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Kornwestheim Duschstress im Moldengraben

Peter Meuer, vom 19.06.2018 17:23 Uhr
Die Unterkünfte im Moldengraben: Defekte an Sanitäranlagen und  Elektrik  ärgern die Bewohner. Foto: Peter Meuer
Die Unterkünfte im Moldengraben: Defekte an Sanitäranlagen und Elektrik ärgern die Bewohner. Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - Mitte März ging es zum großen Besichtigungstermin mit Kommunalpolitik, Verwaltung und Presse in die neuen Obdachlosenunterkünfte im Moldengraben. Der Architekt Andreas Loweg berichtete von den letzten Kleinigkeiten, die noch zu erledigen seien (Wege, Wiese, Gipsfassade), betonte aber auch: „Wir sind fast fertig“. Der Erste Bürgermeister Dietmar Allgaier berichtete erfreut, der Bau sei am Ende um rund 100 000 Euro günstiger geworden als die im Haushalt vorgesehenen 2,65 Millionen Euro. Die Zimmer waren an diesem Dienstagabend im März noch leer, doch in den nächsten Tagen zogen die ersten Obdachlosen aus den bisherigen heruntergekommenen Unterkünften – vor allem an der Aldinger Straße – in die neuen, hellen Räume im Moldengraben um.

Seitdem müsste die Stadt ihre Obdachlosen wieder ordentlich untergebracht und damit ein Problem weniger haben. Das zumindest war der Plan. Doch der ging nur teilweise auf, denn in den vergangenen Wochen sind immer mehr Baumängel in den drei Wohngebäuden am Moldengraben zu Tage getreten. An die 70 Menschen wohnen dort mittlerweile, Familien, Frauen, vor allem aber alleinstehende Männer. Sie hatten seit dem Einzug schon einmal nasse und auch zwischenzeitlich kalte Füße, dafür kein zuverlässiges Internet, und manch einer erwachte nachts, weil plötzlich das Licht in seinem Zimmer anging.

Im Mittelbau sind die Probleme augenscheinlich

Besonders deutlich sind Spuren der Probleme im Obergeschoss des mittleren Hauses zu finden. Kacheln fehlen unterhalb der Dusche, der Blick geht direkt in den dahinter liegenden Hohlraum. Ein Siphon tropfte hier. Außerdem sind die Duschwannen in allen drei Häusern sehr flach geraten. Wasser läuft schnell über, auch bei vorsichtigen Benutzern, und bahnt sich den Weg in Gänge und Zimmer.

Im ersten Obergeschoss des Mittelbaus floss schon mehrfach Wasser, wo nicht fließen sollte. Sven Becker, 43 Jahre alt, hat eines der Zimmer gegenüber der dortigen Sanitärräume. „Das ist dann bis in mein Zimmer rein“, berichtet der Bewohner der Unterkunft und deutet auf eine fleckige Wand im Gang gegenüber: „Und hier gibt es bereits Wasserschäden“.

Auch in Sachen Elektrik und Leitungen lief zu Beginn nicht alles einwandfrei: Zum Einzug ragten Armaturen und Kabel noch aus den Wänden. Über fehlendes Internet klagten die Obdachlosen ebenfalls in den ersten Wochen nach dem Einzug. „Wenn jemand sich beispielsweise bewerben oder fortbilden will, ist er darauf angewiesen“, berichtet der Bewohner Dirk Diekhoff, Jahrgang 1951.

Ein weiteres Problem: Die Leuchten in den Zimmern sind wegen eines Bestellfehlers mit Bewegungsmeldern ausgestattet. Zwar lassen sich die Lichter ganz ausschalten, doch vergisst das der Bewohner, dann weckt ihn beim Rumwälzen von einer auf die andere Seite schon einmal plötzliches grelles Licht. Zu guter Letzt fiel auch das Blockheizkraftwerk schon einmal aus. Bis ein Techniker zum Richten kam, vergingen einige Tage.

