschleppt wurde.

Der Neubau war teuer

Dort versuchte der Verein aus Esslingen, mit Hilfe von Sponsorengeldern die alte Dampflok möglichst originalgetreu zu restaurieren. Ziel war es eigentlich, die T3 soweit herzurichten, dass sie wieder fahrtüchtig ist. Das war aber nicht mehr möglich, berichtet der Verein. So habe die Lok während ihrer Zeit als Werkslok wohl einen Unfall gehabt, der nicht ordentlich repariert worden sei, zudem sei sie durch die lange Phase im Freien in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Verein hat in den vergangenen Jahren unter anderem Teile des Kessels sowie den gesamten Rahmen neu anfertigen lassen. Kostenpunkt: rund 150 000 Euro.

Als nächstes steht eigentlich die Neukonstruktion der Bremsanlage an. Aber der Verein hat ein ähnliches Problem wie das Museum in Heilbronn. Ihm stellt sich die Frage: Lohnt sich das überhaupt, wenn die Stadt Kornwestheim seinen Besitz jederzeit zurückfordern kann? Zudem sei von der Original-Lok nur noch wenige Einzelteile wie Zylinder, Räder und Teile vom Kessel übrig. Mit der Schenkung hat die Stadt nun den Weg für neue Sponsoren und die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen frei gemacht.

Die Lokomotiv-Freunde aus Esslingen hat’s gefreut. Und sollte die T3 irgendwann wieder komplett in neuem Glanz erstrahlen und ausgestellt werden – zumindest der Name der Stadt würde in diesem Zusammenhang auftauchen. Das haben die Esslinger zugesichert.