Kornwestheim Erst eine Konzeption, dann die Pläne

Werner Waldner, vom 03.08.2017 00:00 Uhr
Die Wohnungen für Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung sind nur eine Option für das Grundstück in Pattonville. Foto: factum/Granville
Die Wohnungen für Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung sind nur eine Option für das Grundstück in Pattonville. Foto: factum/Granville

Kornwestheim - Die Aufregung war groß, als Oberbürgermeisterin Ursula Keck vor drei Wochen wissen ließ, dass Kornwestheim und Remseck darüber nachdenken, eine gemeinsame Unterkunft für Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung am Rande von Pattonville zu bauen. Die Überlegungen schienen weit gediehen: Keck sprach von einem viergeschossigen Bau mit 200 Plätzen.

Jetzt rudert die Stadt Kornwestheim, auf deren Gemarkung das im Eigentum des Zweckverbandes Pattonville gelegene Grundstück liegt, ein wenig zurück. Zunächst einmal werde die Baurechtsbehörde eine Konzeption entwickeln, wie das Areal zwischen Rewe und der Straße Frauenried in Ludwigsburg-Grünbühl genutzt werden könne, sagte Kornwestheims Erster Bürgermeister Dietmar Allgaier gestern auf Nachfrage unserer Zeitung. Und erst wenn diese Konzeption vorliege, werde sich der Gemeinderat mit der Frage beschäftigen, was auf dem Grundstück geschehen soll. Und dabei, versicherte Allgaier, würden auch die „sachlichen Argumente“ in die Diskussion mit einfließen, die in Ludwigsburg nach Bekanntwerden der Pläne laut geworden seien. Ohne Emotionen war es allerdings nicht immer zugegangen. Der Ludwigsburger OB Werner Spec hatte gar von einer „Kriegserklärung“ der Nachbarkommunen gesprochen. Sachlich waren da eher die Töne der Stadträte aus Ludwigsburg, die kritisiert hatten, dass die Zahl von 200 Flüchtlingen dem Konzept ihrer Kommune, die Menschen übers Stadtgebiet verteilt unterzubringen, widerspräche.

Für Kornwestheims Bürgermeister Dietmar Allgaier ist es noch nicht ausgemacht, dass das Areal – es handelt sich um das letzte noch verfügbare Grundstück in Pattonville – wirklich für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt wird, über deren Asylantrag entschieden worden ist und die in Deutschland bleiben dürfen. Auch eine gewerbliche Nutzung sei denkbar. Und sollte man sich für Wohnhäuser entscheiden, sei auch sozialer Wohnungsbau – nicht speziell für Flüchtlinge – in die Überlegungen einzubeziehen. Möglicherweise könnten auf dem Grundstück ja auch zwei Häuser errichtet werden, so Allgaier.

Sozialwohnungen hält auch der Remsecker Oberbürgermeister Dirk Schönberger auf dem Grundstück am Rande von Pattonville für möglich. Sein Gemeinderat wird sich in einer Sondersitzung am kommenden Dienstag unter anderem mit der Unterbringung von Flüchtlingen beschäftigen. Dabei, betont Schönberger, gehe es aber um die Errichtung einer Wohnanlage, die „kurzfristig“ in die Tat umgesetzt werden könne. Kurzfristig erscheint angesichts des Konzeptes, das Kornwestheim für das Areal in Pattonville zunächst erstellen will, eine Lösung am Frauenried nicht möglich. Zumal laut dem Ersten Bürgermeister Dietmar Allgaier zwischen Remseck und Kornwestheim noch nicht bis ins Detail geklärt ist, wie die möglichen Plätze vergeben werden. Möglicherweise, so Allgaier, müsse ein interkommunaler Vertrag geschlossen werden.

Die zurückhaltenden Töne aus Kornwestheim dürften in Ludwigsburg und in Pattonville mit Genugtuung aufgenommen werden. Der Bürgerverein Pattonville hatte sich auch für eine dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge mit Bleibeperspektive ausgesprochen. „Kleine Wohneinheiten sind absolut zu bevorzugen“, hieß es in einer Stellungnahme. Kornwestheims OB gibt allerdings zu bedenken, dass es unter den Flüchtlingen durchaus den Wunsch danach gebe, mit den Landsleuten Tür an Tür zu leben, um eine soziale Anbindung zu erreichen.