Kornwestheim Diesel-Verbot: Handwerker sind in Sorge

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Autokolonne in Stuttgart: Das Diesel-Fahrverbot hat auch Auswirkungen auf Kornwestheim. Foto: dpa

Kornwestheim - Die Uhr tickt: Ab Januar 2019 greift in Stuttgart das Fahrverbot für Dieselfahrzeuge bis zur Abgasnorm Euro 4. Kornwestheim sowie weitere umliegende Städte sind zwar keine Sperrzone – hier dürfen die Diesel fahren. Dennoch stellen sich viele Kornwestheimer die Frage: Was bedeutet das Verbot in Stuttgart für uns? Zumal Details – wie etwa Ausnahmeregelungen für Auswärtige und Kostenübernahmen für Umbauten – noch immer Fragen aufwerfen. Seit Anfang der Woche ist hingegen klar, dass die baden-württembergische Landesregierung damit beginnen muss, das Euro-5-Diesel-Verbot zu planen – das machte der Mannheimer Verwaltungsgerichtshof deutlich. Die Unsicherheit wächst damit weiter.

Vor allem die Gewerbetreibenden in der Stadt treibt das Thema nach wie vor um. Sie sind einerseits auf Dieselfahrzeuge angewiesen – bei Lastwagen etwa gibt es wenige Benziner- und Elektroalternativen. Andererseits benötigen Firmen Planungssicherheit, da sie ihre Fahrzeuge oft über einen langen Zeitraum nutzen.

Beispiele aus Kornwestheim

Beispiel Muny: Die Kornwestheimer Schreinerei fährt für viele Aufträge nach oder durch Stuttgart. „Unsere Lastwagen und Lieferwagen leisten 5000 bis 6000 Kilometer pro Jahr“, sagt Geschäftsführer Patrick Pressel. „Wir erneuern sie in einem Rhythmus von zwölf bis 15 Jahren“, ergänzt er. Gerade erst habe man die die Fahrzeuge auf die grüne Plakette umgerüstet. „Weder die Industrie noch die Politik kann mir aber sagen, was ich heute kaufen kann, um damit die nächsten Jahre gerüstet zu sein“, kritisiert Pressel.

Nun muss dazu gesagt werden: Es soll Sondergenehmigungen geben für die Fahrzeuge von Handwerkern. Die Industrie- und Handelskammern begrüßen das einerseits und machten sich dafür stark, mahnen aber auch eine unbürokratische Umsetzung an. „Vielleicht gibt es ja nachher wirklich so viele Sondergenehmigungen“, frotzelt Jens Bartmann, der Vorsitzende des Bundes der Selbstständigen Kornwestheim (BdS). „Dann haben die Fahrverbote aber keinen Effekt mehr.“

Der BdS Kornwestheim beschäftigt sich schon seit Längerem mit dem Thema. Im Frühjahr 2017 etwa war der Landtagsabgeordnete Jürgen Walter zu Besuch. Der Grüne beruhigte damals: Es werde Übergangsfristen geben, auch er sprach über die Sondergenehmigungen. „Das Problem ist aber so oder so weiterhin, dass es für Handwerker keine passenden Fahrzeuge gibt“, sagt Jens Bartmann auch heute. „Da werden ganze Flotten quasi enteignet“, befürchtet er. Man sehe das mit Sorge. „Wer bezahlt am Ende die Umbauten“, fragt sich Bartmann. Und ergänzt: „Das betrifft unsere Handwerker wirklich extrem“. Vieles sei da noch ungeklärt für die Zukunft. In Panik seien die Kornwestheimer Gewerbetreibenden dennoch nicht, stellt Bartmann klar. Das Vertrauen schwinde zwar, wenn man nichts Verlässliches wisse. Aber noch bauen auch die Kornwestheimer Gewerbetreibenden weiterhin auf „Politik und Vernunft“.

Wird die Stadt zum großen Parkplatz?

Eine ganz andere Sorge in Sachen Diesel-Fahrverbote treibt immer wieder Leser unserer Zeitung um, die damit auf uns zukamen: Sie befürchten, dass Kornwestheim zum Parkplatz werden könnte für die dort nun verbotenen Diesel-Fahrzeuge aus umliegenden Stuttgarter Stadtteilen – etwa Caravans. Hier beruhigt der Kornwestheimer Baubürgermeister Daniel Güthler. „Erfahrungen gibt es natürlich keine, aber ich persönlich habe da keine großen Befürchtungen.“ Der Aufwand sei relativ hoch, ein Fahrzeug in Kornwestheim abzustellen und zu betreuen. „Zumal beispielsweise Wohnmobile ja einen erheblichen Wert haben“ – sprich: Die lässt man nicht einfach irgendwo herumstehen. Zudem, so betont Güthler, sei es nicht zulässig, ein Fahrzeug länger als zwei Wochen am Straßenrand zu parken. Notfalls müsse man Strafzettel verteilen oder am Ende gar abschleppen. „Wir beobachten das natürlich“, so der Kornwestheimer Baubürgermeister.

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