Kornwestheim Gartenfreunde scheinen sich nicht grün

Michael Bosch, vom 22.06.2018 10:00 Uhr
Prozess vor dem Ludwigsburger Amtsgericht. Foto: dpa
Prozess vor dem Ludwigsburger Amtsgericht. Foto: dpa

Kornwestheim - Dass die beiden Ludwigsburger, die beide ein Grundstück in der Kornwestheimer Kleingartenanlage im Oßweiler Weg haben, nicht die besten Freunde sind, wurde vorm Amtsgericht Ludwigsburg am Mittwochvormittag augenscheinlich. Einem 53-jährigen Lkw-Fahrer nachzuweisen, dass er einem weiteren Gartenbesitzer Pfefferspray aus nächster Nähe ins Gesicht gesprüht hatte, weshalb er wegen schwerer Körperverletzung angeklagt war, das gelang dem Gericht aber nicht. Das 60-jährige Opfer konnte sich nicht mehr genau an den Vorfall im Juli 2016 erinnern. Das Gericht stellte das Verfahren gegen Auflagen ein.

„Ich habe an dem Tag in meinem Garten gearbeitet, mit dem Rücken zum Eingang“, sagte der Lehrer und Kaufmann vor dem Amtsgericht Ludwigsburg aus. „Plötzlich kamen von hinten Steine und Bolzen geflogen.“ Er habe daraufhin sein Grundstück verlassen und sei auf den Angeklagten getroffen. Als er diesen habe zur Rede stellen wollen, habe der ihn mit dem Pfefferspray angesprüht. Er habe anschließend seine Augen ausgespült, seinen Sohn informiert, der dann im Anschluss die Polizei verständigt habe. Im Krankenhaus in Stuttgart sei eine Verätzung festgestellt worden, außerdem habe er sich eine neue Brille kaufen müssen.

Den 53-Jährigen kenne er schon seit drei oder vier Jahren. Kennengelernt habe man sich bei einem gemeinsamen Saufgelage in seinem Häuschen auf der Anlage, an dessen Ende der 53-Jährige ihm eine Wodkaflasche auf den Kopf geschlagen habe. „Das habe ich damals aber nicht der Polizei gemeldet“, sagte das Opfer. Überhaupt pöble der Angeklagte häufig auf der Gartenanlage herum und würde andere Grundstücke vermüllen, behauptete der 60-Jährige „Ich vermute, er will sich rächen“, sagte er. Wofür, das konnte er dem Gericht nicht erklären. Er glaube, dass der Mann ihm immer noch böse sei, weil er ihn seinerzeit aus seinem Häuschen geworfen habe.

Beim Pfefferspray-Angriff sei der 53-Jährige „zehn bis 15 Meter“ von ihm entfernt gestanden. Das machte die Richterin stutzig. In der Anklage war von zwei bis drei Metern die Rede. Diese Angabe hatte das Opfer auch bei seiner Vernehmung durch die Polizei gemacht. Die Polizeihauptmeisterin, die das Opfer damals vernommen hatte, bestätigte das dem Gericht. Der 60-Jährige habe ihr gegenüber erwähnt, dass es schon öfter Streit zwischen den beiden gegeben habe. Vor allem in Anbetracht der widersprüchlichen Angaben des Opfers stellte die Richterin in Absprache mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung das Verfahren ein. „Bei zehn bis 15 Metern Abstand kann man nicht mehr von schwerer Körperverletzung sprechen“, sagte sie.

Der Lkw-Fahrer beteuerte mit Unterstützung seiner Verteidigerin, dass er an besagtem Tag gar nicht in der Gartenanlage gewesen sei. Belegt wurde das durch eine Bestätigung des Arbeitgebers, die das Gericht aber nicht als vollends glaubwürdig einstufte. Der 53-Jährige muss nun 300 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass gar nichts war“, sagte die Staatsanwältin.