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Kornwestheim Eine Sammlung und viele offene Fragen

Susanne Mathes, vom 09.10.2017 18:25 Uhr
In der Mühlhäuser Straße 14   – hier ein Einblick ins Untergeschoss – lagert der Geschichtsverein die Stadtgeschichtliche Sammlung. Foto: Archiv/Birgit Kiefer
In der Mühlhäuser Straße 14 – hier ein Einblick ins Untergeschoss – lagert der Geschichtsverein die Stadtgeschichtliche Sammlung. Foto: Archiv/Birgit Kiefer

Kornwestheim - Kürzlich schauten Mitarbeiter eines Abbruchunternehmens die Räumlichkeiten der städtischen Liegenschaft Mühlhäuser Straße 14 an, durchs Haus geleitet von einigermaßen aufgescheuchten Mitgliedern des Vereins für Geschichte und Heimatpflege, die kurzfristig von diesem Termin erfahren hatten. Der Geschichtsverein ist, wie auch der Malteser Hilfsdienst, Mieter in dem Haus; auch eine Privatperson wohnt dort.

Das Gebäude soll abgerissen, das Gelände soll neu bebaut werden. „Im Rahmen der strategischen Steuerung haben wir festgelegt, von welchen Immobilien wir uns trennen wollen“, sagt Erster Bürgermeister Dietmar Allgaier. „Wir planen, den Verkauf 2018 abzuwickeln. Die Mietverhältnisse sind noch nicht gekündigt, aber die Mieter wissen, dass das kommt.“ Die Stadt wolle versuchen, einvernehmliche und gute Lösungen für die Menschen zu finden, die das Haus jetzt noch nutzten. „Wir sind ja Partner.“

Für die Malteser zeichne sich eine Zukunft im Haus der sozialen Dienste ab, sagt Allgaier. Der bisher dort beheimatete VdK sei mittlerweile ins Rathaus übergesiedelt, wo er einen Besprechungsraum bekommen habe, die Awo firmiere nun im Schafhof. Für die Fahrzeuge der Malteser werde sich sicher auch eine Lösung finden. Es seien ja keine Fahrzeuge für Rettungseinsätze, so dass sie nicht gezwungenermaßen direkt am Haus der sozialen Dienste stationiert sein müssten. „Das DRK hat ja seine Autos auch in einer Garage beim Hallenbad“.

Stefan Bauer, der Malteser-Stadtbeauftragte, äußert dazu, die ehemalige Hauswirtschaftsschule sei prinzipiell eine akzeptable Lösung, wenn noch einige Details geklärt werden könnten. Dass das Bleiben der Malteser in der Mühlhäuser Straße nicht mehr von langer Dauer sein werde, das sei absehbar gewesen. „Bei den letzten Renovierungen haben wir daher nur das Notwendigste gemacht und zum Beispiel keinen neuen Boden verlegt“, berichtet Bauer. Die Frage der Fahrzeuge – ein halbes Dutzend gelte es unterzubringen – sei für den Malteser Hilfsdienst aber relevant. „Es ist wichtig, dass wir eine gute Lösung finden“, sagt Bauer.

Die Stadtgeschichtliche Sammlung ist riesig

Komplizierter stellt sich die Lage beim Verein für Geschichte und Heimatpflege dar, denn bei ihm geht es nicht nur um Vereinsräumlichkeiten, sondern um Exponate – um sehr viele Exponate. Der Geschichtsverein bespielt nicht nur seine Ausstellungsräume im Erdgeschoss. Seine Stadtgeschichtliche Sammlung ist riesig und belegt drei Stockwerke – von den im Angelhof untergebrachten landwirtschaftlichen Gerätschaften gar nicht zu sprechen. „So viel Raum wie in der Mühlhäuser Straße 14 werden wir wohl nicht mehr zur Verfügung stellen können“, prognostiziert der Bürgermeister. Auch sei es wenig wahrscheinlich, dass die umfangreiche Sammlung an ein und derselben Stelle untergebracht werden könne.

Optionen biete aber beispielsweise die ehemalige Bücherei in der Kantstraße, auch in anderen städtischen Gebäuden ließen sich vielleicht noch Exponate lagern, von denen ohnehin auch einige der Stadt gehörten, wie der Bürgermeister anmerkt. Ob aus der Sammlung perspektivisch das Obergeschoss des Kleihues-Baus bestückt werden könne, müsse im Rahmen der künftigen Konzeption des Museums erörtert werden.

„Einen Umzug in eine weitere oder gar mehrere Abbruchimmobilien sehe ich sehr kritisch“, sagt dazu Dr. Gudrun Dobler, Vorsitzende des Vereins für Geschichte und Heimatpflege. „Vor einer solchen Veränderung müssten wir die Mitglieder befragen , ob sie die Betreuung der Sammlungen personell und finanziell weiter tragen wollen.“ Der Verein zahle für die Unterbringung der Sammlung beträchtliche Betriebskosten.

Darüber, dass bereits die Gegebenheiten für einen Abbruch sondiert wurden, ist die Vereinsvorsitzende irritiert: Das Jahr 2018 als definitiver Auszugstermin sei dem Verein bisher nicht kommuniziert worden.

So oder so ist für die Vorsitzende klar: Wenn die Diskussion über die räumliche Veränderung nun ins Haus steht, muss die Stadt auch sagen, was mit der Sammlung geschehen soll. „Wir haben sie schließlich nicht für uns aufgebaut und gepflegt, sondern für die Stadt Kornwestheim.“ Die in der Mühlhäuser Straße untergebrachte Sammlung, von der in der Ausstellung nur ein kleinerer Teil zu sehen ist, umfasst beispielsweise eine umfangreiche Zahl an Ausstellungsstücken zum Thema Salamander.

Viele Spender hätten dem Verein ihre Exponate in der Intention zur Verfügung gestellt, der Stadt etwas Gutes tun zu wollen, sagt Gudrun Dobler. Doch eine Konzeption für ein Stadtgeschichtliches Museum gebe es bis zum heutigen Zeitpunkt nicht. „Jetzt kann man die Diskussion darüber aber im Grunde nicht mehr hinausschieben.“