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Kornwestheim „Es gibt einfach Kinder, die gehören in die Natur“

Susanne Mathes, vom 28.04.2016 00:00 Uhr
Michaela Lauxmann und Pascal Fuchs vom Jufa-Vorstand, Kornelia Schwind und Jürgen Rohleder vom Fachbereich Kinder, Jugend, Bildung, Cornelia Sattler und Heike Hohenreuther  vom Gesamtelternbeirat (hinten, von links) sowie Jufa-Vereinsvorsitzender Michael Schmid und Jufa-Leiterin Christiane Fackler. Foto: Susanne Mathes
Michaela Lauxmann und Pascal Fuchs vom Jufa-Vorstand, Kornelia Schwind und Jürgen Rohleder vom Fachbereich Kinder, Jugend, Bildung, Cornelia Sattler und Heike Hohenreuther vom Gesamtelternbeirat (hinten, von links) sowie Jufa-Vereinsvorsitzender Michael Schmid und Jufa-Leiterin Christiane Fackler. Foto: Susanne Mathes

Kornwestheim - Anfragen von Eltern gibt es immer wieder, berichtet die Kindergartenzuständige Kornelia Schwind: Hat denn Kornwestheim keinen Wald- oder Naturkindergarten? Für einen Waldkindergarten sind die Voraussetzungen mangels Wald denkbar schlecht. Ein Naturkindergarten aber müsste machbar sein – und zwar auf einem Gelände, das alles bietet, was es für so eine Einrichtung braucht: auf der Jugendfarm im Moldengraben.

Diese vor zwei Jahren schon einmal intern gewälzte Idee ist nun wieder auf dem Tapet. Sowohl der Jugendfarmverein als auch die Stadtverwaltung und der Gesamtelternbeirat für Kindergärten, Kindertagesstätten und Horte wünschen sich eine solche Einrichtung. „Inzwischen gibt es sie in fast jeder Kommune“, sagt Kornelia Schwind. Mit den Watomi Naturkids beispielsweise seit Kurzem auch für Pattonviller Kinder. Für diesen Naturkindergarten haben sich Eltern zusammengeschlossen und einen Verein gegründet.

Eine solche Initiative erhofft man sich in Kornwestheim auch – engagierte Familien, die sich um Punkte wie Betriebserlaubnis, Konzeption und Rechtsfragen kümmern und die Sache ins Laufen bringen. Denn, das stellt Jufa-Vorsitzender Michael Schmid klar: „Platz haben wir mit 1100 Quadratmetern genug, die Infrastruktur auch. Aber wir als Ehrenamtliche können nicht auch noch einen Kindergarten auf die Beine stellen.“

Und auch die Stadt sieht sich für so ein Konzept nicht als prädestiniert, obwohl sie es schätzt und unterstützen würde. „Es gibt einfach Kinder, die gehören in die Natur“, findet Kornelia Schwind. Kinder mit einem ausgeprägten Bewegungs- und Entdeckerdrang, Kinder, die mit Steinchen, Holz, Pfützen und Tieren glückselig sind: Für sie sei ein solcher Kindergarten perfekt. Aber es brauche dafür eben auch Eltern, die aus einem besonderen Holz geschnitzt seien und bewusst Einsatz brächten. „Das lässt sich nicht gut in die städtischen Strukturen einfügen“, sind sich Schwind und Fachbereichsleiter Jürgen Rohleder sicher.

Pascal Fuchs, zweiter Vorsitzender des Jufa-Vereins, kommen als potenzielle Initiatoren Krabbelgruppen-Eltern in den Sinn, deren Sprösslinge noch in keiner Einrichtung sind. „Wenn man ein Kind erst mal in einem Kindergarten hat, wechselt man normalerweise nicht mehr.“ Dann entfalle auch der Anlass, einen Naturkindergarten anzustoßen. Jugendfarm-Leiterin Christiane Fackler – sie bringt Erfahrungen aus einem Schulbauernhof und einem Waldkindergarten mit – wirft ein, dass auch die Themen Inklusion und besondere Bedarfe in einem Jugendfarm-Naturkindergarten „kein Problem“ wären.

Das Jufa-Team schaut bei der Idee auch in die Zukunft: Die Naturkindergartenbesucher von heute wären vielleicht die Jugendfarm-Besucher von morgen. Auf dem Platz ist zwar nachmittags immer etwas los – aber das offene Kommen und Gehen hat nachgelassen. Die Kinder sind durch veränderte Schulmodelle stärker eingespannt. Andererseits kommen sie dafür nun im Rahmen von Ganztag oder AGs auf die Farm. Auch mit Kindergärten und Tagesmüttern laufen einige Kooperationen. Aber ein eigener Kindergarten auf dem Gelände: „Das wäre eine echte Chance für Kornwestheim“, sind sich die Beteiligten einig.