Kornwestheim Ein neues Produkt entsteht im Team

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Der Rote Punkt ist ein silberner Radius: Marc Michalak streckt ihn in die Höhe. Foto: z

Kornwestheim - Den Beruf des technischen Modellbauers hat Marc Michalak nach der Mittleren Reife, wie der Realschulabschluss einst genannt wurde, gelernt. Nein, da träumt man nicht davon, später einmal auf der Bühne im Essener Opernhaus zu stehen, den „Red Dot Award“ überreicht zu bekommen und zu der Mannschaft zu gehören, die den Oscar der Designwelt als Ehrentitel erhält. Phoenix Design heißt das Stuttgarter Unternehmen, für das der Kornwestheimer arbeitet.

Modelle von technischen Bauteilen für Motoren hat der gebürtige Remsecker in seiner Ausbildung in einem kleinen Betrieb in Schwieberdingen erstellt. Die Komponenten verschwanden dann – zur Serienreife gebracht – unter der Motorhaube und waren nicht mehr gesichtet. „Aber mich“, sagt der Kornwestheimer, „hat’s immer interessiert, wie mit Produkten umgegangen wird.“ Er will sehen, wie Menschen Dinge in der Hand halten, wie sie sie bedienen, was sie damit tun.

Vor 20 Jahren heuerte Marc Michalak dann bei Phoenix Design an – in seinem gelernten Beruf als Modellbauer. Aber Designer, die sich Formen ausdenken und aufs Papier zeichnen, auf der einen Seite und Modellbauer, die diese Gedanken in begreifbare Formen umsetzen, auf der anderen Seiten – so funktioniert das Arbeiten in dem Stuttgarter Unternehmen nicht. Im Team werden die Produkte entwickelt, an einem Tisch sitzen Modellbauer und Designer, Handwerker und Kopfarbeiter. Die Grenzen verschwimmen. Und bevor ein Handschlag gemacht, reden die Beteiligten darüber, welche Märkte der Kunde mit seinem Produkt erreichen will und wie es zur gesellschaftlichen Entwicklung passt.

Ein neues Produkt entsteht im Team. Es wird gependelt zwischen Tisch und Werkstatt, zwischen digital und analog, Ideen werden sogleich umgesetzt und ausprobiert. „Wir korrigieren in Echtzeit“, erläutert Marc Michalak die Arbeitsweise. Man sehe, wenn man an der Werkbank etwas erstelle, sehr schnell, ob das Design alltagstauglich ist. Eine 300 Quadratmeter große Werkstatt mit vielen Extras steht für die Entwicklung von Produkten zur Verfügung.

Prototyping-Prozess nennt sich diese Arbeitsweise im Fachjargon. „Nur durch Haptik wird das Produkt im Kontext erleb- und erfahrbar“, heißt es bei dem Stuttgarter Unternehmen, das vor gut 30 Jahren von Andreas Haug und Tom Schönherr aus der Taufe gehoben wurde. Marc Michalak ist von der Idee, die jetzt auch mit dem „Red Dot Award“ gewürdigt worden ist, begeistert. Das Handwerk, den Modellbau betrachtet er als „stabiles Fundament“ der Designarbeit. Was nützt die größte Kreativität, wenn sie sich nicht in funktionierende Produkte umsetzen lässt? Wenn die Kundschaft an den Produkten kein Interesse hat? Die Interaktion führe zum Erfolg, sagt der Kornwestheimer. Und ebenso wichtig wie das gute Aussehen und die Funktionalität seien die Emotionen, sagt der 42-Jährige. „Das Design muss die Kunden berühren.“ Ihm gefällt’s, wenn die Auftraggeber den Designern zu Beginn der Entwicklung freie Hand lassen, denn nur dann, sagt der 42-Jährige, könne etwas Neues entstehen. Wer sich am Bestehenden orientiere, der erfahre keinen Fortschritt.

Produkte für den Sanitärhandel, Fernseher, Füller – an der Entstehung von ganz unterschiedlichen Dingen hat Michalak schon mitgearbeitet. Mittlerweile, räumt er ein, gehe er schon wie ein Designer durch den Alltag, begutachte Formen und Linien. „Ein Designer hat nie Feierabend“. Was Michalak sieht, gefällt ihm nicht oft. „Es gibt schon viele schlechte Sachen.“

Für den gelernten Modellbauer ist der Designpreis eine Bestätigung für das gute Teamwork bei Phoenix Design. Er sieht darin aber auch eine Würdigung der handwerklichen Arbeit. Mit der Ausbildung als Modellbauer zu beginnen, das sei für ihn genau der richtige Weg gewesen, der ihn nun auch auf die Bühne des Aalto-Theaters in Essen geführt hat.

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