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Kornwestheim Ein Stück Wirtschaftsgeschichte zieht fort

Peter Meuer, vom 01.11.2018 00:00 Uhr
Zieht notgedrungenermaßen nach Aspach: Christian Bewer. Foto: Peter Meuer
Zieht notgedrungenermaßen nach Aspach: Christian Bewer. Foto: Peter Meuer

Kornwestheim -

Bewer ist nicht der größte Kornwestheimer Betrieb gewesen und auch nicht der bekannteste. Und dennoch: Mit den Zerspanungstechnikern verlässt nun ein Stück lokale Wirtschaftsgeschichte die Stadt. Mitte November zieht Bewer nach Aspach um, der Betrieb hat vom 16. bis voraussichtlich zum 23. November geschlossen. Und danach stehen die Mitarbeiter am neuen Standort in der 8000-Einwohner-Gemeinde im Rems-Murr-Kreis an den Maschinen.

Sie wurden einfach zu klein, die Räume an der Kornwestheimer Enzstraße, gleich neben der Schreinerei Muny, deren Besitzer auch Bewers Vermieter sind. „Wir sind mittlerweile auf 14 Mitarbeiter angewachsen“, sagt der Unternehmer. „Dafür reichen unsere 380 Quadratmeter nicht mehr aus“, ergänzt er, „zumal wir eigentlich, was die Auftragslage angeht, eher Platz für 20 Mitarbeiter benötigen.“ Als Beispiel für die Enge dient ein Raum im zweiten Obergeschoss: Der nicht besonders große Raum wird derzeit für Brotzeiten, Montagebereich und Schauflächen gleichzeitig genutzt. Neben einer Glasvitrine steht ein Exemplar der Eigenentwicklung, auf die man bei Bewer stolz ist. „Pintec“ heißt das System made in Kornwestheim: eine Art hochkomplexer, flexibler Schraubstock für spezielle Werkstücke.

In Aspach hat Bewer nun gut 1300 Quadratmeter für die Produktion und etwa 200 Quadratmeter für Sozialräume und Büros zur Verfügung. Das sei auch für die Mitarbeiter angenehmer, sagt der Unternehmer über den neuen, 30 Kilometer entfernten Standort. „Alle kommen mit, keiner verlässt uns wegen des Wechsels“, ergänzt der 52 Jahre alte Firmenchef.

Dennoch wäre er gerne mit seiner Firma in Kornwestheim geblieben, betont Christian Bewer. Auch ihn persönlich verbindet mittlerweile viel mit der Stadt. Er gründete seine Firma anno 1998 aus der Arbeitslosigkeit heraus. Zuvor in Neuhausen auf den Fildern lebend, startete er in der Enzstraße mit einer CNC-Fräsmaschine als Ein-Mann-Betrieb.

Nach und nach stießen Mitarbeiter dazu. Und: Christian Bewer gewann große Kunden, etwa aus der Pharmaindustrie, für die Bewer Greifersysteme für Reagenzgläser herstellt.

„Auch wenn sich das wie ein Klischee anhört: Kornwestheim ist die Stadt der kurzen Wege“, sagt Bewer. Das sei ein Vorteil. Er selbst traf hier seine Frau und engagierte sich in der örtlichen CDU im Vorstand als Beisitzer. „Man kennt die Leute, es ist ein Stück Heimat geworden.“

Fast hätte es auch geklappt mit der Vergrößerung am ursprünglichen Standort. Christian Bewer wandte sich vor gut zwei Jahren an die Wirtschaftsförderung, bekam auch ein Grundstück angeboten – was gar nicht so leicht ist in der Stadt, in der die meisten Gewerbegebiete schon bebaut sind und die viele Firmen anzieht. Doch am Ende ging es dann doch nach Aspach, wo Bewer ein Bestandsgebäude wirtschaftlicher übernehmen konnte. „Meine Frau und ich werden nun auch dorthin ziehen“, sagt der 52-Jährige. Gänzlich will er die Kontakte nach Kornwestheim aber nicht abbrechen. Er werde sich immer wieder blicken lassen, erzählt er. Fast untergegangen ist bei all diesen Veränderungen, dass der Betrieb in diesem Jahr stolze 20 Jahre alt geworden ist. „Wir haben gefeiert“, sagt der Geschäftsführer und gelernte Meister im Maschinenbaumechanikerhandwerk. „Es gab ein Fest gemeinsam mit Mitarbeitern und Nachbarn – das gleichzeitig auch unser Abschiedsfest war.“