Kornwestheim Große Leidenschaft für kleine Hubschrauber

Eva Tilgner, vom 03.11.2018 10:00 Uhr
Peter Huber lässt seinen Modellhubschrauber fliegen. Foto: Eva Tilgner
Peter Huber lässt seinen Modellhubschrauber fliegen. Foto: Eva Tilgner

Kornwestheim - Der echte Hubschrauberflug war seinerzeit ein Geburtstagsgeschenk der Kollegen. Nie wird Peter Huber den Moment vergessen, als er plötzlich den Steuerhebel übernehmen sollte. „Sie können das doch“, meinte der Hubschrauberpilot da zu ihm.

Im Grunde hatte er Recht: Peter Huber ist ein Experte, was das Fliegen mit Hubschraubern angeht – nur eben in einer anderen Dimension: Vier beeindruckende Modellhubschrauber warten in seinem Kofferraum. „Das waren alles einmal Bausätze“, erzählt der passionierte Bastler. Starten wird er seine Lieblinge diesmal am Feldrand zwischen Pattonville und Aldingen. Der ausgebildete Flugleiter achtet genau darauf, dass er die vorgeschriebenen 1,5 Kilometer Entfernung zum Flughafen Pattonville einhält. Auch die Bauern müssen ihre Zustimmung geben, wenn er mit seinem „Polizeihubschrauber“ mit bis zu 1,30 Meter Rotordurchmesser über ihre Felder kreist. „Nicht nur Traktorfahrer, auch die Spaziergänger bleiben stehen und schauen gern meinen Flugobjekten zu“, erzählt der Rentner von den positiven Reaktionen auf sein nicht ganz alltägliches Hobby. Wer Modellflugpilot werden wolle, brauche mindestens drei Voraussetzungen, hält Huber fest: Fachwissen, Geschick und die Kenntnis der Gesetze. Deshalb drückt der Flugleiter dem Laien erst einmal eine Checkliste „Sicher Modellfliegen – das muss man wissen“ in die Hand.

Außer dem Abstand zum Flughafen gehört die Zwei-Kilogramm-Grenze zu den wichtigsten Vorgaben für Modellflieger. Ab diesem Gewicht des Fluggeräts braucht der Pilot einen so genannten Kenntnisnachweis, sonst ist das Fliegen nach der Luftverkehrsordnung nicht erlaubt. „Gerät ein Hubschrauber außer Kontrolle, kann er Menschen erschlagen oder sonstigen Schaden anrichten“, begründet Huber den Hintergrund der gesetzlichen Regelung. Das sei auch der Grund, warum seine Versicherung eine Deckungssumme von bis zu vier Millionen Euro beinhaltet.

Denn: Jeder Flug ist anders. Wer glaubt, er könne ins Geschäft gehen, einen Hubschrauber kaufen und dann Loopings über das Feld drehen, wird sich umschauen. Es steckt einiges mehr hinter dieser Freizeitbeschäftigung: „Der echte Modellflieger liebt das Zusammenbauen“, erklärt Jürgen Benecke, der 1. Vorsitzende der Fliegergruppe Kornwestheim den Reiz, der das Hobby ausmacht. Sein Verein bot eine Zeit lang eine Flugmodellbaugruppe für Jugendliche zwischen zwölf und 14 Jahren an.

„Uns ging es darum, eine Leidenschaft für das Fliegen zu wecken“, erklärt Benecke die Motivation des Vereins. Das schöne Luftbild – die jungen Piloten konnten es so im Kleinen erleben, bis sie den Wunsch nach dem eigenen Flug entwickeln. Momentan aber ruht das Engagement für die Flugmodellbaugruppe, was auch daran liegt, dass der Raum in der Schillerschule, wo man sich sonst traf, bald nicht mehr zur Verfügung steht.

Von Drohnenpiloten, die ohne zu fragen über die Grundstücke der Nachbarn fliegen wollen, von denen hält Benecke wenig. „Die Leute sollten wissen, was sie tun dürfen und was nicht“, findet er. Schließlich könne man auch nicht ohne Führerschein einfach Auto fahren. Warum also einfach losfliegen?

Zumal das „einfach Losfliegen“ sowieso nicht so leicht sei, wie sich das einige Einsteiger vorstellen. Peter Huber hat am PC mit dem Modellflugsimulator lange geübt, bevor er sich mit seinen mühevollen zusammengesetzten Flugzeugen in die Lüfte getraut hat. Selbst nach zwanzig Jahren Erfahrung gilt seine volle Konzentration dem Check der Technik.

Jetzt soll der „Eco8 Royal“ zeigen, was er drauf hat. „Mit dem Hubschrauber habe ich schon viel erlebt“, sagt Huber und gurtet sich den Steuersender um. Erst wird der Heckrotor überprüft, dann der Paddel getestet. „Wichtig ist, erst den Sender einzuschalten und dann den Hubschrauber, damit er nicht außer Kontrolle gerät“, erklärt der Modellflugpilot konzentriert.

Die Startbahn ist frei – kein Fußgänger weit und breit in Sicht. Der „Eco8“ erhebt sich in die Luft. Acht Minuten Flugzeit, so lange hält der Akku, so lange führt Peter Huber kunstvoll seinen Lieblings-Hubschrauber über das Maisfeld. Doch plötzlich gerät der Eco8 in Schräglage und liegt in Sekundenschnelle mit gebrochenem Heckrohr am Boden – 1500 Euro, die nicht mehr zu reparieren und zu ersetzen sind. Nach dem ersten Schock packt Peter Huber die Einzelteile ein und mit einem Leuchten in den Augen, das die Leidenschaft des Bastlers verrät, sagt er nur: „Macht nichts – dann bau’ ich mir halt wieder einen Neuen.“