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Kornwestheim Gekämpft, geworben, gewonnen

siehe Kommentar, vom 17.11.2017 00:00 Uhr
Nördlich und südlich des Römerhügelwegs soll die Solarthermieanlage errichtet werden. Foto:  
Nördlich und südlich des Römerhügelwegs soll die Solarthermieanlage errichtet werden. Foto:  

Kornwestheim - Wenn jetzt nicht noch ein geologisches, archäologisches oder artenschutzrechtliches Gutachten dazwischen grätscht, dann wird bald am Römerhügel eine riesige Solarthermieanlage entstehen. Dass es dazu kommt, davon ist der Chef der Stadtwerke Ludwigsburg/Kornwestheim nun überzeugt. Am Donnerstagabend nach der Gemeinderatssitzung war ihm die Erleichterung jedenfalls geradezu ins Gesicht geschrieben. „Wir mussten kämpfen und werben, um diese tolle Anlage realisieren zu können, aber jetzt können wir durchstarten“, freut sich der Geschäftsführer der Stadtwerke und ergänzt: „Ich bin erleichtert, insbesondere, wenn man das knappe Ergebnis betrachtet.“

Der Kornwestheimer Gemeinderat hatte es sich nämlich nicht leicht gemacht. Am Ende reichten 13 Jastimmen, elf Stadträte stimmten dagegen, Kornwestheimer Landwirtschaftsfläche für das Projekt herzugeben. Hauptgegner war die CDU, deren Dilemma Fraktionschef Hans Bartholomä so beschrieb: „Aus ökologischer Sicht ist das eine sehr gute Sache, in Kornwestheim haben wir aber keine kontaminierten Böden, sondern besten Ackerboden, der geopfert werden müsste.“ Außerdem wäre auf der diskutierten Fläch e auch eine Wohnbebauung möglich, und die Schaffung von Wohnraum sei ein vorrangiges Thema.

Die Freien Wähler stimmten gar unterschiedlich ab. Wortführer der Proseite war Markus Kämmle, der betonte, dass bei gleicher Flächennutzung die Solarthermie die 40-fache Energieausbeute im Vergleich zum Maisanbau für Biogasanlagen habe. Der Klimawandel macht es möglich, dass Kämmle und Hans-Michael Gritz von der SPD sich mit denselben Worten für die Solarthermie aussprachen: „Wenn wir es nicht machen, wer macht es dann?“, fragten beide unisono. Die Grünen stimmten ebenfalls für die Anlage, obwohl Ralph Rohfleisch zugleich auch Verständnis für die Landwirtschaft äußerte. „Aber der Kampf gegen die Klimaerwärmung wiegt schwerer.“

„Wir können in der Region ein weiteres Projekt auf den Weg bringen, um die Energiewende voran zu bringen“, freut sich Bodo Skaletz. Der Kornwestheimer Gemeinderat sei eine große Hürde gewesen, für alles weitere werde eine Lösung gefunden werden, ist er sich sicher. Ursprünglich wollten die Stadtwerke die Anlage allein auf einem kontaminierten, nicht für die Landwirtschaft geeigneten Gelände auf Ludwigsburger Gemarkung realisieren, aber da ein Teil der Fläche aus Artenschutzgründen doch nicht zur Verfügung stand, brauchte es eine Ausweichfläche – und die fanden die Stadtwerke nur wenige Meter weiter: Gegenüber auf der anderen Seite des Römerhügelwegs, allerdings auf der Kornwestheimer Seite.

Über die Kollektoren wird dereinst auch Kornwestheims Norden mit Fernwärme versorgt. Ob Vakuumröhren oder Flachkollektoren verwendet würden, sei noch nicht geklärt, erläutert Skaletz. Zunächst würden nun die Planungen ausgeschrieben, dann die Anlage. „Wir entscheiden uns für die effizientest Lösung in Relation zu den Kosten“, ergänzt der Geschäftsführer. Bis Mai 2020 sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein. Kosten wird das Projekt 13 Millionen Euro, wobei 80 Prozent der Summe vom Bund gefördert werden. Der Solarthermiepark könnte bis zu 1500 Megawattstunden erzeugen. Er wird sich auf 4000 Quadratmetern erstrecken.