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KornwestheimFür immer mehr ist das Häusle unerschwinglich

Werner Waldner, vom 16.08.2017 00:00 Uhr
Wüstenrot hat zum Pressegespräch geladen. Foto: Archiv/Christian Mateja
Wüstenrot hat zum Pressegespräch geladen.Foto: Archiv/Christian Mateja

Kornwestheim/Ludwigsburg - Wer immer die nächste Koalition in Berlin bilden wird, Bernd Hertweck, Vorstandsvorsitzender der Wüstenrot Bausparkasse, hat eine klare Vorstellung davon, welche Frage die Parteien in ihrem Koalitionsvertrag beantworten müssen: Wie wird es bewerkstelligt, dass sich auch Bezieher von mittleren Einkommen ihr Häusle oder ihre Eigentumswohnung leisten können? Dass dem nicht mehr so ist, belegte Hertweck gestern bei einem Pressegespräch im Wüstenrot-Hochhaus mit eindrucksvollen Zahlen.

Lag das Durchschnittsalter der Häuslebauer beispielsweise vor Jahren noch bei 39 Jahren, so ist es nunmehr auf 49 Jahre angestiegen. Während die Jungen immer später und seltener zum Zuge kämen, würden vermögende Ältere mitunter ein zweites oder drittes Objekt erwerben. Es sei zu beobachten, dass sich nur noch sehr Gutverdienende Wohneigentum leisten könnten, so Hertweck. Kein Wunder bei den Preisen, die in der Region Stuttgart mittlerweile für eine Wohnung oder ein Haus verlangt werden. Als auf der Hartenecker Höhe in Ludwigsburg-Oßweil vor knapp zehn Jahren die ersten Immobilien verkauft worden seien, erinnert Hertweck, da hätte ein Reihenhaus rund 330 000 Euro gekostet. Im Jahr 2017 belaufe sich der Preis auf mehr als eine halbe Million Euro. „Eine Million Mark für ein Reihenmittelhaus“, scheut Hertweck nicht den Vergleich mit der alten Währung. Wer sich eine solche Immobilie leisten wolle, der benötige – beim Kauf zehn Prozent Eigenkapital vorausgesetzt – ein Netto-Einkommen von rund 4000 Euro monatlich, um das Haus finanzieren zu können.

Hertweck ist der Ansicht, dass die Politik reagieren muss. Und er ist optimistisch, dass sie das auch tun wird. Das Thema Wohnen sei in den Parteien angekommen, das zeige auch der Blick in die Wahlprogramme, sagt der Bausparkassen-Vorstandsvorsitzende. Aus seiner Sicht müssen sich die Anstrengungen zum einen darauf richten, die Baunebenkosten wie zum Beispiel die Grunderwerbssteuer zu reduzieren. Zum anderen gehe es darum, die finanzielle Unterstützung der Bauwilligen den aktuellen Entwicklungen – also den gestiegenen Löhnen und Gehältern als auch den explodierenden Baukosten – anzupassen. Hertweck spricht sich dafür aus, die Einkommensgrenze für die Wohnungsprämie von derzeit 25 600 auf über 33 500 Euro anzuheben. Der Prämiensatz von 8,8 Prozent sollte unverändert bleiben.Von einer steigenden Eigentumsquote würden auch die Mieter profitieren, sagt der Wüstenrot-Chef. Wer in sein eigenes Haus oder seine eigene Wohnung ziehe, der mache auch eine Mietwohnung frei, häufig eine größere, in die ihrerseits Mieter von kleineren Wohnungen ziehen würden. Von „Umzugsketten“ sprechen die Experten.

Für die prosperierenden Regionen wie Stuttgart macht Wüstenrot eine spezielle Entwicklung aus. Mehr Arbeitnehmer als in früheren Jahren würden derzeit in den Ruhestand gehen. Sie räumen ihren Arbeitsplatz, aber nicht ihr Häusle. Und so seien die nachrückenden Arbeitnehmer gezwungen, ins Umland zu ziehen. Am Randgebiet von Heilbronn, hat Hertweck beobachtet, würde es zu deutlichen Preissteigerungen kommen. Kaum vorstellbar, dass diese Preise auch noch verlangt werden können, wenn die Arbeitnehmer später, nachdem Wohnraum in der Nähe der Arbeitsplätze frei wird, in Richtung Stuttgart ziehen wollen. Das sei dann der Soufflé-Effekt, so Hertweck. Der Auflauf fällt bei Überhitzung in sich zusammen.

Mit dem Geschäft bei Wüstenrot zeigte sich der Vorstandsvorsitzende beim Pressegespräch zufrieden. Wüstenrot Haus- und Städtebau sowie Wüstenrot Immobilien würden Kurs auf neue Rekordgewinne nehmen, so Hertweck. Und man hätte noch deutlich mehr Objekte vermarkten können, wenn es sie denn gegeben hätte. Die Nachfrage sei nach wie vor weitaus höher als das Angebot.