Kornwestheim Große Pflugfelder Brücke: Sanieren oder neu bauen?

Von
Sind ihre Tage gezählt? Die große Pflugfelder Brücke. Foto: Archiv/Susanne Mathes

Kornwestheim - Nur drei Möglichkeiten gibt’s in Kornwestheim, an denen die Verkehrsteilnehmer vom Kerngebiet der Stadt in den Bereich jenseits der Bahngleise kommen – den Holzgrunddurchlass, den Domertaldurchlass und die Große Pflugfelder Brücke. Die allerdings ist dringend sanierungsbedürftig. 7,65 Millionen Euro werden die Arbeiten kosten. Ist es besser, für 14 Millionen Euro – es handelt sich dabei um eine grobe Schätzung – eine neue Brücke zu bauen?

Seit Jahren schon denkt die Stadt über ein Instandsetzung der Brücke nach. Für die Schäden ist insbesondere Wasser verantwortlich, das durch undichte Fugen und schlecht verlegte Abdichtungen in das Bauwerk dringt. Bei einer Brückenprüfung erlangte das Bauwerk aus dem Jahre 1912 nur die Note 3, die zweitschlechteste. Im vergangenen Jahr rangen sich die Stadtwerke zu einer Sanierung durch. Kostenpunkt: knapp acht Millionen Euro. Mit den Arbeiten sollte im Jahr 2020, spätestens aber 2021 begonnen werden.

Acht Millionen Euro, das ist auch für eine Stadt wie Kornwestheim, die finanziell gut ausgestattet ist, ein hoher Betrag. Dirk Maisenhölder, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Tiefbau und Grünflächen, erkundigte sich im Regierungspräsidium nach einem Zuschuss. Doch den gibt’s nicht für Sanierungsarbeiten, wenn die Traglast nicht erhöht wird.

Zuschüsse gibt’s aber sehr wohl für Neubauten. Bis zu 75 Prozent, mindestens aber die Hälfte, übernimmt in der Regel der Bund. Dirk Maisenhölder hat mal grob geschätzt: Ein Brückenneubau würde rund 14 Millionen Euro kosten. Kommt der Bund nur für die Hälfte auf, muss die Stadt selbst nicht mehr bezahlen als für die Sanierung.

Eine neue Brücke hat natürlich eine längere Lebensdauer als eine nur sanierte. Sie hätte mit 40 Tonnen auch eine doppelt so hohe Traglast wie die alte, die lediglich ein 20 Tonnen schweres Fahrzeug aushält. Dirk Maisenhölder weiß: Sie ist ausgelegt auf das schwerste Fahrzeug, das es vor gut 100 Jahre gab – eine Dampfwalze. Allerdings: Da Lkw die neue Brücke, so sie denn errichtet wird, auch künftig nicht nutzen sollen, ist eine Höhenbegrenzung vorgesehen. Für Baubürgermeister Daniel Güthler ist aber ein weiterer Vorteil ganz gravierend. Eine neue Brücke könnte breiter ausfallen und damit Platz bieten für Radfahrstreifen am Rand und einen Bürgersteig. Sie würde rund neun Meter messen und damit 2,50 Meter mehr als das vorhandene Bauwerk. Es soll aber bei zwei Fahrspuren bleiben. Die vorhandene Brücke ist extrem schmal. Fährt ein Linienbus über die Große Pflugfelder Brücke, wird’s extrem eng.

Und damit wären wir bei der Deutschen Bahn, die die Flächen unter der Brücke nutzt. Derzeit ist das Lichtraumprofil zwischen Gleisen und Unterseite der Brücke für heutige Verhältnisse zu niedrig. Baut die Stadt eine neue Brücke, müssen es mindestens 6,30 Meter Abstand sein, 80 Zentimeter mehr als bisher. Die neue Brücke wird also höher ausfallen als die jetzige, die auch schon einen kleinen „Katzenbuckel“ aufweist. Aber das ist nicht das einzige Problem . Die Stadt muss mit der Bahn eine sogenannte Kreuzungsvereinbarung schließen. Die zu Papier zu bringen, das kann bis zu eineinhalb Jahre dauern, haben Berater die Stadt vorgewarnt.

Nein, ohne Ersatzbrücken geht’s nicht. Gleichwohl werden Verkehrsteilnehmer vom Fußgänger bis zum Linienbus andere Wege nehmen müssen. Die Ersatzbauwerke führen lediglich auf der östlichen Seite zu den Kleingärten und zum Gelände der Eisenbahnfreunde, auf der westlichen Seite zum Stellwerk der Deutschen Bahn.

Sofern der Gemeinderat in der kommenden Woche rund 400 000 Euro für erste Planungen bewilligt, sollen bis Anfang 2019 die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie vorliegen. Dann würde die Stadt in die Verhandlungen mit der Bahn eintreten und sich nach einem Planungsbüro umschauen – per Ausschreibung, weil das so vorgeschrieben ist. Erst im Jahr 2020 würde die Stadt beim Regierungspräsidium Stuttgart einen Antrag auf Förderung stellen. Auch bei Erfolg würde mit den Bauarbeiten erst 2023 begonnen werden. Ende 2025 könnten die ersten Fahrzeuge über die Brücke rollen.

Wer hätte das gedacht? Bei den Vorberatungen im Ausschuss für Umwelt und Technik bekannten mehrere Stadträte ihre Zuneigung zu der alten Brücke. Prägend sei dieses Stahlgerüst für das Stadtbild, einfach nur schön. Markus Kämmle (Freie Wähler) wusste zu berichten, dass man das Bauwerk früher „Die rote Brücke“ genannt habe. Von der Farbe ist allerdings nichts mehr zu sehen. Gleichwohl: Einstimmig votierte der Ausschuss dafür, in die Neubauplanung einzusteigen.

 
 

Sonderthemen