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Kornwestheim Eltern fordern: die Förderschule verlegen

Werner Waldner, vom 11.07.2018 00:00 Uhr
Unter einem Dach: die Eugen-Bolz-Grundschule und das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum Foto: Werner Waldner
Unter einem Dach: die Eugen-Bolz-Grundschule und das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum Foto: Werner Waldner

Kornwestheim - Oberbürgermeisterin Ursula Keck ließ keine Zweifel aufkommen: Die Zeit drängt. „Wir brauchen innerhalb kurzer Zeit eine dreizügige Grundschule für zwölf Klassen“, sagte sie am Dienstagabend im Ausschuss für Umwelt und Technik. Die ersten Weichen für zumindest vier zusätzliche Klassen an der Eugen-Bolz-Schule in der Weststadt sollten die Stadträte heute Abend in der Sitzung des Gemeinderates stellen. Doch dazu wird es nicht kommen. Der Grund: Die Eltern haben in einem Brief andere Vorstellungen als die Stadtverwaltung.

Aus unserer Zeitung hatte der Elternbeirat erfahren, dass die Stadt mit einem Anbau für die Eugen-Bolz-Schule liebäugelt. In einem Brief an die Oberbürgermeisterin und an die Gemeinderatsfraktionen entwickelten die Mütter und Väter eine andere Idee: Sie schlagen vor, dass die Förderschule, die auch im Gebäude der Eugen-Bolz-Schule untergebracht ist, das Haus verlässt und so Platz macht für die Grundschule. Die hätten dann ausreichend Platz für eine Dreizügigkeit (drei Klassen pro Jahrgang), zudem einen größeren Werkraum und eine Küche. „Ein Umbau oder eine Erweiterung wären allein durch die Räumlichkeiten nur ein Flickwerk“, schreiben die Eltern. Sie haben auch die Sorge, dass durch den Anbau Freiraum auf dem Schulgelände verloren geht.

Was sie von dem Vorschlag der Elternbeiräte hält, das machte die Oberbürgermeisterin in der Sitzung deutlich: nur wenig. Die Förderschule verfüge über 1100 Quadratmeter. Würde sie die Weststadt verlassen, dann könnte die Eugen-Bolz-Grundschule gleich auf vier Züge anwachsen – mit der Folge, dass ein Neubau einer Grundschule nicht mehr möglich sei, weil nur noch eine Klasse pro Jahrgang untergebracht werden müsste. Die Kosten für einen Neubau für die Förderschule – sie firmiert mittlerweile unter dem Namen Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) – veranschlagte die Oberbürgermeisterin mit rund fünf Millionen Euro. Keck sagte außerdem, dass Förder- und Grundschule „inhaltlich voneinander profitieren“ würden und dass sich Kornwestheim vor Jahren bewusst dafür entschieden habe, die beiden Schulformen unter einem Dach zu vereinen.

Derzeit allerdings unternehmen Förder- und Grundschule nichts zusammen, berichtet SBBZ-Leiterin Eva Wernecke auf Anfrage unserer Zeitung. In früheren Jahren sei schon einmal gemeinsam Sport unterrichtet worden. Die Verbindung mit einer Grundschule sei nicht zwingend erforderlich, sagt sie. In der baden-württembergischen Schullandschaft gebe es bei der Unterbringung von Förderschulen „nichts, was es nicht gibt“. Wenn es fürs Kornwestheimer SBBZ, an dem auch Jungen und Mädchen aus Remseck unterrichtet werden, einen adäquaten Ort gebe, „sehe ich keinen Grund hierzubleiben“, so die Schulleiterin.

Auch CDU-Stadträtin Silvia Stier, früher selbst einmal Leiterin einer Grundschule, hält die Argumentation der Oberbürgermeisterin nicht für stichhaltig. „Es ist immer schwierig, zwei Schularten in einem Haus zu haben“, sagte sie in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik. Die Argumente, die die Eltern vorgebracht hätten, seien nicht von der Hand zu weisen, so Stier. Sie mahnte zudem an, dass, wenn es zu einem Anbau komme, die Kinder auf jeden Fall einen ausreichend großen Schulhof zur Verfügung haben müssten. Ihr Fraktionskollege Hans-Joachim Schmid brachte das nicht mehr benötigte Industriestammgleis ins Gespräch, das direkt an der Schule vorbeiläuft. Auch ein nicht mehr genutzter Spielplatz der Landesbaugenossenschaft könne als Fläche für einen eventuellen Anbau hinzugezogen werden.

Einen Beschluss wollten die Stadträte nicht fassen. Sie werden zunächst das Gespräch mit den Eltern suchen („Trotz der Zeitnot“, so Hans-Michael Gritz, SPD) und baten die Stadtverwaltung darum, ebenfalls Kontakt zum Elternbeirat aufzunehmen. Oberbürgermeisterin Ursula Keck hofft gleichwohl, dass der Gemeinderat erste Weichen stellt – wenn nicht in der heutigen Sitzung, dann aber doch eine Woche später. Nach ihren Zeitvorstellungen sollen die Architekten über den Sommer ein Raumprogramm entwerfen, das spätestens am 1. Oktober dem Regierungspräsidium in Stuttgart vorgelegt wird – verbunden mit dem Antrag auf einen Zuschuss. Keck hofft, dass der Anbau zum Schuljahresbeginn 2021/2022 bezogen werden kann.