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KornwestheimFotoenthusiasten machen sich im K kundig

Stefanie Köhler, vom 19.03.2017 20:00 Uhr
Beratung war bei der Messe groß geschrieben. Foto: Peter Mann
Beratung war bei der Messe groß geschrieben.Foto: Peter Mann

Kornwestheim - Es ist ruhig zugegangen an den Ständen im Kulturzentrum K. Wer am Wochenende die Fernsicht-Tage besucht hat, legte Wert auf Information und intensive Beratung, testete Kameras und Objektive auf Herz und Nieren, begutachtete ausgiebig das Foto-Zubehör, das für die eigene Ausstattung womöglich noch unbedingt nötig ist. Kleine und große, schwarze und silberne Stative standen neben Beleuchtung und einfarbigen wie gemusterten Fototaschen. Mindestens ein Mal pro Stunde erinnerte die Lautsprecherdurchsage die Besucher an die in Kürze beginnenden Vorträge und Workshops. Wenige Minuten später saßen zum Teil mehr als 60 Frauen und Männer im jeweiligen Saal.

Zum Beispiel, als die Hamburger Fotografin und Adobe-Expertin Maike Jarsetz über die Anwendung der Bildbearbeitungsprogramme Lightroom und Photoshop informierte. „Engagierte Fotografen“ und „Fotoenthusiasten“ nannte Jens Bartmann, Inhaber von Ringfoto Bartmann und Mitveranstalter der Fernsicht-Tage, die rund 2000 Besucher im K. Die meisten wussten genau, welcher der rund 30 Aussteller für sie der richtige ist.

Die Kamera und das Objektiv „Kameras machen es heutzutage einfach, dass das Bild gut wird“, sagt Juliander Enßle, freier Mitarbeiter beim Hersteller Nikon. Dafür müsse man kein Freund von Technik sein. „Man kann sich als Einsteiger auf den Automatik-Modus verlassen. Er erkennt, ob ein Porträt oder eine Landschaft fotografiert werden soll, und passt die Einstellungen an.“ Für kreative Bilder müsse man sich jedoch auskennen.

„Insgesamt geht der Trend weg von der Spiegelreflexkamera zu kleinen, kompakten Systemkameras, die sich auch sehr gut für Reisen eignen“, sagt Fany Fazii, Tübinger Fotografin und Promoterin für den Hersteller Olympus. Spiegellose Systemkameras mit Wechselobjektiven zeigen dem Betrachter auf dem Bildschirm, wie das Foto aussehen wird. Manuell kann der Fotograf das Bild nach Belieben bearbeiten, bevor er den Auslöser drückt. „Das große Thema“, sagt Fazii, sei das neue Modell Olympus OM-D E-M1 Mark II. Es ermöglicht bis zu 60 Bilder pro Sekunde. Das gilt derzeit als Rekord. Das neue Modell vom Hersteller Panasonic, die Lumix GH5, kann das auch. Dank Serienaufnahmen hat man eine hohe Wahrscheinlichkeit für das perfekte Foto. Selbst wenn das falsche Objekt scharf gestellt war. „Seit Herbst 2016 bietet Panasonic den Post-Fokus an“ sagt Fachberater Frank Bayer. Damit lässt sich der Fokus nach der Aufnahme anpassen. Die Wahl des Objektivs hängt immer davon ab, was man fotografiert. Es gibt spezielle Objektive für Porträtaufnahmen ebenso wie für Panoramas. „Das Normalobjektiv kann viel, ist aber auf keinem Gebiet ein Spezialist“, sagt Enßle von Nikon. Weil sie nicht das Maximale aus den Bildern herausholen können, erlebten Einsteiger oft eine Enttäuschung. Aus Sicht von Enßle sollte man sich deshalb gleich ein Spezial-Objekt dazukaufen. Weiteres Zubehör Zum Beispiel Stative. Sie sind nötig, wenn man sich selbst fotografieren will oder für Langzeitaufnahmen zum Beispiel nachts, bei denen die Kamera bloß nicht wackeln darf. Einsteigern empfiehlt Torsten Olschinski, Geschäftsführer von Grotura, Vertrieb & Service für Fotozubehör, Modelle aus Aluminium. Die sind zwar schwerer, aber günstiger als die aus Carbon. „Grundsätzlich hängt die Wahl des Stativs davon ab, wie groß der Fotograf ist, was seine Ausrüstung wiegt oder für welche Zwecke er es benötigt“, sagt Olschinski. Kleine Stative mit wenig Platzbedarf unter zwei Kilo eignen sich besonders gut für den Urlaub, im professionellen Studio darf es schon mal die zwei Meter hohe Ausführung sein. Das Fotobuch Wer auf Reisen fotografiert, erstellt aus den besten Bildern gern ein Fotobuch. Das nimmt man immer mal wieder aus dem Regal und schaut es sich an – anders als die Tausende Fotos auf dem Rechner, die in unzähligen Ordnern abgelegt sind. Klaus Winkler, Gebietsverkaufsleiter bei Europas größtem Fotoentwicklungsunternehmen Cewe am Standort Germering bei München, sagt, dass weniger mehr sei. „Es ist zwar Geschmackssache, wie viele Bilder man für das Fotobuch auswählt. Viele kleine Bilder lassen eine Seite jedoch unruhig wirken.“ Winkler rät, für eine Seite auch mal nur ein einziges Bild zu verwenden, damit dieses seine Wirkung entfalten kann. Wer Quer- wie Hochformate hat, nimmt am besten ein quadratisches Buch. So lassen sich beide Formate gleich groß darstellen, ohne dass man einen Ausschnitt wählen muss. „Ein Buch im Querformat eignet sich dagegen für Landschaftsaufnahmen und Panoramas.“ Diese Bilder kämen zudem auf Hochglanzpapier besser zur Geltung, weil die Farbe besser rauskommt.

Der Nachteil: Auf glänzendem Papier sieht man jeden Fingerabdruck. Anbieter von Fotobüchern gibt es viele. Aus Sicht von Winkler muss jeder Kunde testen, mit welcher Software von welchem Anbieter er am besten zurechtkommt. In der Regel bieten sie eine automatische Bildoptimierung und ein Bildbearbeitungsprogramm. Das Fazit „Ich bin sehr, sehr zufrieden“, sagt Jens Bartmann. Die Fach-Workshops und -vorträge seien „tipp topp ausgebucht“ gewesen. Etwas weniger Resonanz hätten leider die Reisevorträge erfahren. Sie sollen 2019, wenn die Fernsicht-Tage wieder in die Stadt kommen, stärker beworben werden. Die Besucher, überwiegend Fachpublikum, seien zum Teil von weit her gereist, aus Mosbach oder Ulm. „Es waren zahlreiche Menschen da, die schon zu den ersten Fernsicht-Tagen in Schorndorf gekommen sind“, sagt Bartmann. Dort steht auch 2018 die nächste Auflage an.