Der Kornwestheimer Baubürgermeister Daniel Güthler und Sven Koch, der Fachbereichsleiter für Hochbau und Gebäudetechnik, bestätigen die Mängel auf Nachfrage unserer Zeitung. Sie betonen, dass ein Teil schon behoben sei. So seien Armaturen und Steckdosen mittlerweile ordnungsgemäß angebracht worden. Auch sei mittlerweile ein Backup in das Blockheizwerk eingebaut worden, berichtet Sven Koch. Sollte die Technik ausfallen, schaltet sich ein Elektrosystem zwischen. Die Internetzuleitung von Seiten der Telekom funktioniere, sodass die Bewohner, heißt es aus der Verwaltung, ihr Internet bei Bedarf bestellten könnten.

Viele Probleme hätten sich zudem erst gezeigt, als die Bewohner bereits eingezogen seien, ergänzt Güthler. „Es gab natürlich Abnahmen“, betont der Baubürgermeister. „Und wenn man Mängel feststellt, motiviert man die Handwerker, diese zu beheben.“

Das dringendste Problem sind die flachen Duschkabinen

Aktuell ist das städtische Bauamt also in Sachen Moldengraben damit beschäftigt, Firmen zu motivieren Mängel zu beheben oder für deren Beseitigung geradezustehen. Besonders dringend muss das Problem der flachen Duschkabinen gelöst werden. Wasser ist bereits durch die Decke ins Erdgeschoss gesickert, Wasserflecken sind an mehreren Stellen sichtbar, die Gefahr von Schimmel in den noch neuen Gebäuden droht. Auf Nachfrage heißt es von der Sanitärfirma, die die Duschräume bestückt hat, der tropfende Siphon sei „nicht ursächlich“ für den Wasserschaden im ersten Obergeschoss des mittleren Gebäudes. Die Ursache für das auch in den anderen Duschräumen auftretende Problem liege in den „gewünschten“ flachen Wannen in Verbindung mit den Duschvorhängen begründet. Auch ein Gutachten zeige: Wasser tritt aus, wenn der Saum des Vorhangs nicht in der Wanne ist, das Gefälle des Bodens verlaufe zudem in Richtung Duschraum-Tür. Am Ende fließt so Wasser in den Flur. „Es werden nun überall Duschkabinen eingebaut“, berichtet Güthler.

Was einige Bewohner zusätzlich ärgert: Dass sie zwischen Mitte Februar und Anfang März die Bescheide bekamen mit dem Hinweis, bereits Mitte oder Ende März umzuziehen – unter Androhung von Zwangsräumung. Warum man nicht zuerst die Mängel behoben habe, fragen Diekhoff und Becker. Von Seiten der Stadt wird hierzu ergänzt, dass schon Ende 2017 darauf hingewiesen worden sei, dass der Umzug anstehe – auch wenn der Termin zwischenzeitlich noch einmal verschoben werden musste. Die Leiterin der Sozialdiakonie im Moldengraben, Liane Liepold, die die Obdachlosen betreut, sagt weiterhin: „Die Zustände in den alten Unterbringungen waren einfach nicht mehr tragbar.“ Der schnelle Umzug sei notwendig gewesen, viele Bewohner hätten auch darauf gewartet.

Dass man Zustände wie in der Aldinger Straße, wo Müllberge sich türmten, auch von Seiten der Bewohner in Zukunft vermeiden will, dafür stehen Dirk Diekhoff und Sven Becker ein. Auch deswegen sei es wichtig, vorhandene Mängel bald zu beheben, die Bewohner der Unterkunft ernst zu nehmen. Daniel Güthler betont: „Das sind für uns keine Menschen zweiter Klasse“. Er erklärt, dass es gar nicht immer leicht sei, sofort die Handwerker herbeizubringen, um Schäden beheben. „Vor allem, wenn lukrativere Aufträge da sind.“ Aber: „Wir kümmern uns um den Moldengraben.“

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