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KornwestheimGigaliner-Verkehr könnte zunehmen

Michael Bosch, vom 06.11.2017 00:00 Uhr
Passt viel rein: Mit den bis zu 44 Tonnen schweren Gigalinern kann mehr Ladung auf einmal transportiert werden, unumstritten sind sie dennoch nicht. Foto: dpa
Passt viel rein: Mit den bis zu 44 Tonnen schweren Gigalinern kann mehr Ladung auf einmal transportiert werden, unumstritten sind sie dennoch nicht.Foto: dpa

Kornwestheim - Über die Landstraße 1110 von der A81 kommend und über die Westrandstraße rumpeln die Ungetüme schon eine ganze Weile, um den Containerbahnhof zu erreichen. Demnächst könnten sie dann auch die B27 und B27a nutzen. Für Lang-Lkw, sogenannte Gigaliner, die aus Uhingen über die B10 und den Pragsattel kommen, soll der Streckenabschnitt freigegeben werden. Bei der Stadtverwaltung sind die Pläne noch nicht bekannt. „Da es sich um eine Bundesstraße handelt, fällt das nicht in unseren Verantwortungsbereich“, sagt der Erste Bürgermeister Dietmar Allgaier. Deshalb sei die Stadt wohl auch noch nicht vom Verkehrsministerium kontaktiert worden.

Unternehmen beantragen dort die freizugebenden Streckenabschnitte, die Verkehrsministerien des jeweiligen Landes prüfen diese und geben die Vorschläge an das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) weiter. Aus dem Entwurf für die achte „Änderungsverordnung“ für die Zulassung von Gigalinern geht hervor, dass die Strecke von Uhingen, wo ein Unternehmen angesiedelt ist, das als Zulieferer auch für Porsche arbeitet, nach Kornwestheim „Am Containerbahnhof“ führen soll. Tritt die Änderungsverordnung des Bundes in Kraft, dürften Lkw mit bis zu 25,25 Metern Länge dort fahren. Der Entwurf befinde sich derzeit noch in der Länder- und Verbändeanhörung, teilt das BMVI hierzu vage mit.

Nach einem Feldversuch der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) sind die bis zu 44 Tonnen schweren Lkw seit Jahresbeginn auf einer Gesamtstrecke von 11 600 Kilometern zugelassen. Mit der Ausweitung würde das Streckennetzes auf rund 12 000 Kilometer anwachsen.

Dagegen läuft vor allem das Verkehrsbündnis „Allianz pro Schiene“ Sturm. Gemeinsam mit dem BUND und der Deutschen Umwelthilfe (DUH) klagt es zur Zeit gegen die reguläre Zulassung von Riesen-Lkw im Straßenverkehr. Gegen die Gigaliner sprechen aus Sicht der Verbände, dass sie umweltschädlich seien, durch die billigeren Transporte Güterverkehr von der Schiene auf die Straße abwandere, sie den Steuerzahler teuer zu stehen kämen, da sie ein Mehr an Infrastruktur-Investitionen nach sich ziehen und obendrein gefährlich für alle Verkehrsteilnehmer seien. Deshalb stoßen auch die angedachten Änderungen auf wenig Verständnis.

Die neue Strecke von Uhingen nach Kornwestheim betreffend seien die Kriterien des Landes erfüllt, das Regierungspräsidium habe die „Befahrbarkeit überprüft“, weshalb die Strecke an den Bund gemeldet worden sei, heißt es vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg auf Anfrage dieser Zeitung.

Das Land habe zudem das Streckennetz für Gigaliner – mit Ausnahme des Anschlusses von KV (Kombinierter Verkehr)-Terminals, wo Güter von der Straße auf die Schiene verladen werden und die an bereits freigegebenen Autobahnen liegen – bisher nicht erweitert, teilt das Ministerium mit. Es habe erst die Ergebnisse der gemeinsam mit Daimler in Auftrag gegebenen Studie zu den XXL-Lastwagen abgewartet.

Seit Ende September liegen sie inzwischen vor, und wirklich für den Einsatz der Lang-Lkw sprechen sie nicht. Die Menge an Kohlenstoffdioxid (CO2), die durch sie eingespart würde, sei im Vergleich zu der Menge an CO2, die der Straßenverkehr 2030 an Emissionen ausstoßen werde, „klein“, geht aus der Studie hervor. Abschließend geklärt ist die Position der Landesregierung – selbst nach Veröffentlichung der Studie – deshalb noch nicht. „Die Landesregierung wird sich zum weiteren Umgang mit Lang-Lkw neu positionieren und über die seit April 2017 eingegangenen neuen Streckenanmeldungen entscheiden“, sagt ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Konkreter will die Behörde in Stuttgart zum jetzigen Zeitpunkt nicht werden.

„Wenn es weitere Streckenausweitungen, beispielsweise im Gewebegebiet Nord geben sollte, erwarten wir, dazu gehört zu werden“, sagt Dietmar Allgaier. Dort habe man ohnehin ein Problem mit Schwerlastverkehr. Dass es künftig mehr Gigaliner werden, die dann auch über die B27 kommen, das könnte indes über den Kopf der Stadt hinweg entschieden werden. Denn sogenannte Nebenstrecken – das sind alle Straßen, die weder Bundesstraße noch Autobahn sind –, für die die Stadt verantwortlich wäre, befinden sich nicht im Entwurf.