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Kornwestheim Die Natur hofft auf noch mehr Kinder

Eva Tilgner, vom 09.05.2018 11:00 Uhr
  Foto: Eva Tilgner
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Kornwestheim - Heute gibt es Suppe. Das Rezept besteht aus getrockneten Schneckenhäuschen, Blättern, Stöckchen und Steinen. Voller Begeisterung rühren Lenni und Elisa in der braunen Matschepampe herum. Da fehlt noch was? Elisa würzt eine Prise Sand nach, Lenni holt die Gießkanne mit Wasser. Ins Spiel vertieft sind die beiden dreijährigen Köche, sie scheinen im Einklang mit der Natur zu sein. Gerade fehlt es ihnen an nichts.

Seit dem 2. Mai werden sie im Naturkindergarten auf dem Gelände der Jugendfarm Kornwestheim von zwei Erzieherinnen betreut. Und dem Kindergarten, dem mangelt es im Gegensatz zu ihnen an einigem. Zunächst lag die betriebliche Genehmigung zum geplanten Start am 1. März nicht vor.

Die Eltern sprangen ab, ohne Bescheid zu geben

„Der Behörde fehlte die schriftliche Vereinbarung, dass sich die Kinder in der Kunstwerkstatthütte der Jugendfarm temporär an sehr nassen und kalten Tagen aufhalten aufhalten dürfen“, erklärt Pascal Fuchs, der erste Vorstand des Trägervereins, die Verzögerung. Der Bauwagen, den Fuchs zunächst als Stützpunkt für die Kindergruppe organisiert hatte, stellte sich zuvor als marode heraus und kann momentan nur als Lager genutzt werden. Als die Eröffnung sich verzögerte, sprangen die Eltern ab. Ohne die Erzieher darüber zu informieren oder den Platz für andere Kinder freizugeben. Von einem Fehlstart will Pascal Fuchs trotzdem nicht sprechen: „Es war klar, dass wir nicht überrannt werden“, sagt er. Mit einer Überbrückungszeit, bis der Naturkindergarten bekannter bei den Kornwestheimer Eltern sei, habe die private Initiative von Anfang an gerechnet.

Die Stadt Kornwestheim befürwortet die Vielfalt an Einrichtungen

Rückendeckung gibt es für den Förderverein direkt aus dem Rathaus – nicht nur mit der Standardbezuschussung der für freie Träger üblichen 71 Prozent der Betriebskosten pro Kindergartenplatz. Die neuen Einrichtungen müssten zu Beginn erst einmal Voraussetzungen schaffen – das erfordere seine Zeit, berichtet die Kornwestheimer Oberbürgermeisterin Ursula Keck aus ihrer Erfahrung: „Nach und nach kommt dann ein Kind nach dem anderen dazu.“ So einen „weichen Einstieg“ hätte es beispielsweise auch bei dem Naturkindergarten Watomi in Remseck gegeben.

Die Vielfalt an Trägern und Betreuungsangeboten ist aus der Sicht von Keck für Kornwestheim ein Gewinn: „Und der Naturkindergarten ist eine tolle Chance für Eltern“, sagt sie. Gerade auch, weil die Jugendfarm als Gelände wunderbare Möglichkeiten biete. Auf jeden Fall scheint es der richtige Ort zu sein, um Energie abzulassen: „Hier stört es niemand, wenn die Kinder laut sind“, ist Anna-Lena Stettner froh. Die Erzieherin sitzt mit ihrer Kollegin Sina Kretzschmar am Naturherd von Lenni. Genau beobachten sie, wie Elisa die Suppe von Lenni mit Sand „versalzt“.

Die Kinder lernen den Respekt vor der Natur

Dass ihre Arbeit für den Naturkindergarten zwei Monate später als geplant anfing, nehmen die beiden gelassen: „Den ersten Monat nutzten wir für die Konzeption des Naturkindergartens“, erzählt Kretzschmar. Im April sprangen sie vertretungsweise in städtischen Kindergärten ein. „Der spätere Start hat den Vorteil, dass wir jetzt das schönere Wetter genießen“, freuen sie sich. Nicht ganz so gelassen ist die Stimmung bei Pascal Fuchs. „Kindergärten sind mit ihrem Betreuungsschlüssel sehr personalintensiv“, stellt Fuchs fest. Von den Einnahmen – monatlich 200 Euro Kindergartengebühren pro Kind und der Zuschuss der Stadt – abgesehen, finanziere er den Rest aus eigener Tasche.

Wie lange er die Unterstützung noch bieten kann, weiß er nicht. Dass er die Werbetrommel schlagen wird, dagegen schon. Unterstützt wird Fuchs von Lennis und Elisas Eltern. Sanna Walker, die Mutter von Lenni, hofft, dass mehr Eltern sich trauen, ihre Kinder dort anzumelden: „Die Kleinen lernen den Respekt vor der Natur. Und Spaß haben sie auf jeden Fall – ob im Regen oder bei Sonne.“