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KornwestheimDie Kornwestheimer machen sich mit dem K vertraut

unserer Redaktion, vom 29.09.2013 00:00 Uhr
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Die BMX-Fahrer machten große Sprünge – über Ursula Keck und Thomas Zelenka hinweg. Foto: 7aktuell.de/Becker
Die BMX-Fahrer machten große Sprünge – über Ursula Keck und Thomas Zelenka hinweg.Foto: 7aktuell.de/Becker

Kornwestheim - Die Langsamkeit“ heißt ein Buch von Milan Kundera. Es steht in der Bücherei, wenn es nicht gerade ausgeliehen ist, in den Regalen Richtung Marktplatz. Die Kornwestheimer entdeckten die Langsamkeit an diesem Wochenende auch – beim Flanieren durchs K, beim Schlendern entlang der Büchereiregale, beim vorsichtigen Öffnen der vielen Türen, um zu schauen, was sich dahinter verbirgt. Wem das Programm gefiel, der ließ sich im Theater- oder Festsaal, oben im Seminarraum oder bei der Lesung in der Stadtbücherei nieder und verweilte ein wenig, den Klängen und Worten folgend. Hier ein Schwätzchen mit alten Bekannten, da ein Päuschen – in aller Ruhe machten sich die Besucher zwei Tage lang mit dem K vertraut.

Groß ist es. Das riesige Foyer, das Theater- mit Festsaal verbindet, war nur selten leer – und doch nie richtig voll. Der voll bestuhlte Festsaal wirkte riesig, der Theatersaal dagegen fast schon gemütlich. Gemächlich ging’s in der Bücherei zu. Familien nahmen sich Spiele aus den Regalen, setzten sich an die Tische und spielten eine Runde. Mütter kuschelten sich mit ihren Kindern auf die Sitzsäcke und lasen Bücher vor. Staunend erklommen die Besucher die rote Wendeltreppe und hinterließen auf dem Geländer schon die ersten Fingerabdrücke. Verborgen blieb den Gästen nicht, dass die Handwerker gut und gerne noch ein paar Wochen Zeit benötigt hätten. Noch sind in der Bücherei nicht alle Wände gestrichen, die Dachterrasse darf noch nicht betreten werden. Die in die Wendeltreppe eingelassenen indirekten Lämpchen fielen schon mal aus ihren Fassungen und wurden von aufmerksamen Besuchern im Vorbeigehen wieder hineingeschoben. Im Foyer vom Theatersaal tropft es von oben, und zur gründlichen Reinigung fehlte letztlich auch noch die Zeit. Und was sich hinter den Türen verbirgt, die nicht zu öffnen waren, das wollen wir gar nicht wissen. Es war nicht zu übersehen: Das K ist eigentlich noch eine Baustelle.

Fürs Kulturprogramm sorgten an beiden Tagen die Kornwestheimer selbst. Welche Tür man auch immer öffnete – häufig verbarg sich dahinter ein kleines musikalisches Stelldichein. Die Städtische Musikschule war mit einer Reihe von Ensembles vertreten. Gäste aus Kimry traten in traditionellen Kostümen im Theatersaal vor leider kaum gefüllten Rängen auf, die Sängerlust testete fürs nächste Konzert schon mal den Festsaal. Richtig voll wurde es bei den Auftritten der Kindersportschule. Beim witzigen Luftgitarrentanz schwenkten die Jungen und Mädchen ihre meist selbst gebastelten Pappgitarren – und wurden dabei von mehr Zuschauern mit dem Handy gefilmt als Xavier Naidoo am Freitagabend. Das Flötenensemble Suabile spielte unterdessen im Foyer vor einer Handvoll Zuhörern. Moderator Ingo Nommsen, der am Freitag und Samstag durchs Programm führte, war erstaunt ob der kulturellen Vielfalt. „Hier ist ja jeder Verein dabei“, sagte er anerkennend.

Auf ausharrende und aufmerksame Zuhörer durften die Kulturtreibenden allerdings nicht hoffen. Dafür gab es an diesen Tagen zu viel zu erleben. Die Köpfe gingen nach oben, um die edle Kassettendecke im Festsaal zu bewundern, und im Theatersaal schauten die Besucher staunend auf das bunte Lichterspiel an der Bühne. Die Musik wurde eher zur angenehmen Neben­sache. In der Bücherei gingen die Blicke immer wieder nach oben. „Die Entdeckung des Himmels“ von Harry Mulisch steht nur ein paar Meter entfernt von der Stelle, von der man durchs Sheddach in den am Wochenende erfreulich blauen Himmel schauen konnte. Schwer hatten es die Mitglieder des Fördervereins Lehrstellwerk und die Filmamateure. In den Veranstaltungsraum im zweiten Stock verirrten sich zwar immer wieder die Besucher, Platz, um sich etwa den Vortrag über die Eisenbahngeschichte anzuhören, nahmen aber die wenigsten.

Sie zog es weiter, denn auch vorm K gab’s viel zu erleben. Die Vereine präsentierten sich mit einer Reihe von Aktionen auf dem Marktplatz und am Ufer des Stadtparksees – dort allerdings mit einem durchaus kritischen Unterton. So ganz mochten es die ins Abseits gestellten Vereinsvertreter nicht einsehen, dass sie ihre Zelte nicht auf dem Marktplatz aufbauen durften. Platz wäre dort nämlich reichlich gewesen. Die Vereine kümmerten sich auch um die Verpflegung der Gäste. Eine rote Wurst mit ins rote K zu nehmen, das allerdings war verboten. Die Stadt hatte einen überall präsenten Sicherheitsdienst engagiert, der nicht nur Pommes frites und Kuchen vom großen Büfett der Landfrauen aus dem Gebäude hielt, sondern auch ein Auge darauf hatte, dass die Besucher nicht den Bürotrakt im zweiten Geschoss betraten.

Mit dem Konzert von Abby und den Orsons endete am Sonntagabend das Eröffnungswochenende. „Ab jetzt ist Ruhe“ von Marion Brasch steht auch in den Regalen der Stadtbibliothek. Aber das trifft es wohl nicht so ganz. Am Dienstag öffnet die Bücherei. Und in der kommenden Woche gibt es schon die erste Theateraufführung. Von der Rückkehr der Handwerker ganz zu schweigen . . .