Kornwestheim Die S-Bahn treibt die Preise in die Höhe

Werner Waldner, vom 10.08.2017 00:00 Uhr
Das Kirchle ist besonders teuer: Dort sind bis zu 750 Euro pro Quadratmeter zu bezahlen. Foto: Stadt Kornwestheim/Florian Drautz
Das Kirchle ist besonders teuer: Dort sind bis zu 750 Euro pro Quadratmeter zu bezahlen. Foto: Stadt Kornwestheim/Florian Drautz

Kornwestheim - Die Geräusche, die die S-Bahnen beim Durchqueren der Kornwestheimer Gemarkung verursachen, das Quietschen der Bremsen und das Zischen beim Öffnen der Türen – für Grundstücks- und Wohnungseigentümer sollte es wie Musik in den Ohren klingen. Oder besser gesagt: wie das Klingeln der Kasse. Für die Grundstückspreise in Metropolregionen, sagt Prof. Rolf Kicherer, spielt der Anschluss an S- oder Stadtbahn eine ganz entscheidende Rolle. Je besser eine Kommune an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden sei, umso höher die Grundstückspreise. Der Kornwestheimer Architekt ist Vorsitzender des Gutachterausschusses, der in den vergangenen Monaten die neuen Bodenrichtwerte festgelegt und nun vorlegt hat.

Wie in der Region Stuttgart nicht anders zu erwarten: Die Preise haben zugelegt, in Kornwestheim im Durchschnitt um elf Prozent. Mussten vor zwei Jahren noch zwischen 490 und 660 Euro für den Grund und Boden in Kornwestheim bezahlt werden, sind es nunmehr zwischen 520 und 750 Euro. Ein besonders teures Pflaster ist – wie schon in der Vergangenheit – das Kirchle im Norden der Stadt. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren gab’s den Quadratmeter dort noch für 660 Euro, vor zehn Jahren für 620 Euro. Am günstigsten ist der Boden im Alten Dorf, mit 520 Euro pro Quadratmeter aber auch nicht gerade ein Schnäppchen. Die eher niedrigen Preise führt Kicherer auf den ungünstigen Zuschnitt vieler Grundstücke in diesem Bereich zurück. In Pattonville war die Preissteigerung besonders extrem. Wurde der Quadratmeter vor zwei Jahren noch mit 490 Euro bewertet, so sind es nunmehr 600 Euro.

Dass die Preise in und rund um Stuttgart weit über denen in anderen Regionen in Deutschland liegen, führt Kicherer auf die gute Wirtschaftslage und die zunehmende Zahl an Haushalten zurück. In den vergangenen Jahren sei auch zu beobachten, dass die Menschen wieder in die Städte drängen und nicht mehr auf dem Land leben wollten. Stuttgart und damit auch die Nachbarkommunen, erläutert der Vorsitzende des Gutachterausschusses, würden als „Schwarmstadt“ gelten. Wie ein Schwarm Vögel fallen die Zuzügler über die begehrten Städte her und treiben damit die Preise für Häuser und Wohnungen in die Höhe. Schön für die Eigentümer, schlecht für Käufer und Mieter. Wer nur wenig Geld fürs Wohnen ausgeben könne oder wolle, der müsse in die weiter entfernten Gemeinden ziehen, die nicht mehr über einen S-Bahn-Anschluss verfügten. Eine weitere Folge dieser Entwicklung: Seien früher beim Verkauf eines Grundstücks Kornwestheimer selbst zum Zuge gekommen, so müssten sie heute mit Interessenten aus der gesamten Region um das begehrte Objekt buhlen. Kicherer rechnet nicht mit sinkenden Preisen im Immobilienbereich, solange die Region weiter boome und der Arbeit wegen viele Menschen hinzuzögen.

Gestiegen sind übrigens auch die Preise für Gewerbegrundstücke – von 210 Euro pro Quadratmeter auf 230 Euro.