Kornwestheim Eltern im Stotzgebiet: Gerne nah am Wasser gebaut

Michael Bosch, vom 20.09.2017 00:00 Uhr
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Wie lange sprudelt er noch? Foto: Michael Bosch
Wie lange sprudelt er noch? Foto: Michael Bosch

Kornwestheim - Wie magisch zieht der Wasserlauf die Kinder an, die egal ob mit oder ohne Gummistiefel beherzt ins kleine Rinnsal hüpfen. Auch jetzt noch, wenn es wieder kälter wird, ist der Brunnen nachmittags vor allem für Familien mit kleineren Kindern ein Anlaufpunkt. Im Oktober wird der Brunnen an der Ecke Wolfgang-Amadeus-Mozart- und Georg-Friedrich-Händel-Straße über den Winter abgestellt – und wenn es nach dem Gemeinderat geht, hat dann das letzte Mal Wasser gesprudelt.

Sieben der 18 Brunnenanlagen im Stadtgebiet werden nach Beschluss des Gemeinderats stillgelegt, der an der Joseph-Hayden-Straße plätschert indes weiter. Zunächst sollte das Becken rund um die Säule an der Johannes-Brahms-Straße im Zentrum des Stotzgebiets wegen seiner exponierten Lage weiter betrieben werden, dann schwenkte der Gemeinderat wegen der Nähe zu einem Spielplatz auf die Joseph-Haydn-Straße um.

Dass dort weiter Wasser fließt, ist den Bewohnern, die in direkter Umgebung der Anlage an der Georg-Friedrich-Händel-Straße wohnen, eigentlich kein Dorn im Auge. Im Gegenteil: Sie freuen sich für die Kinder dort. Dass ihre Kinder aber nicht mehr in einen solchen Genuss kommen sollen, verstehen sie nicht. „Wir haben uns direkt an Frau Keck gewandt und sie darum gebeten, die Entscheidung, unseren Brunnen abzustellen, im Zuge der Haushaltsplanungen noch einmal zu überdenken“, sagt Jessica Haas. Um ihr Anliegen zu unterstreichen, haben sie zudem 162 Unterschriften gesammelt, die sie am heutigen Donnerstag der Stadt und den Fraktionen im Gemeinderat übergeben werden. Gründe auch „ihren Brunnen“ nicht abzustellen, gebe es nämlich genug. Zunächst einmal sei da die Nähe zum evangelischen Kindergarten, der auch schon mal extra einen Ausflug zum Wasserlauf unternehme, und außerdem gebe es den Spielplatz an der Eastleighstraße, der nur einen Katzensprung entfernt liege. Dass Haas und ihre Mitstreiter den anführen, ist kein Wunder. Schließlich war die Nähe zu einem Spielplatz auch ein Argument für den Erhalt des Brunnens in der Joseph-Haydn-Straße.

„Mit der Abschaltung zerstört man außerdem das ganze Wohnkonzept“, sagt Kerstin Oberbeck, die sich ebenfalls für den Weiterbetrieb des Brunnens einsetzt. Die Bordsteinerhöhung hinter dem Wasserlauf grenzt den Platz von der ohnehin nicht viel befahrenen Straße ab und das „macht es den Eltern leicht“, sagt Jessica Haas. „Man muss zwar ein Auge auf die Kinder haben, aber eben nicht die ganze Zeit.“ Der Platz sei aber nicht nur bei kleinen Kindern beliebt, die hier mit Straßenkreiden malen oder am Wasser spielen, sondern auch Treffpunkt für größere Kinder und ältere Menschen. „Mit dem Holzgrundplatz und dem Brunnen dort sollte ein Platz der Mitte geschaffen werden, hat Frau Keck damals betont. Und das hier ist unser Platz der Mitte“, sagt Haas. Ältere Leute aus der Nachbarschaft würden eher hierherkommen, statt den für sie weiten Weg in die Innenstadt zu gehen. „Wenn der Brunnen abgestellt wird, wird er nur zur nächsten Müllhalde“, ergänzt Oberbeck.

Dass gerade der vor allem im Sommer stark frequentierte Platz – allein in den drei direkt angrenzenden Wohneinheiten leben 13 Kinder – abgewertet werden soll, verstehen die Anwohner nicht. „Im Endeffekt ist das eine lächerliche Maßnahme“, sagt Haas. Die Einsparnisse durch die Abschaltung, geschätzt sind es zwischen 1500 bis 2000 Euro, seien marginal im Vergleich dazu, wofür die Stadt sonst Geld ausgebe. Als Beispiele nennt sie den Zebrastreifen am E-Center („Der ist nach EU-Verordnung gar kein Zebrastreifen“) und den Kreisverkehr an der Bahnhofstraße („Der verursacht nur Stau“). Die Stadt solle lieber ihre Konzepte beispielsweise für das K oder die Ravensburger Spielewelt überdenken, statt den Anwohnern ihr „kleines Highlight“ zu nehmen, meint eine weitere Anwohnerin.