Kornwestheim Gemeindeschwester noch nicht präsent

Werner Waldner, vom 19.12.2017 09:00 Uhr
Die SPD fordert Beratung und Betreuung für Senioren. Foto: dpa
Die SPD fordert Beratung und Betreuung für Senioren. Foto: dpa

Kornwestheim - Wie kann es gelingen, dass Senioren trotz körperlicher Beschwerden länger in ihrer Wohnung oder in ihrem Haus bleiben können? Wer hilft ihnen, die richtigen Wege einzuschlagen? Wer hat ein Auge darauf, dass die alten Menschen nicht vereinsamen? Diese Fragen umschreiben ein Aufgabenfeld, das die SPD-Fraktion im Gemeinderat gerne einer Person übertragen will, für die in der Stadtverwaltung eine neue Stelle geschaffen werden soll.

Die Sozialdemokraten haben im Rahmen der Haushaltsberatungen einen entsprechenden Antrag gestellt, der aber mit ihrem Einverständnis in einen Arbeitsauftrag an die Stadtverwaltung gewandelt worden ist. Sie soll zunächst einmal erkunden, ob möglicherweise auch Wohlfahrtsverbände diese Aufgabe übernehmen können und ob das Land Baden-Württemberg die Einrichtung einer solchen Stelle bezuschusst.

Die anderen Fraktionen im Gemeinderat signalisierten durchaus Wohlwollen gegenüber dem Anliegen der SPD, hatten allerdings noch viele offene Fragen. Unisono sprachen sie von einem wichtigen Thema, das, so Susann Boll-Simmler (Grüne) zunehmend an Bedeutung gewinnen werde. Aber noch sei die Zeit nicht reif für eine solche Stelle. Der Erste Bürgermeister Dietmar Allgaier tat sich noch aus einem anderen Grund mit dem Antrag schwer: Es seien in den vergangenen Jahren Stellen abgebaut worden. Es wäre ein falsches Signal ans Haus, für diese Aufgabe jetzt gleich wieder Personal einzustellen.

„Gemeindeschwester plus“ hatte die SPD die Stelle umschrieben, angelehnt an ein gleichnamiges Projekt in Rheinland-Pfalz. Mit der Bezeichnung zeigten sich die Sozialdemokraten indes selbst nicht mehr ganz so glücklich, weil sie, so SPD-Stadtrat Prof. Walter Habenicht, zu sehr an die Gemeindeschwestern erinnere, die früher in Kornwestheim unterwegs gewesen seien, die aber ihre Aufgaben eher in der Pflege gesehen hätten. Der neue Namensvorschlag der SPD: „PräSent Kornwestheim“. PräSent steht dabei für „Präventive Seniorenarbeit“.

Walter Habenicht verweist in seinen Erläuterungen zu dem Antrag auch auf ein Projekt der Caritas in Frankfurt (Main), das vor fünf Jahren mit dem Hessischen Gesundheitspreis ausgezeichnet worden ist. „Die Unterstützung erfolgt hier durch mehrere, in der Regel bis zu drei Hausbesuche. Der erste dient dem gegenseitigen Kennenlernen und der Erfassung der Lebens- und Gesundheitssituation. Danach werden Maßnahmen empfohlen und deren Umsetzung beobachtet.“ Die Hausbesuche sind den Kornwestheimer Sozialdemokraten ganz besonders wichtig: Es solle keine Struktur geschaffen werden, nach der die Senioren ins Rathaus kommen müssen, um Rat zu bekommen.

Das Land Baden-Württemberg, hat Habenicht recherchiert, sieht offensichtlich die Kommunen in der Pflicht. Dort müssten für die Seniorenarbeit „passgenaue Lösungsansätze“ gefunden werden, heißt im Abschlussbericht einer Enquetekommission „Pflege“. Für Habenicht steht außer Frage, dass die Stelle bei der Stadt angesiedelt werden muss. Der Landkreis sei dafür viel zu weit entfernt.

Nun also wird sich erst einmal die Stadtverwaltung mit dem Thema beschäftigen – sehr zum Unmut von Stadträtin Theresia Liebs (Freie Wähler). Sie kritisierte, dass der Arbeitsauftrag nicht genau definiert sei, die Verwaltung also gar nicht wisse, was sie erstellen solle. Und außerdem, so Liebs, hätten die Beschäftigten im Rathaus auch genug zu tun.