Kornwestheim Diesel statt Benzin in der Zapfsäule?

Eva Tilgner, vom 08.01.2018 00:00 Uhr
Tanken kann auch Glückssache sein. Foto: dpa
Tanken kann auch Glückssache sein. Foto: dpa

Kornwestheim - Irgendwie komisch – das Tanken dauert heute länger als sonst“, wundert sich Annette Baldus, als sie am Donnerstagabend, 4. Januar, an einer Kornwestheimer Tankstelle (MTB) den Tank ihres Ford Fiesta mit Benzin Super E10 füllt. Weit kommen die beiden nicht: Schon nach einem Kilometer stottert und spuckt ihr zwei Jahre alter Wagen über die John-F.-Kennedy-Allee in Pattonville, als wäre er ein defekter Oldtimer. Begleitet von bunt blinkenden Warnlichtern schafft Annette Baldus es gerade noch vor die Haustür im Washingtonring. „Erst war ich unsicher, ob es am Vergaser, am Verteiler oder an etwas anderem liegt“, erzählt sie. Doch schon beim ersten „Schnuppern“ an der Tanköffnung riecht sie penetranten Dieselgeruch. Umgehend fährt sie mit ihrem Mann zur Tankstelle zurück und reklamiert die Tankfüllung bei der Kassiererin. Nach längerer Diskussion werden Kaffeebecher probeweise abgefüllt. Der Verdacht erhärtet sich: Was aus den Super E10 Zapfhähnen fließt, riecht nach Diesel.

Dass es sich bei der Tankfüllung wirklich um Diesel statt Benzin handelt, bestätigen weder die Tankstellenleitung noch die Firma Fritz Wahr Energie mit dem Sitz in Nagold, die am 2. Januar die Tankstelle mit Kraftstoff beliefert hatte. Eine Analyse von Proben im Labor ist veranlasst worden – bisher noch ohne verbindliches Ergebnis. „Möglich ist auch, dass durch den starken Regen Wasser in den Benzinschacht der Tankstelle gelangt ist“, sagt Bernd Wahr, Geschäftsführer der Firma Fritz Wahr Energie. Dann wäre eine undichte Stelle an den Auftankvorrichtungen die Ursache und damit die Tankstelle der Ansprechpartner für Schäden.

Der Effekt ist für die Autos und ihre Fahrer der gleiche: Sie bleiben stehen. Die Tankstelle macht keine Aussagen, wie viele Kunden in der Zeit vom 2. bis zum 4. Januar Super E10 tankten. „Wir haben inzwischen zehn Reklamationen von Betroffenen an dieser Tankstelle“, berichtet Lieferant Bernd Wahr. Ein Auto hätte abgeschleppt werden müssen. Möglich ist, dass mehrere Pkw lahm liegen– ohne dass ihre Besitzer auf die Idee kommen, dass der Tankinhalt nicht in Ordnung war.

Laut ADAC kann die falsche Tankfüllung einen Schaden von bis zu tausend Euro verursachen. Die Ursache für die steigende Zahl von Fehlbetankungen liege aber meist an den Kunden selbst. Waren früher die Spritsorten nach Tanksäulen getrennt, verführen die Multi-Dispenser zum falschen Griff. Aktuelle Beschwerden über vertauschte Inhalte in Tanksäulen seien noch nicht eingegangen, heißt es beim ADAC Stuttgart. Das könne auch daran liegen, dass die Autofahrer den Mangel noch nicht bemerkt haben, schätzt Bernd Wahr: „Das Dieselgemisch setzt sich am Boden ab. Je nachdem wie voll der Tank war, können Autos noch einige Kilometer fahren.“

Auf die Dienste ihres Ford Fiestas muss Annette Baldus jetzt verzichten. „Der Tankstellenbesitzer hat sich von selbst noch nicht bei uns gemeldet mit einem Vorschlag zur Schadensregulierung“, berichtet sie enttäuscht. Auf eigenes Risiko musste sie in Vorleistung treten und sich ein Ersatzauto mieten, um zu ihrer Arbeitsstelle in Winnenden zu gelangen. Sie fühle sich vom Tankstellenbetreiber „im Stich gelassen“. Der Geschäftsführer der Tankstelle sieht bisher keinen Anlass für seine Kundin aktiv zu werden. Er will die Laborergebnisse abwarten. Der Schadensfall sei dann mit dem Lieferanten zu klären.

Umgehend nach der Reklamation von Annette Baldus waren die Zapfhähne von Super E10 an allen Tanksäulen der Tankstelle abgesperrt worden. Mehr könne man im Moment nicht tun, sagt der Tankstellenpächter auf Nachfrage unserer Zeitung.

Das sieht die enttäuschte Kundin aber anders. Sofortmaßnahmen wie Absaugen des Tanks und Motorreinigung nach einer Fehlbetankung empfiehlt der ADAC. Pressesprecher Reimund Elbe: „Die modernen Pkw verfügen über hoch komplexe Tanksysteme. Fremdkörper können da fatale Folgen mit sich bringen“. Am besten das Auto stehen lassen und direkt die Werkstatt anrufen, so der Rat des Experten.